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Neue Impfstoffvarianten ohne klinische Studien? Moderna will Regularien über Bord werfen

Moderna-Impfstoff - SNA, 1920, 15.01.2021
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Impfstoffentwickler Moderna will bei Mutationen, gegen die sein Impfstoff nicht wirkt, modifizierte Impfstoffe ohne klinische Prüfung herstellen. Dazu müssten aber einige Regularien ausgehebelt werden. Auch russische Forscher hatten bei der Entwicklung von „Sputnik V“ an Forschungen zum MERS-Virus angeknüpft und die Zulassung dadurch beschleunigt.
Neue Mutationen von SARS-CoV-2 bereiten der internationalen Forschergemeinde Kopfzerbrechen. Noch ist keiner der neuen Stämme nachweislich resistent gegen die gängigen Impfstoffe. Doch die Frage wird bereits laut, wie es weitergeht, wenn dieser Fall eintritt – es muss ja nicht eine der jetzt zirkulierenden Mutationen sein, täglich bilden sich neue. Damit wären die Impfungen von heute wirkungslos gegen die Viruswelle von morgen. Und das ist in der Tat ein großes Problem.
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Ein Vorschlag, der die Gemüter spalten dürfte, kommt nun vom US-Pharmaunternehmen Moderna, wie das Online-Magazin „MIT Technolgy Review“ berichtet. Moderna produziert einen mRNA-Impfstoff, der in den USA, Europa und Großbritannien zugelassen ist. Es geht dem Unternehmen um nichts weniger, als den Impfstoff notfalls zu modifizieren, damit er auch gegen neue Mutationen wirkt und ihn dann ohne erneute klinische Studien zu vertreiben. Dafür müssten allerdings ein paar Regularien über Bord geworfen werden, denn die sehen für jeden Impfstoff, egal wie klein die Abweichung, eine jeweils eigene klinische Studie vor.
Wie funktioniert der mRNA-Impfstoff?

Das Erbgut beziehungsweise DNA im Zellkern ist der Träger der genetischen Information. Alle Proteine, die die Zelle für unterschiedliche Prozesse einsetzt, sind dort in Form eines Codes festgehalten. Aber produziert werden sie außerhalb des Zellkerns.

Wird ein Protein benötigt, dann wird zunächst im Zellkern eine Abschrift des jeweiligen Gens angefertigt, die als „Messenger RNA“, „Boten-RNA“ oder kurz „mRNA“ bezeichnet wird. Diese mRNA verlässt den Zellkern, gelangt an kleine runde Strukturen, die als Ribosomen bezeichnet werden und dort wird anhand des RNA-Codes das jeweilige Protein produziert.

Der mRNA-Impfstoff-Ansatz bedient sich dieses Mechanismus, um die Zelle dazu zu bringen, Proteine zu produzieren, die eigentlich zur Oberfläche des Sars-Coronavirus-2 gehören, namentlich das sogenannte Spike-Protein. Es wird dazu ein mRNA-Strang, der die entsprechende Information trägt, in eine Fettschicht eingehüllt und solche Nanopartikel dem Geimpften in Muskelgewebe verabreicht.

Dort sollen die Fettschichten von mRNA-Teilchen und Körperzellen verschmelzen und die mRNA dann im Inneren die Produktion von Spike-Proteinen starten. Diese präsentieren die Zellen dann auf ihren Oberflächen, rufen damit das Immunsystem auf den Plan, das die pseudo-befallenen Zellen abtötet. Bricht nun eines Tages der wirkliche Erreger ein, dann erkennt das Immunsystem diesen und unterdrückt ihn im Keime, bevor die eigentliche Krankheit ausbrechen kann.

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Moderna geht gegenwärtig nicht davon aus, dass die kursierenden Stämme resistent gegen die Antikörper sind, die ihr Impfstoff hervorruft. Moderna-Chef Tal Zaks teilte hierzu auf einer Gesundheitskonferenz von J.P. Morgan am Montag mit: „Unsere Technologie ist sehr gut geeignet, um einen Impfstoff für eine neue Variante bereitzustellen. Aber nach bisheriger Datengrundlage gibt es gegenwärtig keinen Anlass dazu.“
Wenn man die beiden Möglichkeiten auf die Waagschale legt, dann ist es in der Tat zumindest in einer internationalen Notlage eine schwierige Entscheidung. Wenn man den abgewandelten Impfstoff wieder ein Jahr lang testet, mutiert das Virus einfach weiter und man muss wieder ein Jahr den nächsten Impfstoff testen und so weiter und so fort. Das könnte eine unendliche Pandemie für die Welt bedeuten. Auf der anderen Seite ist ein zumindest hypothetisches Restrisiko nicht auszuschließen. Man muss, wie es heißt, das kleinere Übel wählen.
So ähnlich dürften auch die Überlegungen der russischen Forscher gewesen sein, die „Sputnik V“ entwickelt hatten. Mit einem russischen Ebola-Impfstoff gibt es bereits einen nachweislich wirksamen Impfstoff, der auf der Grundlage der zwei eingesetzten Trägerviren funktioniert. Sechs Jahre lang hatten russische Forscher zudem an einem Vektor-Impfstoff gegen das Mers-Virus gearbeitet und diesen in einer klinischen Studie erprobt. Mers gehört zur Familie der Coronaviren und ist mit SARS-CoV-2 genetisch sehr stark verwandt. Der Impfstoff bedurfte deshalb nur einer kleinen Abwandlung, viele Daten lagen bereits vor, und das ermöglichte eine beschleunigte Zulassung. Eine große Welle der Skepsis und offenes Misstrauen war damals die Reaktion.
Wie wird es bei Moderna sein?
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