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Ab 2030 soll das Schweizer Mitholz ein Geisterdorf sein – Dorfbewohner wehren sich

Mitholz (Archivbild) - SNA, 1920, 18.01.2021
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Vor 74 Jahren explodierte ein Munitionslager im Kandertal. Obwohl der Vorfall schon lange zurückliegt, kann eine Gefahr für das dortige Dorf Mitholz nicht ausgeschlossen werden. Um dem entgegenzuwirken, forderte der Bund eine zehnjärhrige Evakuierung des Dorfes. Einzelne Bewohner wehren sich nun dagegen.

Das Schweizer Dorf Mitholz ist gespalten.

In der späten Nacht am 20. Dezember 1947 kam es im Berner Oberland zu einem heftigen Unfall: Ein Munitionslager im Kandertal (Kanton Bern) explodierte und erschütterte das danebenliegende Dorf Mitholz. Insgesamt seien in diesem Lager rund 7000 Bruttotonnen Kriegsmaterial gelagert. Von Patronen, über Geschossen und Tretminen bis hin zu Splitter- und Fliegerbomben seien in diesem Berg gelagert worden. Mehrere Explosionen zerstörten vor 74 Jahren alle Häuser und töteten neun Menschen – darunter vier Kinder.
Auch wenn es in jener Nacht und den darauffolgenden Tagen immer wieder zu Explosionen kam, wurde schätzungsweise nur die Hälfte des gesamten Kriegsmaterials verbrannt. Somit besteht bis zum heutigen Tag eine Gefahr, dass eine weitere Welle von Explosionen ausbrechen könnte. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) entschied sich somit im Februar des letzten Jahres für eine Räumung des Dorfes Mitholz. Um sicherzustellen, dass es niemanden gefährdet, müsse das Dorf und seine 170 Bewohner evakuiert werden.
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Bundesentscheid im Dezember gefällt

Der endgültige Entscheid, Mitholz zu einem Geisterdorf zu machen, wird jedoch erst im Dezember 2020 entschieden. Das gesamte Dorf erhielt demzufolge per Brief Bescheid, dass sich das VBS für eine Räumung entschloss. Auch die Verteidigungsministerin und Bundesrätin Viola Amherd (CVP) meldete sich per Videobotschaft. In dieser erklärt sie, dass die ersten Menschen bereits im Jahr 2025 ausziehen müssten. Betroffen davon sind vor allem die Bewohner, welche nahe an der Straße und den Eisenbahnlinien wohnen. Für alle anderen Mitholzer finge es erst 2030 an: Ab diesem Datum soll das Dorf bewohnerlos sein.

Teil des Dorfes wehrt sich

Jedoch sind nicht alle Dorfbewohner zufrieden mit dem Entscheid. Am letzten Montag, dem 12. Dezember, landete ein Brief auf Amherds Schreibtisch. In diesem erklären sich 60 Dorfbewohner gegen die Räumung von Mitholz. Die Bitte aus dem Brief legt dem VBS nahe, die Situation noch einmal zu überdenken.
Das Problem für die Dorfbewohner sei vor allem die Länge der geplanten Evakuierung, schreibt das SRF. Wenn noch nicht einmal bekannt sei, wie geräumt wird, woher solle man die Länge des Vorhabens wissen? Die unterzeichnenden Personen würden sich allein gelassen und ungehört fühlen.
So ein Brief jedoch hat das Dorf gespalten. Lange nicht alle Bewohner sehen die Räumung als frustrierend an. Auch der Gemeindepräsident der Gemeinde Kandergrund, in welcher Mitholz liegt, stelle sich gegen die öffentliche Bitte des Briefes. Die Kritik an der Evakuierung könne er nicht nachvollziehen. Lange hätte die Diskussion darüber stattgefunden und sie wurde auch immer transparent kommuniziert. Dabei sei unverständlich weswegen solche Beschwerden erst jetzt an das Tageslicht durchdringen.
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