Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Hat nichts mit ‘Euthanasie’ zu tun“: Leiter der Impfkommission zu Todesfällen nach Covid-19-Impfung

© AFP 2021 / PASCAL POCHARD-CASABIANCAEine Krankenschwester hält am 23. April 2020 die Hand eines Patienten auf der Palliativstation des Eugenie-Krankenhauses in Ajaccio auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika. Symbolbild
Eine Krankenschwester hält am 23. April 2020 die Hand eines Patienten auf der Palliativstation des Eugenie-Krankenhauses in Ajaccio auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika. Symbolbild - SNA, 1920, 20.01.2021
Abonnieren
Der Leiter der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI), Prof. Dr. Thomas Mertens, ist auf die SNA-Frage zu den bisher bekannten zehn Todesfällen bei den Ältesten nach einer Covid-19-Impfung eingegangen. Dabei wollte SNA wissen, ob die STIKO nach derartigen Berichten plant, ihre Impfempfehlungen entsprechend anzupassen.
Einen Präzedenzfall hat bereits Norwegen geliefert: schon nach 23 Todesfällen änderten die Behörden ihre Impfempfehlungen. Nach der Untersuchung von 13 Todesfällen stellte die norwegische Arzneimittelbehörde etwa fest, dass häufige Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen wie Fieber, Übelkeit und Durchfall bei einigen gebrechlichen Patienten zu tödlichen Folgen geführt haben können. Den Ärzten in Norwegen wird nun geraten, bei den „schwer gebrechlichen und todkranken“ Patienten erst sicherzustellen, dass der Nutzen der Impfung das Risiko möglicher Nebenwirkungen überwiegt. Insgesamt wurden in Norwegen bis zum 17. Januar 33 Tote nach der Biontech/Pfizer-Impfung bekannt, alle über 75 Jahre alt. Das norwegische Institut für öffentliche Gesundheit kommentierte dazu, dass „für diejenigen mit der schwersten Gebrechlichkeit selbst relativ milde Impfstoffnebenwirkungen schwerwiegende Folgen haben können“. Für diejenigen mit einer ohnehin kurzen Restlebensdauer könnte dann der Nutzen des Impfstoffs marginal oder irrelevant sein.
Schild an der Wand eines Impfzentrums in Berlin wird von Unbekannten geschädigt - SNA, 1920, 14.01.2021
So viele Todesfälle bereits nach Corona-Impfung: Paul-Ehrlich-Institut geht auf aktuelle Fragen ein
In Deutschland waren bis zum 10. Januar zehn Todesfälle nach der Biontech/Pfizer-Impfung bekannt (neue Daten veröffentlicht das Paul-Ehrlich-Institut am Donnerstag - Anm. d. Red.). In diesen Fällen seien schwer kranke Menschen innerhalb von vier Tagen nach der Immunisierung gestorben. „Es handelt sich um sehr schwer erkrankte Patienten mit vielen Vorerkrankungen, auch Patienten, die palliativ behandelt worden sind“, erklärte die Verantwortliche für die Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten am Paul-Ehrlich-Institut, Dr. Brigitte Keller-Stanislawski. Der Zusammenhang mit der Impfung liege bisher nicht vor. Ansonsten würden die Todesfälle samt anderen Nebenwirkungen innerhalb der erwarteten Norm liegen, hieß es.

STIKO-Chef Mertens verteidigt Empfehlungen zu Covid-19-Impfung

Jedoch haben sich einige in Deutschland gefragt, wieso palliativ Behandelte in Deutschland überhaupt geimpft werden. „Wir haben erstens fantastische Institute, die ohne genauere Prüfung wissen, dass Zusammenhänge zwischen Impfungen und Todesfällen unwahrscheinlich sind und wir haben zweitens fantastische Entscheider über Impfungen, die todkranke Menschen impfen. Toll“, empörte sich der 82-jährige Chefredakteur der „Nachdenkseiten“ und ehemaliger Berater der Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt, Albrecht Müller. Die SNA-Leser gingen noch weiter und spekulierten sogar über eine Art verdeckte „Euthanasie“.
Zu den Vorwürfen meldete sich auf eine SNA-Anfrage der Leiter der STIKO, der deutsche Arzt, Virologe und Hochschullehrer Prof. Dr. Thomas Mertens. Ein grundsätzliches Problem bei solchen Fragen sei es, so Mertens, dass der Begriff „todkrank“ nicht wirklich definiert werden könne. Mertens weiter:

„Wenn Sie sterbende Menschen meinen, so sollen diese nicht geimpft werden. Es ist ja bei allen Impfungen so, dass die ‘Impfbarkeit’ des Menschen gegeben sein muss und akut Erkrankte zurückzustellen sind“.

Prof. Dr. Thomas Mertens
Leiter der Ständigen Impfkommission
Dies gehe auch aus den Empfehlungen der STIKO hervor, verweist Mertens. Also scheinen all die Todesfälle lediglich in der Verantwortung der impfenden Ärzte zu liegen.
„Die Frage, ob im Einzelfall ein Mensch geimpft werden kann, kann nur durch den impfenden Arzt entschieden werden“, schreibt Mertens weiter. Es sei sicher so, dass dies in der aktuellen Situation eine schwere Entscheidung sein könne, da die Entscheidung ja auch Elemente einer Selektion/Triage haben könne. Die STIKO könne, wie auch andere, hierzu sicher niemals eine Regelung für den einzelnen Fall vorgeben. „Mit ‘Euthanasie’ hat dieses Problem sicher nichts zu tun.“ Auch eine Pressesprecherin des RKI wies darauf hin, dass die Umsetzung der Impfempfehlungen Ländersache bzw. die konkrete Impfentscheidung Sache des impfenden Arztes sei. Die STIKO empfehle nicht ausdrücklich, „Todkranke“ zu impfen.
Karl Lauterbach (Archivbild) - SNA, 1920, 19.01.2021
Schwerkranke trotz Todesfällen weiter impfen? SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach anwortet SNA
Die aktualisierten Covid-19-Impfempfehlung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung hatte das RKI am 14. Januar veröffentlicht. Danach werden Personen in Senioren- und Altenheimen und die über 80 priorisiert. Die Priorisierung betreffe etwa Personen mit „seltenen, schweren Vorerkrankungen, für die bisher zwar keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz bzgl. des Verlaufes einer COVID-19-Erkrankung vorliegt, für die aber ein erhöhtes (Erkrankungs-) Risiko angenommen werden kann“, steht da genau geschrieben.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала