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„Paralleluniversum zur Coronakrise“: Esther Perbandt zeigt „Berlin Beat“ bei Modewoche

© Foto : BIRGIT KAULFUSSDesignerin Esther Perbandt
Designerin Esther Perbandt - SNA, 1920, 20.01.2021
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Bei der Berlin Fashion Week zeigt auch Designerin Esther Perbandt ihre neue Kollektion. International bekannt wurde die Berlinerin an der Seite von Heidi Klum bei Amazon Prime. Die Finalistin der Show „Making the Cut“ schickt nun Klums Tochter Leni als Model über den Catwalk – digital wegen des Lockdowns.
Ist es der Herzschlag von Berlin? Die Kollektion „Berlin Beat“ ist jedenfalls auch „Black Magic“. Esther Perbandt wird seit Jahren in der Szene geschätzt: avantgarde-industrial und meist monochrom in Schwarz gehalten, so ihr Stil. Nicht nur Dirigent Teodor Currentzis trägt Perbandts edlen Zwirn, auch die Barden von Rammstein stattet die Designerin mit ihren Entwürfen aus. Das „Rotzige“ ihrer Mode käme aus Berlin, das Feminine aus Frankreich (Perbandt hat einen Abschluss einer französischen Elite-Modeschule) und die harte Strenge sei auf einen russischen Einfluß zurückzuführen.

Fashion Week im Lockdown

Die jährliche Berlin Fashion Week findet in diesem Jahr während des aktuellen Lockdowns in digitaler Form statt – das bedeutet, an den Laptops zu kleben, um aktuelle Design-Visionen zu erleben. Es ist aber auch ein bisschen wie ein Platz in der begehrten Front Row. Nur die VIP-Geschenketütchen und das Blitzlichtgewitter entfallen auf dem heimischen Sofa.

Mit Heidi, Naomi und Chiara

Auf diesem, vielmehr ihrem eigenen Sofa, befand sich auch schon im Frühjahr vergangenen Jahres die Mehrzahl der Bevölkerung – Corona-Lockdown Nummer eins war just im Gange. Online lief die Amazon-Prime-Serie „Making the Cut“, ein weiteres Projekt aus dem Imperium von „Model-Mama“ Heidi Klum. Nach jungen Mannequins und Dragqueens sind die Protagonisten ihrer neuen Reality-Show Designer: Zur Abwechslung mal Terrain für Handwerk und professionelles Können. Und so stellte sich ein Potpourri fantasievoller Geister einer recht glamourös besetzten Jury aus der Klum, Model-Dino Naomi Campbell, Fashion-Influencerin Chiara Ferragni, der Ex-Chefin der Vogue France, Carine Roitfeld, Designer Joseph Altuzarra und US-Modeunternehmerin Nicole, der Tochter von Sänger Lionel Richie („Hello?“).

Making the cut – streamen und shoppen

Zum Wettstreit geladen war eine ganze Riege vorab gecasteter internationaler Modedesigner mit eigenen Labels, um über etliche Prime-Folgen vor den Kulissen von New York, Paris und Tokio an Zuschnitt-Tischen, Nähmaschinen und Modepuppen stressgetränkte Dramen und tränenreiche Erfolge zu erleben. Italiener wie Briten, Amerikaner, Japaner und Deutsche, ach was, Teenager und Fashionbegeisterte auf der ganzen Welt fieberten mit ihren Serien-Lieblingen im Kampf um Millionen-Preisgeld und Imagegewinn.
„Making the Cut“ bedeutet übrigens soviel wie den (Zu-)Schnitt zu machen, aber auch, irgendwie abzusahnen im Englischen: Streamen und Shoppen. Zeitgleich zur Show sind die Entwürfe der Designer bestellbar. Für die weitläufig eher unbekannten Labels ein PR-Coup, denn in Zeiten der Pandemie läuft bekanntermaßen so gut wie nichts – die Laufkundschaft jedenfalls bleibt weg: Doch der Online-Handel boomt. Es sei „wie ein Paralleluniversum zur Corona-Krise“ und das Beste, was ihr passieren konnte, so Esther Perbandt im Interview mit der Redakteurin.
Perbandt war mitten drin im „Making the Cut“-Trubel – die einzige Deutsche bei Heidi Klums Designer Challenge. Die Berlinerin schafft es ins Finale und ins Bewusstsein abertausender gleichgesinnter Modeenthusiasten. Die Modegazetten sind des Lobes voll, Fashion Weekly bezeichnet die Designerin selbst als „unexpected rolemodel“, ein unerwartetes Vorbild für junge Menschen in diesem Zirkus – sie sei immer authentisch und bewahre ihren Stil.

„Fühlte mich wie Humboldt“

Verbogen hätte sie sich tatsächlich nie und ihre Handschrift immer gezeigt, so Perbandt, allerdings habe sie auch einiges dazugelernt. Damit meint sie nicht nur das Selber-Nähen als Challenge, ihre Schneiderin war ja nicht mit von der Partie, sondern ihre persönliche Entwicklung: Zunächst hätte sie sehr gezögert, als alternative Modedesignerin bei so einem kommerziellen Klum-Projekt teilzunehmen, schließlich wird mit dem Motto geworben, das nächste große globale Fashionlabel aufzubauen. Doch, dann habe sie sich überlegt, an die Sache wie ein Forscher heranzugehen: „Ich habe mich gefühlt, wie Alexander von Humboldt, der auf eine Expedition geht. Zu verlieren hatte ich nichts, aber so viel zu entdecken“. Und das Publikum ohnehin:
In Zeiten uniformen Geschmacks sorgt schon allein Perbandts an Androgynität schrammende Weiblichkeit im eigenen Erscheinungsbild für hohes Identifikationspotenzial bei nach Wahrhaftigkeit strebenden Individualisten. Sie selbst findet, ihre Designs seien wie eine Rüstung, eine „wappnende Hülle“ für die Großstadt. In ihrem Geschäft in der Almstadtstraße Nähe Alexanderplatz könne man gewissermaßen „ein Stück von ihrer Stärke“ kaufen. Und corona- wie showbedingt angekurbelt, auch im Onlinestore. Perbandt habe seit dem Frühjahr viel Zeit in ihre Social-Media-Präsenz investiert, sich mit Suchmaschinenoptimierung und Google-Ergebnissen befasst.

Esther Perbandt poliert Berlin Fashion Week auf

Perbandts künstlerische Aura, vielmehr aber noch das Renommee und ihre Designs polieren derzeit die oft als etwas trutschig wahrgenommene Berlin Fashion Week auf. Unvergessen die legendären Shows der Designerin aus der Berliner Volksbühne – schlicht zum Laufsteg umfunktioniert, zum Zehnjährigen Label-Geburtstag prangt ihr Name auf mannshohen Lettern an der Theaterfassade. Perbandt macht Unisex-Mode und sie hält auch nichts von starren Geschlechterrollen, Schönheitsidealen oder Altersgrenzen. Auf Perbandts Laufstegen tummeln sich Persönlichkeiten – keine Kleiderständer.

Online mit Leni

Live-Shows mit Publikum sind aber derzeit nicht angesagt. Aus bekannten Gründen. Die Fashion Week findet im Internet statt, die Schauen werden online gezeigt, etwa als „Fashion-Film“. Heidi Klum hat bei Instagram für ihre Tochter Leni, die in einem solchen Clip zu sehen war, geworben: In einem Outfit von Esther Perbandt stakst die 16-jährige Debütantin Leni über den Catwalk.
Die Berliner Modewoche vereint noch bis kommenden Sonntag mehrere Veranstaltungen unter einem Dach und zeigt zweimal im Jahr neue Kollektionen und Trends. In diesem Monat geht es bei der Fashion Week um die Saison Herbst/Winter 2021/2022.
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