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Schwerkranke trotz Todesfällen weiter impfen? SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach anwortet SNA

Karl Lauterbach (Archivbild) - SNA, 1920, 19.01.2021
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Laut dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach können die bisher bekannten zehn Todesfälle nach einer Corona-Impfung in Deutschland nicht Grundlage einer anderen Impfstrategie sein. Lauterbach sprach darüber mit SNA. Dazu verteidigte der Politiker die FFP2-Masken und kommentierte das „Versagen der Bundesregierung“ beim Schutz der Heime.
Der 57-Jährige hat sich am Dienstag Fragen des Vereins der Ausländischen Presse (VAP) gestellt. So freute er sich darüber, dass die Lockdown-Maßnahmen nach zwei Monaten nun „anfangen, sich auszuzahlen“ und die Zahl der Neuinfektionen leicht sinke. Zugleich plädierte er für die schärferen Maßnahmen wegen der Bedrohung durch die aus anderen Ländern ankommenden Corona-Mutationen und für die Covid-19-Impfung.
Diese hat nach den Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts neben 325 Verdachtsfällen mit 913 Nebenwirkungen bereits wenigstens zehn Todesfälle bei den Menschen zwischen 79 und 93 Jahren verursacht (Stand Donnerstag, aktueller Bericht). Alle seien sehr schwer erkrankte Patienten mit vielen Vorerkrankungen, auch Patienten, die palliativ behandelt worden seien, hieß es, und man gehe davon aus, dass sie an ihrer Grunderkrankung gestorben seien im zeitlich zufälligen Zusammenhang mit der Impfung. In Norwegen sind bisher rund 30 ältere schwer erkrankte Menschen nach der Biontech/Pfizer-Impfung gestorben, bei manchen traten schwere Nebenwirkungen in Form von Fieber und Unwohlsein auf. Da die Gesundheitsbehörde einen Zusammenhang mit der Impfung nicht ausgeschlossen hatte, änderte sie die Impfempfehlung. Menschen mit „schwerster Gebrechlichkeit“ wird nun von der Impfung abgeraten.
Schild an der Wand eines Impfzentrums in Berlin wird von Unbekannten geschädigt - SNA, 1920, 14.01.2021
So viele Todesfälle bereits nach Corona-Impfung: Paul-Ehrlich-Institut geht auf aktuelle Fragen ein
Müsste auch die deutsche Impfempfehlung deswegen angepasst werden, wollte SNA von Lauterbach wissen. Der SPD-Politiker zeigt sich da klar: „Man muss da festhalten, dass es bisher keinen klaren medizinischen Beweis dafür gibt, dass ältere gebrechliche Menschen an der Impfung sterben“. Das sei nicht wissenschaftlich gesichert und könne nicht Grundlage einer anderen Impfstrategie sein. Lauterbach weiter:

„Was dagegen sicher ist, dass ältere gebrechliche Menschen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit an Covid-19 sterben, wenn sie sich infizieren. Damit ist der Nutzen für diese Menschen sehr hoch, das Risiko durch die Impfung aber im Vergleich zum Nutzen sehr gering. Daher warne ich davor, jetzt zu unterstellen, dass die Impfung bei älteren Menschen den Tod herbeiführt, insbesondere im Vergleich zur Erkrankung selbst. Wir haben derzeit keine Belege dafür, dass überhaupt jemand an der Impfung selbst gestorben ist, egal wie alt er ist.“

Prof. Karl Lauterbach
SPD-Bundestagsabgeordneter

FFP2-Masken doch für privaten Gebrauch?

Ursprünglich waren die FFP2-Masken nicht für den privaten Gebrauch entwickelt worden und wurden auch vom Robert Koch-Institut (RKI) nicht dafür empfohlen. Vor dem Hintergrund einer womöglich bundesweiten FFP2-Maskenpflicht sieht Lauterbach die Maßnahme nicht im Widerspruch zur Realität. Das sei jetzt ein anderer Stand der Dinge, so Lauterbach, denn man habe es mit einer gefährlichen Mutation zu tun. Man habe auch die Produktion von FFP2-Masken massiv erhöht und das RKI lerne im Rahmen der wissenschaftlichen Entwicklungen dazu. „Somit ist diese historische Beschreibung des RKI wie damals jetzt kein Grund, in angepasster Situation auch angepasste Empfehlungen auszugeben“, so Lauterbach. Wenn sich dann jemand darüber beschwere, dass diese Maske die Atmung störe, dann sei es eine „Rarität“, ein „subjektives Gefühl“. Denn mit guten, hochwertigen Masken ließe es sich nicht schwerer atmen als mit Alltagsmasken. Falls der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz keine FFP2-Maske ertrage, müsste er im Homeoffice arbeiten. „Sonst ist die Maskenpflicht nur für den Einkauf vorgesehen und für den Verkehr und wäre daher für alle Massen tragbar. “
Dass die Todeszahlen in Deutschland höher als in vielen EU-Ländern sind, verbindet der SPD-Politiker vor allem mit einem relativ hohen Anteil an älteren Menschen. Es seien aber auch die hohen Infektionszahlen im Allgemeinen. „Wir müssen die Alten- und Pflegeheime besser schützen, das ist eine Subgruppe, die nur ein Prozent der Bevölkerung, aber bis zu 30 Prozent der Sterbefälle ausmacht“, schlug dann der medial heiß umworbene Epidemiologe vor. Jedoch weigerte er sich bei der Nachfrage eines Journalisten, von einem „Versagen der Bundesregierung“ beim Schutz der Ältesten zu sprechen - er gebe hier der Bundesregierung „keine Noten“.

Das wünscht sich Lauterbach für die Altenheime

„Ich kann nur sagen, dass wir in den Pflegeheimen mehrere Möglichkeiten haben, das Infektionsgeschehen besser zu kontrollieren und die Sterberate zu senken, mit gutem Schutzmaterial und FFP2-Masken“, so Lauterbach. Dann noch mit Antigentests und mit der Impfung. Generell ist es aus der Sicht des Bundestagsabgeordneten noch nicht gelungen, die Belegschaft und die Besucher regelhaft zu testen. Die Einrichtungen seien da nicht in der Lage, sich selbst diese Tests zu beschaffen, und hätten dann noch Schwierigkeiten bei der selbständigen Durchführung der Tests. Dritte, wie die Bundeswehr, müssten da helfen.
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In der Tat werden vor allem Fälle mit einer Infizierung der Ältesten durch die Mitarbeiter der Heime bekannt. Eine Journalistin und VAP-Mitglied lieferte in der Fragerunde das Beispiel ihres Bruders, der im Dezember als sogenannte Leasing-Kraft von einer Zeitarbeitsfirma erst auf einer isolierten Corona-Station und dann gleich in einem Altenheim eingesetzt wurde, ohne dass er dabei getestet wurde. Die Frau zeigte sich dabei empört: „Die Krankenhäuser in Berlin, in denen er gearbeitet hat, haben gesagt, sie sind nicht zuständig für die Tests, sie würden auf den Kosten sitzen bleiben, und das müsste die Zeitarbeitsfirma regeln. Diese sagt aber auch zurecht, wo sollen wir unsere Leute testen lassen, sie können sich auf dem Weg ins Altenheim rein theoretisch wieder anstecken. Und die Pflegeheime, obwohl er gesagt hat, dass er gestern auf einer Corona-Station gearbeitet hat, testen auch nicht. Es ist unglaublich.“
Als ihr Bruder dann einem ÖRR-Sender ein Interview über die Lage gegeben habe, sei er von der Firma als „Nestbeschmutzer“ diffamiert und dann entlassen worden.
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