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„Wir suchen jetzt nach Krematorien“: Impfstoff bleibt knapp, Lockdown wird härter

Impfzentrum in Berlin - SNA, 1920, 15.01.2021
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„Es könnte besser losgegangen sein dieses Jahr“ – mit diesen Worten hat Maybrit Illner ihren ersten TV-Talk nach der mehrwöchigen Weihnachts- und Silvesterpause eingeleitet. Fürwahr: Schon wieder stand das Thema Corona im Mittelpunkt, wie dies 2020 meist der Fall war. Und trotz Impfstart bot die Sendung herzlich wenig Trost und Hoffnung.
„Langsames Impfen, schnelles Virus“ – so lautete das Thema der Talk-Show. Das Novum: Ab jetzt darf die ZDF-Starmoderatorin Illner Corona-bedingt maximal drei Gäste ins Studio einladen. Einer von ihnen war erwartungsgemäß der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der auch im vergangenen Jahr bei den meisten TV-Talks zum Thema Pandemie zu sehen und zu hören war. Und wie auch 2020 blieb er mit seinen Unheil-Warnungen seiner Kassandra-Rolle treu:
„Es ist so, als wenn jetzt eine neue Pandemie starten würde“, meinte er zu dem neuerlichen Auftauchen der neuen, wesentlich ansteckenderen Virus-Mutation.
 Karl Lauterbach (Archiv) - SNA
Karl Lauterbach
SPD

„Dann kommen wir aus dem Lockdown gar nicht mehr raus“

„Wir sind jetzt in ein Wettrennen eingetreten“, so Lauterbachs Metapher. „Ob es uns gelingt, mit einem verschärften Lockdown die jetzige Welle schnell genug in den Griff zu bekommen, bevor die neue Mutation kommt? Ohne Verschärfung geht es gar nicht.“ Wenn das nicht gelingen sollte, „dann kommen wir aus dem Lockdown so schnell gar nicht mehr raus“.
Lauterbachs Wunschvorstellung: Für drei Wochen buchstäblich alles zumachen – nicht nur Schulen und Kitas, sondern weitestgehend auch die Wirtschaft. Dann wäre das Virus tot. Diesem Standpunkt widersprachen allerdings gleich zwei Talk-Teilnehmer. Der aus Dresden zugeschaltete Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer, entgegnete, dies würde zu einem wirtschaftlichen Kollaps führen. Und Eva Hummers, Leiterin eines Impfzentrums in Göttingen, äußerte: „Zu sagen, wir rühren uns alle überhaupt nicht mehr, ist nicht realistisch und nicht hilfreich.“ Schließlich solle es im Supermarkt ja noch etwas zu kaufen geben. Und: „Wer versorgt dann die Leute im Pflegeheim?“ Davon ganz zu schweigen, dass die meisten Ansteckungen sowieso in den Familien stattfinden würden.
Lichtspiel auf dem Brandenburger Tor in Berlin am 31. Dezember 2020 - SNA, 1920, 14.01.2021
2021: „Schwarze Schwäne“ im Anflug

„Das war ein Fehler“

Kretschmer musste sich nebenbei eine sanfte Schelte durch die Moderatorin gefallen lassen, weil er noch im Spätherbst für Lockerungen plädiert hatte. „Das war ein Fehler“, gestand der CDU-Politiker, der bereits Mitte Dezember immerhin „ganz klare autoritäre Maßnahmen des Staates“ forderte, nachdem er sich „bedrückende Bilder“ in einem sächsischen Krankenhaus angeschaut hatte.
„Wir suchen jetzt nach Krematorien weiter weg von Sachsen, um Leichen einäschern zu können“, berichtete Dresdens Bürgermeisterin Eva Jähnigen in einem kurzen Einspieler, zu dem Maybrit Illner einen dramatischen Kommentar vorausschickte: Die Zahlen der Corona-Infizierten und Toten in Sachsen seien „wirklich erschreckend“.

„Auf Kreuzfahrten verzichten“

Gescholten wurde in der Sendung auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder – eben für seinen „autoritären“ Vorschlag, eine Impfpflicht in Pflegeheimen einzuführen. Nach Einschätzung der „Welt“-Journalistin Claudia Kade wäre dies eine „Kapitulationserklärung der Regierung“. TV-Moderator und Arzt Eckart von Hirschhausen, ein weiterer Gast im Studio, bewertete Söders Initiative als „Unsinn“. Ziemlich unsinnig und deplatziert klang allerdings seine Bemerkung, die gegenwärtige Corona-Panik sollte die Öffentlichkeit nicht vom Problem des Klimawandels ablenken, wo es in Deutschland mittlerweile jedes Jahr bereits zigtausende Hitzetote gäbe. Seine Idee, die Älteren könnten sich bei den Jüngeren, die wegen Corona auf so manches verzichten müssen, nach der Überwindung der Pandemie für das Mitmachen bedanken, indem die Senioren „auf Kreuzfahrten verzichten“, dürfte bestenfalls als kabarettreif bewertet werden (immerhin agiert von Hirschhausen als TV-Entertainer), schlimmstenfalls aber einfach als albern. Wohl nicht weniger töricht klang auch seine Äußerung, die Impfbereitschaft der Bevölkerung ließe sich erhöhen, würde man den Begriff „Herdenimmunität“, die man mit dem Impfen erzielen möchte, durch das Wort „Gemeinschaftsschutz“ ersetzen.
Exportversion des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V in Argentinien - SNA, 1920, 14.01.2021
Warum dauert die Zulassung von Sputnik V in der EU so lange?

„Heute die letzten Reste verimpft“

Das Problem der „mangelhaften Impfbereitschaft“ dürfte momentan allerdings als sekundär gelten, wo es doch so dermaßen dramatisch an Impfstoff mangelt. „Ich würde mir wünschen, dass das Impfen schneller geht“, sagte Professorin Eva Hummers, die in Göttingen unter anderem als Mitglied eines mobilen Impf-Teams unterwegs ist. „Wir haben letzte Woche für die Stadt Göttingen ein Paket Impfstoff bekommen, davon sind heute die letzten Reste verimpft worden, und jetzt warten wir wieder.“
Der Zuständige für die Impfstoff-Anschaffung und dementsprechend für die jetzige Knappheit, Gesundheitsminister Jens Spahn, hatte gerade noch zehn Minuten Zeit für eine Zuschaltung übrig. In der kurzen Zeit sprach der Minister wirklich schnell und fließend, konkrete Antworten auf die von der Moderatorin mindestens zweimal gestellten Fragen – „Wann werden wir genug Impfstoff haben?“ und „Was würden Sie heute anders machen?“ – gab er aber nicht. Wie Spahn behauptete, „war es von Anfang an klar, dass es knapp sein würde“. Offen bleibt, warum diese Knappheit dann im Endeffekt so überraschend kam – jedenfalls hatte der Minister davor in keiner Weise gewarnt.
Seinerzeit sagte Spahn, man würde einander „einiges verzeihen müssen“, wenn die Pandemie endlich vorbei sein sollte. Dieses kurze Interview hinterließ jedenfalls den Eindruck, für die anfängliche Impfstoff-Knappheit würde sich der Minister nicht entschuldigen.
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