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Mit Hochzeitsturm und Russischer Kapelle: Mathildenhöhe in Darmstadt bald Unesco-Welterbe?

CC BY 3.0 / Ikar.us / WikiCommons / Mathildenhöhe in Darmstadt. Hochzeitsturm, Ausstellungsturm und russische Kapelle
Mathildenhöhe in Darmstadt. Hochzeitsturm, Ausstellungsturm und russische Kapelle - SNA, 1920, 13.01.2021
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Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe mit ihren Jugendstil-Gebäuden in Darmstadt soll nach dem Willen der Stadt „Welterbe“ werden. Inmitten des Ensembles steht eine reich verzierte Russische Kapelle - für Besuche der Zarenfamilie erbaut. Das Unesco-Votum wurde im vergangenen Jahr pandemiebedingt abgesagt. Doch nun gibt es wieder Hoffnung.
Bereits vor rund zehn Jahren meldete Darmstadt sein Interesse für eine Welterbe-Bewerbung für das Ensemble der Mathildenhöhe an. Ein Ensemble, das es so weltweit nicht gäbe, so die Auffassung der Initiatoren: Eben nicht der reine Jugendstil, sondern mit Linien der Sachlichkeit des Bauhaus-Stils schon einen Schritt weiter.
So ein Welterbe-Titel bedeutet Ansehen und Imagezuwachs: Zwar ist die Verleihung durch die seit 1972 von der UN-Kulturorganisation mit keiner finanziellen Förderung verbunden, doch die Auszeichnung hat Bedeutung für Denkmalschutz und Tourismus, denn der wird durch die weltweite Aufmerksamkeit gemeinhin angekurbelt, so dass der „Rubel“ dennoch rollt.

Alix` Zarenkapelle

Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es auf der Mathildenhöhe nur ein Wasserreservoir und eine von Zar Nikolaus II. errichtete Russische Kapelle. Eine der Schwestern des hessischen Landesvaters, Großherzog Ernst Ludwig, heiratete den letzten Zaren von Russland. Diese Schwester Alix, Enkelin der Queen Victoria, trat zum russisch-orthodoxen Glauben über, nannte sich fortan Alexandra Fjodorowna. Die Kapelle wurde nach den Plänen Leontij Benois gebaut, die künstlerische Ausgestaltung entwarf der symbolistische Maler Wiktor Wasnezow, der für seine mythologischen und historischen Darstellungen berühmt ist.

Künstlerkolonie etabliert

Der Großherzog wollte, dass Hessen prosperiert. Wirtschaftlichen Aufschwung konnte wohl nur mit einer Qualitätssteigerung bei den Fabriken und Manufakturen erreicht werden, denn wertvolle Bodenschätze besaß das Land nicht. Der vom Landesherren und dem Verleger Alexander Koch gegründete Künstler­­kolonie auf der Mathildenhöhe gehörten in der Zeit ihres Bestehens 23 Künstler an. Das Wirken dieser Mitglieder und weiterer wichtiger Persönlich­keiten in Darmstadt bis 1914 habe Akzente auch für die nachfolgenden Ent­wicklungen in Kunst und Architektur weit über die Ereignisse auf der Mathildenhöhe hinaus gesetzt, so die Initiatoren.
Architekt Joseph Maria Olbrich, der Designer und Architekt Peter Behrens und fünf weitere Künstler kamen 1899 nach Darmstadt und schon 1901 konnte die erste von insgesamt vier Ausstellungen auf dem neugebauten Stadtteil gezeigt werden. Für die dritte dieser Schauen auf der Mathildenhöhe, die „Hessische Landes­ausstellung für freie und angewandte Kunst“, wurde der „Hochzeitsturm“ von Olbrich geplant. Namens­gebend war die zweite Hochzeit des Groß­h­erzogs mit Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich, zu deren Ehren dieses Wahr­zeichen der Stadt errichtet wurde. Darmstadt positionierte sich als Wirtschaftsstandort mit hohem kulturellen Anspruch. Die Hessen waren auch auf den Weltausstellungen 1900 in Paris und 1904 in St. Louis vertreten.
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Hessen optimistisch

Im Januar 2019 reichte die Stadt den offiziellen Antrag zur Aufnahme des Nominierungs­gebietes in die Welt­­erbe­liste in Paris bei der Unesco ein. Im Sommer 2019 prüfte eine Delegation den Antrag. Die Hoffnungen waren entsprechend groß – bis „Corona“ kam. Denn eigentlich sollte Mitte 2020 in Fuzhou (China) entschieden werden, ob die Künstlerkolonie in den Reigen exzeptioneller Kulturdenkmäler aufgenommen wird. Abgesagt. Doch nun blicken die Hessen mit Spannung auf den kommenden Sommer. Dann soll das Unesco- Welterbekomitee über die Bewerbung entscheiden. Die Hessen sind positiv eingestimmt:

"Nach objektiver Kommentierung internationaler Experten wird die fristgerechte und vollumfängliche Einreichung der Bewerbungsunterlagen, ebenso wie die erfolgreiche mehrtägige Evaluation der zuständigen Gremien der Unesco ... als wesentliche Grundlage für eine optimistische Einschätzung unserer Chancen angesehen", sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch zu der Deutschen Presseagentur (DPA).

Sanierung und Schutz des Ensembles

Derzeit läuft eine Gesamtsanierung der denkmalgeschützten Gebäude. Mehr als 40 Millionen Euro fließen in das Ensemble, das Gros kommt aus der Stadtkasse, heißt es. Voraus­setzungen für die Aufnahme auf die Welt­­erbe­liste sind nämlich nicht nur ihr außer­gewöhnlicher universeller Wert, sondern auch ihre Unver­sehrtheit und die Gewähr­leistung ihres Schutzes“. Wenn Vertrags­staaten die Aufnahme von Welt­erbe­stätten innerhalb ihrer Grenzen beantragen, erkennen sie damit die weltweite Bedeutung dieser Stätten an und verpflichten sich dazu, sie zu erhalten.
Die von der Unesco geführte Liste des Welterbes umfasst aktuell 1.121 Kulturdenkmäler und Naturstätten in 167 Ländern.
In Deutschland sind 46 Stätten in die Liste eingeschrieben, sechs allein in Hessen. Im Vergleich: Seit 1990 wurden gerade einmal 29 russische Welterbestätten aufgenommen – vom Kreml in Moskau und dem in Kasan über die von Peter dem Großen entworfene Stadt an der Newa zur Kurischen Nehrung und dem Baikalsee bis hin zu den Vulkanen von Kamschatka.
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