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Brasilien: Welle von erneuten Infektionen in Manaus – trotz Herdenimmunität?

© REUTERS / RICARDO MORAESMassenimpfung in Brasilien
Massenimpfung in Brasilien - SNA, 1920, 20.01.2021
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Eine Mutation in Brasilien trifft die Großstadt Manaus, die eigentlich eine Herdenimmunität haben sollte. Ist diese wieder weg oder hilft sie nicht gegen die Mutante? Dieser Frage gehen derzeit Forscher nach. Unabhängig davon werden künftige Mutationen schärfer überwacht werden, denn es reicht schon eine ansteckendere Form für schwere Folgen.
Inmitten steigender Infektionszahlen hat Brasilien mit Impfungen gegen das Sars-Coronavirus-2 begonnen. Besonders hart trifft die Epidemie seit Dezember die Großstadt Manaus, wo das Gesundheitssystem überlastet und ein Mangel an Sauerstoff-Flaschen herrschen soll. Das ist eine aus zwei Gründen nachdenkenswerte Entwicklung.
Zunächst einmal hätte es so nicht kommen sollen. Denn die Stadt war bereits im Vorjahr so stark von der Epidemie erfasst worden, dass Schätzungen von britischen Forschern zufolge drei Viertel der Bevölkerung eine Immunität haben sollten – das würde der Herdenimmunität entsprechen, bei der ein Infektionsgeschehen sich nicht mehr exponentiell entwickeln, die Zahlen nicht in die Höhe schießen sollten. Stellt sich die Frage: Wieso schießen dort die Zahlen wieder in die Höhe?
Als mögliche Ursache für diese Entwicklung kommt eine brasilianische Mutation des Sars-Coronavirus-2 mit der Bezeichnung P.1 infrage. Dieselben Forscher um Nuno Faria haben deswegen Proben von Infizierten aus Manaus sequenziert, wie die Fachzeitschrift Science berichtet. Sequenzierung bezeichnet die Untersuchung des Erbguts von Organismen und Viren. Im Fall von Sars-Cov-2 geht es um Unterschiede im Erbgut, sogenannte Mutationen. Sie untersuchten also die Proben und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich bei 13 der insgesamt 31 zugesandten Proben um die Mutante P.1 handelt. Das wären über 40 Prozent am Infektionsgeschehen, was wegen der kleinen Stichprobe aber keinen repräsentativen Wert hat. Es zeigt aber, dass ein Teil der Entwicklung sicherlich von P.1 getrieben wird.
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Wieso eine erneute Welle?

Gerade weil die Bevölkerung mutmaßlich zu 75 Prozent immun ist, stellt sich die wichtige Frage, was dahinter steckt. Möglich wäre:
Die Immunität in der Bevölkerung hat rasch nachgelassen und es handelt sich um erneute Infektionen.
Die neue Mutation ist ansteckender und hebt darum die Zahlen wieder an.
Die Stadt war nicht gleichermaßen durchseucht und Infektionen flammen in Gegenden auf, die schwächer getroffen waren.
Eine Immunität gegen das ursprüngliche Virus hilft nicht gegen die Mutation, da das Immunsystem diese nicht als Sars-Cov-2 erkennt.
Letzteres wäre ein großes Problem. Denn in diesem Fall wären die gegenwärtig laufenden Impfungen in Brasilien nutzlos, sollte die neue Mutation sich über das Land ausbreiten. Die Impfung müsste in dem Fall abgewandelt werden, damit sie gegen beide Stämme wirkt. Aber was das heißt, ist auch klar: Es würden ja nicht die verteilten Dosen wieder eingesammelt und etwas hinzugegeben. Es müssten neue hergestellt werden.
Das ist sehr viel Wenn-Dann, auch Spekulation genannt. Damit aber diese Frage entschieden wird, haben brasiliasche Forscher eine Studie gestartet, in der Daten erhoben werden zu Patienten, die bereits infiziert waren und sich dann erneut mit P.1 angesteckt haben. Ähnliche Untersuchungen laufen auch in Südafrika, wo eine andere Mutationen zu ähnlichen Überlegungen führt.

Mutationen: Ein Problem für die Impfstoffe

Ganz gleich wie diese Forschung ausgeht, so bleibt allerdings eine grundsätzliche Gefahr laut Impfstoffforscher Philip Krause, dem Vorsitzender der WHO-Arbeitsgruppe zu Impfstoffen. Der hält es zwar für unwahrscheinlich, dass die jetzigen Varianten ein Problem für die Impfstoffe darstellen, aber teilt auch mit: „Die nicht so guten Nachrichten sind, dass die schnelle Evolution dieser Varianten zeigt, dass sich das Virus zu einem impfstoffresistenten Phänotyp entwickeln kann. Das kann schneller gehen, als uns lieb ist.“
Die nächste Stufe der Pandemiekontrolle ist also nicht einfach die Überwachung von Clustern mit Sars-Cov-2, sondern ein besonders scharfes Auge für auftretende Mutationen, die – nötigenfalls durch stärkere Maßnahmen – von einer räumlichen Ausbreitung abgehalten werden. Deswegen startet das Robert-Koch-Institut auch hier einen „deutschen elektronischen Sequenzdaten-Hub (DESH)“, über den eine bundesweite schnelle Kommunikation zwischen Laboren ermöglicht wird. Mit ausreichenden Testkapazitäten auf Mutationen könnten so Ausbreitungsmuster von Mutationen wie dem britischen Stamm nachvollzogen und gegebenenfalls auch unterbunden werden. Schließlich ist nicht nur eine mögliche Resistenz ein Problem, das Virus braucht nur deutlich ansteckender zu werden und das kann dann zu einer ganz anderen Situation in den Krankenhäusern führen. Das gilt es nach Möglichkeit, kommen zu sehen.
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