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„Es gibt Themen, da brauchen wir einander“: Botschafter von Geyr zu deutsch-russischer Perspektive

© SNA / Zur BilddatenbankDeutschlands Botschafter in Russland, Géza Andreas von Geyr
Deutschlands Botschafter in Russland, Géza Andreas von Geyr  - SNA, 1920, 14.01.2021
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Der deutsche Botschafter in Moskau, Géza Andreas von Geyr, hat sich bei der Russlandkonferenz der IHK zur schwierigen politischen Lage und Erwartungen der deutschen Wirtschaft geäußert. Der Diplomat beschrieb zukunftsträchtige Projekte und betonte die Verlässlichkeit langjähriger bilateraler Kooperationen als Maßstab auch für künftige Vorhaben.
„Gute Geschäfte!“ wünsche er, so der Neujahrsgruß des deutschen Botschafters Géza Andreas von Geyr an die Wirtschaftsvertreter bei der Online-Russlandkonferenz der Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf am Donnerstag. Bei einem „Gespräch über Russland“ mit Matthias Schepp, dem Vorstandschef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, stand die Frage „Politik und Wirtschaft – gemeinsam stark?“ im Raum.

Hohe Direktinvestitionen und die Stimmungslage

Mit Blick auf die rund 4.000 vor Ort tätigen Unternehmen, stellte Diplomat von Geyr fest, dass die deutsche Wirtschaft auch weiterhin gern in Russland engagiert ist: Die Aussicht auf gute Geschäfte sei immer noch hoch und damit verbunden auch eine positive Stimmung. Die Zahl der Firmen mag im Vergleich zur Vergangenheit zwar etwas zurückgegangen sein, doch
von Geyr mache Optimismus aus, mit dem auch in dieses neue Jahr geschaut werde.
Aaron Röschke, Leiter Russland Kompetenzzentrum - SNA, 1920, 13.01.2021
Politisch wie wirtschaftlich herausforderndes Marktumfeld: Perspektiven im Russlandgeschäft ausloten
Laut deutscher Bundesbank betrug im ersten Quartal des vergangenen Jahres die Summe der deutschen Netto-Direktinvestitionen 1,8 Milliarden Euro. Mit entsprechend hohen Erwartungen hatten die Deutschen sich auf das Jahr eingestimmt. Doch dann kam die Pandemie - und ein „wesentlich Corona-bedingter Einbruch“ von 1,1 Milliarden Euro im zweiten Quartal, gefolgt allerdings bereits wiederum von einer Erholung im dritten Quartal 2020, in welchem wieder ein Plus von 700 Milllionen ausgewiesen wurde. Dies Zahlen zeigten laut AHK-Chef Schepp, dass die Deutschen vor Ort krisenfest seien, über viele Jahrzehnte gewohnt, dass es „Auf und Ab“ gehe. Die Unternehmer hätten zudem die „soziale Marktwirtschaft in den Genen“, und so sei bei der Mehrheit der aus dem Mittelstand stammenden Firmen und Familienunternehmern auch während der Corona-Krise eine Beständigkeit in der Personalpolitik auszumachen. Nervenstarke Russlandkenner als Manager und die Bereitschaft für einen Technologietransfer gen Ost seien ausschlaggebend für eine „ganz anständige Lage“ der deutschen Wirtschaft in Russland, so der deutsche Chef-Lobbyist.

Wir brauchen einander bei Zukunftsthemen

Allerdings machen sich 80 Prozent der Unternehmer einer AHK-Umfrage zufolge Sorgen um die politische Lage beider Länder – sie sei zum Vorjahresvergleich schlechter geworden.
Eine schnelle Änderung der Verhältnisse sieht aber auch Botschafter von Geyr nicht. Vielmehr geht er davon aus, dass es auch in diesem Jahr viele „Kontinuitäten“ aus dem vergangenen Jahr geben wird, auf die man sich „gefasst machen“ müsse. Es sei „verwegen“ zu sagen, dass in kurzer Frist „alles“ wieder besser würde, so von Geyr. In Anbetracht der gemeinsamen Geschichte und der geographischen Lage würde man einander aber auch künftig brauchen. Diese Grundbotschaft habe der Diplomat auch vonseiten des russischen Präsidenten Wladimir Putin beim „Waldai-Treffen“ vernommen, und es entspräche auch dem, was Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt habe.
„Bei all den Schwierigkeiten, die wir zur Zeit haben – es gibt klare Themen, da brauchen wir einander und sind aufeinander angewiesen ... Wir stehen inmitten der Schritte in eine globalisierte Zukunft auf unserem Kontinent und weit darüber hinaus. Mit den Zukunftsthemen der Digitalisierung, der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels, einer nachhaltigen Umweltpolitik, Energiepolitik.“
Zudem habe die Pandemie gezeigt, dass dazu auch eine Gesundheitspolitik über Grenzen hinweg gehöre. An der Modernisierung und der Zusammenarbeit sowie einer nachhaltigen Entwicklung in diesen Bereichen hätten die Deutschen weit über deutsche und EU-Grenzen hinweg ein Interesse. Dazu brauche es wissenschaftlichen Fortschritt, den Austausch und die Wirtschaft, die sich „beherzt“ der Themen annimmt: „Da ist viel Perspektive für gute deutsch-russische Zusammenarbeit.“

Deutschlandjahr und neue Initiativen zur Nachhaltigkeit

Mit dem im vergangenen September gestarteten „Deutschlandjahr Russland“ sind diverse Projekte aus allen Lebensbereichen an den Start gegangen. Es gehe dabei darum, Deutschland in all seiner Vielfalt präsentieren zu wollen. Dazu gehöre auch, die Vielfalt der Meinungen zu zeigen. Und „die Vielfalt der Ansichten, aus denen sich dann Linien und Richtungen filtern – in Wissenschaft, Wirtschaft wie auch in der Politik“, so von Geyr. Beim parallel initiierten „Nachhaltigkeitsjahr“ unter dem Motto „Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung 2020-2022“ sollen deutsche und russische Behörden und Ministerien, Verbände und die Unternehmen selbst gemeinsam konkrete Projekte entwickeln – beim Klima- und Umweltschutz, der Ernährungspolitik oder im Infrastrukturbereich, die in wirtschaftlichen Kooperationen münden.

Energiekooperation seit 50 Jahren

Seit fünf Jahrzehnten gibt es zwischen Deutschland und Russland, auch über die Zeit des Kalten Krieges hindurch, eine konstante Zusammenarbeit im Energiebereich: „Sie war gut, sie war stark und sie war verlässlich – das ist das Wesentliche“, so Diplomat von Geyr und mit Blick auf die Widrigkeiten bei der Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2:„Ich hoffe, dass zu Ende gebaut wird. Wir werden sehen, was die nächsten Tage, Wochen bringen. Es wird die Amtseinführung eines neuen amerikanischen Präsidenten geben, aber vielleicht vorher noch Maßnahmen des Kongresses – wir werden sehen. Ich denke, wir sind da auf einem relativ guten Weg.“

Zukunft mit den „Erneuerbaren“

Aber auch über Öl und Gas hinaus könnte die Partnerschaft im 21. Jahrhundert fortgeschrieben werden mit „neuen“ nachhaltigen Energien, wie Wasserstoff, Wind- oder Sonnenenergie.
„Ich würde mich freuen, wenn wir bei dem, was wir jetzt in die Zukunft reinprojizieren, an Energiekooperation und Kooperationen von Firmen im Energiebereich auch mit dieser Vokabel der Verlässlichkeit agieren könnten.“
Von Geyr habe zudem in Russland eine Debatte registriert, die „nachhaltigkeitsfreundlicher“ geworden sei, und sei sehr optimistisch: „Die Bereitschaft, sich zu öffnen – gedanklich und dann auch im konkreten Tun in den Schwerpunktsetzungen zu nachhaltigen Energien, zu Wasserstofftechnologien als zukünftigem Energieträger, über den Russland reichhaltigst verfügen kann ... die Bereitschaft ist sichtbar.“ Es sei eine Diskussion, die man „gut auf Augenhöhe führen“ könne, da sie weit in die Zukunft projiziert sei und eines jener Felder sei, wo man einander absehbar brauche.
Wirtschaftsminister Peter Altmaier und sein russischer Kollege Denis Manturow, seines Zeichens Minister für Industrie und Handel, hatten bereits bei der großen Russlandkonferenz des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und der AHK im vergangenen Februar in Berlin über eine Wasserstoff-Partnerschaft gesprochen. Die daraufhin von der AHK gegründete Wasserstoff-Arbeitsgruppe legte alsbald ein Positionspapier der Unternehmen selbst vor, wonach in einem russisch-deutschen Pilotprojekt der Bau einer industriellen Wasserstoffanlage möglichst schnell realisiert werden könnte.

Reiseverkehr und Impfstoff-Kooperation

Noch gibt es dazu keine konkreten Entwicklungen, was sicherlich auch der Corona-Krise geschuldet ist. Neben dem touristischen ist auch der gesamte Geschäftsreiseverkehr per Flugzeug zwischen Deutschland und Russland fast vollständig zum Erliegen gekommen.
Das liege daran, so von Geyr, dass die EU und Russland jeweils „gewisse Regeln“ erlassen hätten.
Die Botschafter habe in vergangenen Monaten viel improvisieren müssen: Gemeinsam mit der AHK hätten zumindest einige Manager-Flüge organisiert werden können. Von Geyr würde sich im „pragmatischen Teil“ darüber freuen, zumindest zu einer „Reziprozität“ zu kommen.
„Wir werden auf eine Verbesserung der Infektionslage warten müssen. An der Infektionslage wird grosso modo abgemessen werden, wie die Risiken im Reiseverkehr angesichts der Infektionslagen eingeschätzt werden. Da werden die Russische Föderation und die EU gemeinsam entscheiden.“ Im Übrigen habe es etwas mit einem „Schuss Prinzipienfestigkeit“ zu tun, dass Deutschland auf einer Zulassung des russischen Impfstoffes auf europäischer Ebene beharren werde. Sollte Sputnik-V in Europa jedoch zugelassen werden, so spräche seiner Auffassung nach nichts gegen eine Kooperation - was die Zurverfügungstellung auf dem Markt, aber auch die Impfstoffproduktion selbst betrifft. Die Fachministerien und nachgeordnete Behörden seien in Kontakt.
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