Geben Athletenkommissionen Sportlern wirklich mehr Mitspracherecht?

© REUTERS / Raj MehtaEin NFL-Trainer trägt Kappe mit BLM-Symbolik (Archivbild)
Ein NFL-Trainer trägt Kappe mit BLM-Symbolik (Archivbild) - SNA, 1920, 19.01.2021
Nicht alle Entscheidungen von Sportverbänden und -funktionären treffen bei Athleten auf Zustimmung, und doch müssen sie sich den Regeln beugen. Mit nationaler und internationalen Vertretungen erhoffen sie sich mehr Mitspracherecht. Diese seien inzwischen selbstbewusster geworden, so die Sportausschussvorsitzende des Bundestags, Dagmar Freitag.
Die modernen Spitzensportler wollen mitreden, wenn es um Regeln und Entscheidungen von nationaler und internationaler Tragweite geht. Nicht zuletzt auch darüber, ob Sportler im Rahmen des Wettkampfes politische Zeichen setzen dürfen. Zuletzt ist das wieder in den Fokus gerückt, als Football-Spieler in der NFL sich mit der „Black Lives Matter“-Bewegung solidarisierten und sich aus Protest hinknieten. Im Zuge der darüber entbrannten Diskussion hatten US-amerikanische Athletenvertreter gefordert, die Sanktionierung von Bekundungen politischer Standpunkte aus dem Strafenkatalog zu streichen.
Die Athletenvertretungen seien inzwischen sehr selbstbewusst geworden, sagte Dagmar Freitag (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. „Die Bevormundung durch Sportorganisationen und Sportfunktionäre hat damit auch ein Ende“, so die Sportausschussvorsitzende des Bundestages. „Ich würde das nicht als Revolution bezeichnen, aber die Machtverhältnisse verschieben sich allmählich.“
Die 17-köpfige Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) setzt sich aus Sportlern unterschiedlicher Nationalitäten und aus verschiedenen Sportarten zusammen. Mit der Degenfechterin und Olympiasiegerin von Peking 2008, Britta Heidemann, ist auch eine Deutsche dabei. Russland wird durch die mehrfache Olympiasiegerin, Weltrekordlerin und erfolgreichste Stabhochspringerin aller Zeiten, die 38-jährige Jelena Issinbajewa, vertreten.
Obwohl mit verdienten Sportlern besetzt, scheint die Athletenvereinigung zumindest beim IOC bisher wenig Gewicht zu haben. Kritische Stimmen würden auf wenig Gegenliebe stoßen, sagt SPD-Politikerin Freitag. Oft hätten die Athletenvertretungen „nur eine Alibifunktion“. „Insofern hat nach meiner Wahrnehmung noch kein IOC-Präsident aus diesem Gremium ernsthaften Gegenwind verspürt.“
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Sportliche und persönliche Potenziale entfalten

Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gibt es eine sechsköpfige Athletenkommission, die die Sportler in allen Leistungssportgremien des DOSB repräsentiert. Alle vier Jahre werden die Vertreter aus fünf olympischen Verbänden und ein Vertreter eines nicht-olympischen Spitzenverbandes durch die Vollversammlung aller Athletenvertreter gewählt.
2017 hat sich zudem der Verein Athleten Deutschland e.V. gegründet, derzeitiger Präsident ist Fechter Max Hartung. Dieser setzt sich, unabhängig von der Athletenkommission des DOSB, für Mitbestimmung der Athleten und bessere Rahmenbedingungen ein, um „sportliche und persönliche Potenziale zu entfalten“.
„Wir treten ein für fairen und sauberen Sport, frei von Missbrauch und Gewalt, Manipulation und Misswirtschaft. Zur Erfüllung unserer Mission kollaborieren wir mit verschiedenen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, sowie mit gleichgesinnten Partnern in Europa und der Welt“, so der Verein in seinem Internetauftritt.
Athleten Deutschland e.V. wird vom Bundesinnenministerium gefördert.
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