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Studie des Fraunhofer-Instituts: Mit Lüftung und Maske können Kinos und Konzertsäle öffnen

© AFP 2020 / INA FASSBENDERDer leere Saal von Lichtburg Essen (Archivbild)
Der leere Saal von Lichtburg Essen (Archivbild) - SNA, 1920, 18.01.2021
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Eine Studie des Fraunhofer-Instituts führt die Schließungen von Theaters, Kinos und Konzertsälen ad absurdum: Mit ordentlichen Luftfiltern und Maske ist eine Ansteckung selbst bei Vollbelegung so gut wie ausgeschlossen.
Im Auftrag des Konzerthauses Dortmund haben das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut und die Messtechnik-Firma ParteQ die Ausbreitung von Aerosolen im Konzertsaal untersucht. Die umfangreiche Studie hatte zum Ziel, zu beurteilen, wie hoch eine mögliche Corona-Ansteckungsgefahr bei Konzertbesuchen ist.

Mit Lüftung und Maske keine Ansteckungsgefahr

Die Ergebnisse sind erstaunlich und bestätigen, was bereits andere Studien zuvor andeuteten: Die Ansteckungsgefahr auf Kulturveranstaltungen ist mit Mund-Nasen-Schutz sowie ausreichender Frischluftzufuhr über eine Lüftungsanlage gleich Null. Unter Einhaltung dieser beiden Voraussetzungen kann man sogar den Mindestabstand unterschreiten und muss keinen Platz freihalten – es wäre sogar eine Vollauslastung denkbar.

Schließung trotz Hygienemaßnahmen

Mit Einführung des erneuten Lockdowns wurden alle Kultureinrichtungen geschlossen, obwohl diese umfangreiche Hygienekonzepte eingeführt hatten, die weit über den Einbau von Lüftungsanlagen und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hinausgingen. So hatten sich Kinos in der Zeit zwischen den beiden Lockdowns präventiv eine Auslastung von maximal 20 Prozent auferlegt. Bei Konzerten war dies ähnlich. Trotzdem haben diese Maßnahmen aus Sicht der Politik nicht ausgereicht, um ein erneutes Schließen der Kulturstätten zu verhindern.

Keine Gefahr für „Superspreading-Events“

Die neue Studie zeigt nun, dass von Konzerthäusern keine Gefahr für „Superspreading-Events“ ausgeht. In dem Fazit der Untersuchung heißt es, es gibt
„praktisch keine Beeinflussung durch Prüf-Aerosole auf allen Nachbarplätzen eines emittierenden Probanden. Die Gefahr von Infektionen durch Aerosolübertragung im Saal ist nahezu ausgeschlossen. Großes Raumvolumen sorgt für starke Verdünnung von belasteten Aerosolen, durch Zu- und Abluftbetrieb ohne Umluftfunktion werden Aerosole effektiv abtransportiert und können sich nicht anreichern. Ohne Mund-Nasen-Schutz sollte man jeweils den direkten Vorderplatz freihalten. Mit den restlichen Nachbarplätzen ist eine Infektion sehr unwahrscheinlich (Verdünnung/Luftaustausch). Es wäre auch eine Schachbrett-Besetzung des Saales ohne Maske denkbar. Eine Besetzung des Konzerthauses mit vielen Personen stört nicht den Luftaustausch nach oben, sondern fördert diesen durch zusätzliche thermische Effekte.“
Der Zeitschrift „Musikwoche“ gegenüber erklärte Heinz-Jörn Moriske, Direktor und Professor im Umweltbundesamt zu der Studie: "Ich kann mich dem Fazit vollumfänglich anschließen. Bei schachbrettartiger Verteilung der Gäste und 100 Prozent Volllast der raumlufttechnischen Anlage ist das Infektionsrisiko sehr gering. Das Tragen von Mund-Nasenschutz im Saal ist von Vorteil, wenn auch nicht von so großer Bedeutung wie vorher angenommen".

Ansteckung in Innenräumen nur unter bestimmten Voraussetzungen

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft werden Sars-Cov-2-Viren über Aerosole –Tröpfchen beim Ausatmen/Sprechen – von Person zu Person übertragen. Dafür ist ein Abstand von unter zwei Metern nötig und man muss sich mindestens zehn bis fünfzehn Minuten im intensiven Gespräch mit dieser Person befinden. Das Gleiche gilt natürlich auch beispielsweise für Singen im Chor, körperliche Tätigkeit oder gemeinsames Sporttreiben – also Tätigkeiten, bei denen intensiv geatmet wird. Jedoch muss man auch eine Mindestkonzentration von Viren aufweisen, also nicht nur leicht von Sars-Cov-2 befallen sein, um jemanden anzustecken.
Dies sind die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine Infektion in geschlossenen Räumen. An der frischen Luft ist es sehr unwahrscheinlich jemanden anzustecken.

Experiment mit Dummy ergab keine erhöhten Aerosolwerte

In dem Experiment des Konzerthauses Dortmund wurde mit Hilfe eines Dummys, einer Gummipuppe, die menschliche Normalatmung eines Zuschauenden simuliert. Der Dummy saß im Zuschauerbereich und verbreitete durch einen Schlauch aus Mund und Nase genau definierte Mengen Aerosole und CO2.
Ein Umschalten der Lüftung von den bisher üblichen 30 auf 100 Prozent Lüftungsleistung führte zu einer erheblichen Reduzierung der Emissionswerte. So wurde ein kompletter Luftaustausch im Konzertsaal alle 20 Minuten erreicht.
Unter diesen Lüftungsvoraussetzungen ergaben Messungen mit Mund-Nasen-Schutz bei keinem Platznachbarn (weder vorne/hinten, noch seitlich oder diagonal) des Dummys einen erhöhten Aerosol- bzw. CO2-Wert.
Aufgrund vergleichbarer räumlicher Gegebenheiten ist diese Studie problemlos auf Kinosäle und andere Konzert- und Theatersäle übertragbar.
Die nordrhein-westfälische Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen erklärte gegenüber “Musikwoche“:
"Das Thema Belüftung ist ein entscheidender Faktor für die Wiedereröffnung von Kultureinrichtungen. Die Studie des Konzerthauses Dortmund ist daher ein wertvoller Baustein für die Bemühung, den Spielbetrieb auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen. "

Kultur vorerst nur mit Maske

Einen Knackpunkt hat die Studie allerdings: Die Ergebnisse sind nur haltbar unter der Voraussetzung, dass der Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Es wurde nicht untersucht, was passiert, wenn die Maske zwischendurch für den Verzehr von Speisen und Getränken kurz abgenommen wird. Angesichts der für eine Infektion nötigen Voraussetzungen ist eine Ansteckung durch ein kurzes Abnehmen der Maske zwar unwahrscheinlich, aber eben durch diese Studie nicht untersucht worden.
Bis zum völlig unbeschwerten, ausgelassenen Konzerterlebnis ist es also noch ein Stück weg. Musik- und Kunstgenuss unter bestimmten Auflagen sollte jedoch problemlos möglich sein.
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