Mehlkäfer-Larven bald auf dem Tisch der Europäer? Forscher bewerten neuartiges Lebensmittel

© REUTERS / Ardee NapolitanoLabor in der Mehlkäfer-Farm Ynsect in Dole, Frankreich (Archiv)
Labor in der Mehlkäfer-Farm Ynsect in Dole, Frankreich (Archiv) - SNA, 1920, 16.01.2021
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat das erste aus Insekten gewonnene Lebensmittel als zulässig für Menschen bewertet. Dies ist einer Mitteilung auf der Webseite der Institution zu entnehmen.
Die wissenschaftlichen Gutachten vom Mittwoch betreffen demzufolge die Larven von Mehlkäfern (Tenebrio molitor). Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters können die Larven ganz und getrocknet, etwa für Currygerichte, oder als Mehl für Kekse, Pasta und Brot verwendet werden. In Afrika, Australien und Neuseeland werden bereits Insektenriegel, Grillenburger und andere aus Insekten gewonnene Lebensmittel verkauft.
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Zubereitungen aus Insekten können laut EFSA einen hohen Proteingehalt aufweisen und wirtschaftlich sowie ökologisch eine gute Alternative für traditionelle Fleischerzeugnisse darstellen.
„Es gibt eindeutige ökologische und wirtschaftliche Vorteile, wenn traditionelle Quellen tierischer Proteine durch solche ersetzt werden, die weniger Futtermittel benötigen, weniger Abfall erzeugen und zu weniger Treibhausgasemissionen führen“, sagte Mario Mazzocchi, Wirtschaftsstatistiker und Professor an der Universität Bologna.
Niedrigere Kosten und niedrigere Preise könnten aus seiner Sicht die Lebensmittelsicherheit erhöhen. Die neue Nachfrage eröffne darüber hinaus wirtschaftliche Chancen, die sich jedoch auch auf die bestehenden Branchen auswirken könnten.
In Bezug auf den „Ekel-Faktor“ schreiben die Forscher, dass es zwar kognitive Gründe gebe, die aus unseren sozialen und kulturellen Erfahrungen herrühren und es für viele Europäer „unvorstellbar“ machen, Insekten zu essen.
„Mit der Zeit und zunehmender Exposition können sich diese Einstellungen ändern“, meinte aber Giovanni Sogari, Sozial- und Verbraucherforscher an der Universität Parma.
Chemiker und Lebensmittelwissenschaftler Ermolaos Ververis, der das erste angenommene Gutachten zu Insekten als neuartiges Lebensmittel koordinierte, betonte außerdem, dass viele Lebensmittelallergien mit Proteinen in Verbindung stehen. Deswegen werde vor allem geprüft, ob der Verzehr von Insekten allergische Reaktionen auslösen könnte.
„Diese können durch die Empfindlichkeit einer Person gegenüber Insektenproteinen, eine Kreuzreaktion mit anderen Allergenen oder durch Restallergene aus Insektenfuttermitteln, z. B. Gluten, verursacht werden.“
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Die EFSA-Empfehlungen dienen als Grundlage für die europäische Politikgestaltung und Gesetzgebung bezüglich der Lebensmittelkette. Laut Reuters soll das Gutachten zum neuartigen Lebensmittel von der EU-Kommission ratifiziert werden. Futter für Hunde und Katzen, für das Insekten verarbeitet wurden, wurde demnach in Europa bereits auf den Markt gebracht.
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