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Da schlägt der Blitz ins Wohnmobil: „Urlaub in Deutschland“

© Foto : Paris GiachoustidisDa schlägt der Blitz ins Wohnmobil: „Urlaub in Deutschland“
Da schlägt der Blitz ins Wohnmobil: „Urlaub in Deutschland“  - SNA, 1920, 15.01.2021
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Im Pool flirtet ein Paar, ein Drink mit Blick aufs Wasser, Sonnenbadende am Bergsee – Idylle! Die heile Welt von Postkartenmotiv und Werbung, wo Seen so klar, die Haut so rein, die Stimmung immer bombig ist: Wir wissen selbst, dass das nicht stimmt. Der Maler Paris Giachoustidis hinterfragt in neuen Werken Idealbilder und ignoranten Selbstbetrug.
Bilder digitaler Massenmedien sind die Grundlage der Malereien von Paris Giachoustidis. Für seine neue Ausstellung hat der gebürtige Grieche in der Pandemie einen Bilderzyklus geschaffen:
© Foto : Paris Giachoustidis

Psychedelisches Wochenende, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

Psychedelisches Wochenende, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier - SNA
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Psychedelisches Wochenende, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

© Foto : Paris Giachoustidis

Urlaub in Deutschland, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

Urlaub in Deutschland, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier - SNA
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Urlaub in Deutschland, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

© Foto : Paris Giachoustidis

14 Tage Gassi gehen, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

14 Tage Gassi gehen, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier - SNA
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14 Tage Gassi gehen, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

© Foto : Paris Giachoustidis

Lifes` Prisma, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

Lifes` Prisma, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier - SNA
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Lifes` Prisma, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

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Urlaub in Deutschland, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

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14 Tage Gassi gehen, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

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Lifes` Prisma, Paris Giachoustidis, 2020, Acryl auf Papier

Leuchtende Farben gegen Corona-Blues

„Ich lebe seit Jahren in Deutschland, und ich wollte etwas malen, das mein Publikum hier und ich gemeinsam haben. Jeder liebt Urlaub! Für mich ist darin so viel Schönheit. Es ist vielleicht nicht das spannendste Thema, aber ich habe verstanden, dass es nicht immer darum geht. Gerade in banalen Themen kann ich den Fokus auf meine Malerei lenken. Als Corona kam, habe ich mit der Serie „Urlaub in Deutschland“ angefangen. Ich wollte leuchtende Farben auf meinen Bildern, um die Grausamkeit der Situation zu brechen“, so Giacoustidis im Interview.

Die heile Welt von Postkartenmotiv und Werbekampagne

Im vergangenen Jahr, das von der Pandemie bereits gezeichnet war, hat der Künstler verschiedene Orte in Deutschland bereist. „Da gibt es sehr viel zu beobachten, auch zur deutschen Kultur. Aber ich benutze als Inspiration nicht unbedingt meine eigenen Erfahrungen, sondern Bilder von Werbekampagnen oder Postkarten: Da kann ich zuerst einen neutralen Blick haben mit Abstand, denn von der anderen Seite der Werbekampagne siehst du, was Deutschland als Deutschland präsentieren will... Es gibt auch welche mit Wohnwagen als Werbung. Der Wohnwagen ist auch ein Teil der Industrie, worauf Deutsche sehr stolz sind – Autos.“

Realitätseinbruch mit Blitz und Feuer

Giachoustidis zeigt mit seinen leuchtenden Farben in realistischem Stil des Deutschen Liebstes an saftig grünen Wiesen, zeigt sorgsam gestutzte Hecken und strahlend blauen Himmel – glücklich aussehende Menschen inklusive. So ein im Pool flirtendes Pärchen, der Drink mit Blick aufs Wasser, sich in der Sonne Aalende, Badende in einem Bergseeidyll. Doch diese erfahren – anders als in der schöngefärbten Werbung oder dem Postkartenmotiv – eine Zäsur.
Olga Rosanowa.
Winter. Dompfaffen im Baum. 1907/08.
Öl auf Leinwand auf Hartfaser, 63 x 51 cm - SNA, 1920, 06.01.2021
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Plötzlich taucht im Bild ein Feuer auf, das unbeachtet scheint, ein Blitz, der ins Wohnmobil einschlägt, Rauchwolken – blutrot zerbirst dem regen Wandersmann der Kopf. Diese Störung irritiert, lässt aber auch über die verklärte Darstellung nachdenken, wie die Ausstellungsmacher der Berliner Galerie des Künstlers fragen: „Herrscht im Urlaub tatsächlich ständig angenehmes Wetter? Sind die deutschen Gewässer alle klar und blau, die Umgebungen sauber, die Masken lustig und die Menschen fröhlich? Wir wissen natürlich, dass dem nicht so ist. Und versenden wir nicht trotzdem am liebsten Postkarten, auf denen das suggeriert wird? Wo blenden, wo idealisieren, wo ignorieren wir selbst?“

Gegen Schönfärberei und Ignoranz

Schon anhand von Idylle-Darstellungen vergangener Jahrhunderte würde deutlich, dass Menschen sich gern in einem überschaubaren, scheinbar gefahrlosen Raum bewegten, in dem alles Fremde und damit potenzielle Störfaktoren ausgeblendet würden, schreibt Kuratorin Isabelle Meiffert zur Ausstellung. Die Idylle aber sei eine eindimensionale Projektion: „Der Blitz schlägt ein, die Farbe – und das Eis? – innerhalb der Winterlandschaft beginnen zu schmelzen, das Wohnmobil geht in Flammen auf. Diese Bedrohungen lassen Assoziationen zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu. Wie lange können sie ignoriert werden?“ Maler Giachoustidis stemmt sich gegen Schönfärberei und ein Leben in einer Blase: „Ich brauche Realität, deswegen „zerstöre“ ich alle diese Idealbilder. Ich kommentiere sie.“ Sein Kommentar in Acryfarben mag den Zuschauer zu einem kritischeren Umgang mit der Bilderflut digitaler Medien anregen, am Puls der Zeit ist er damit allemal.
Auf der Suche nach Wahrhaftigkeit macht der Künstler mit seinem Bilderzyklus „Urlaub in Deutschland“ ab 16. Januar Station in der Berliner Galerie „68projects“.
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