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Videospiele und Aggressionen – doch Zusammenhang? Das sagen Experten

© SNA / Wladimir AstapkowitschEin junger Mann beim Computerspielen (Archivbild)
Ein junger Mann beim Computerspielen (Archivbild) - SNA, 1920, 13.01.2021
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US-Wissenschaftler sind nach einer zehn Jahre dauernden Studie mit 500 Teilnehmern zu dem Schluss gekommen, dass es zwischen grausamen Videospielen und dem aggressiven Verhalten bei Teenagern keine Verbindung gibt. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Cyberpsychology, Behaviour and Social Networking“ veröffentlicht.
Der Direktor des Chinesischen Zentrums für psychologisches Wachstum der Jugendlichen, Tao Ran, sagte aber in einem Interview für SNA, dass eine ähnliche Studie im Reich der Mitte gerade entgegengesetzte Ergebnisse gebracht habe: Bis 71 Prozent aller Straftaten, die von jungen Menschen begangen wurden, lassen sich auf diese oder jene Weise auf Videospiele zurückführen. Aber warum sind denn die Ergebnisse der beiden Studien so unterschiedlich?
Psychologen suchen nach der Antwort auf diese Frage seit der Entwicklung der ersten Videospiele, aber besonders akut ist sie gerade jetzt, da der Games-Markt einen enormen Aufschwung erlebt: 2020 ist er laut einer Studie der Firma Newzoo um 20 Prozent auf 175 Milliarden Dollar gewachsen.
„Die Werte und Lebensansichten haben sich im Pubertätsalter noch nicht endgültig geformt. Und wenn manche Kinder viel zu viel grausame Videospiele spielen, führt das dazu, dass sie mit anderen Menschen nicht richtig umgehen können und oft Schlägereien provozieren – und anderweitig auf Gewalt zurückgreifen“, sagte der Experte.
Im Dezember 2020 hatte eine Gruppe von US-Forschern von der Brigham Young Universität die Ergebnisse ihrer zehnjährigen Studie veröffentlicht, an der seit 2009 500 13-jährige Teenager teilgenommen hatten.
Jedes Jahr füllten die Kinder Fragebogen aus, die eventuellen Äußerungen der Aggressivität, Depressions- und Angststörungssymptomen gewidmet waren. Zudem aktualisierten die Forscher jedes Jahr die Informationen über die Videospiele, die die Teilnehmer der Studie spielten: vier Prozent von ihnen spielten nur besonders brutale Spiele, 23 Prozent spielten solche Spiele nur gelegentlich, und 73 Prozent bevorzugten andere Spiele.
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Am Ende stellten die Forscher fest, dass es zwischen den Teenagern aus den drei Gruppen keine Unterschiede gab. Mehr noch: Mit der Zeit wollten sie immer weniger grausame Videospiele spielen.
Der chinesische Experte ist allerdings geteilter Meinung: Grausame Spiele provozieren nach seiner Auffassung zusätzlich negative Emotionen, die Teenager oft nicht in den Griff bekommen können.
„Die Umgebung, in der sich der Teenager befindet, wird ihn ebenfalls gewissermaßen beeinflussen, beispielsweise schlechte Beziehungen in der Familie, überflüssiger Druck im Lernprozess und die Unfähigkeit, sich dem Schulleben anzupassen. Hinzu kommt auch, dass wenn Kinder (vor allem introvertierte Kinder) beginnen, grausame Spiele zu spielen, sie mit größerer Wahrscheinlichkeit auf grausame Methoden zurückgreifen, um schwere Momente in den Beziehungen mit anderen Menschen im realen Leben zu meistern. Zudem wollen sie auf diese Weise ihre negativen Emotionen loswerden und ihre Wünsche äußern.“
Auch der russische Psychologe Nikita Kotschetkow, Dozent am Lehrstuhl für theoretische Grundlagen der Sozialpsychologie der Moskauer psychologisch-pädagogischen Universität, zeigte sich mit dem chinesischen Kollegen einverstanden:
„In der Phase, wenn man sich als Persönlichkeit erst entwickelt, ist dieser Einfluss besonders groß. Einen Erwachsenen wird ein Videospiel kaum grundsätzlich beeinflussen, aber auf eine Persönlichkeit, die sich erst etabliert, kann solcher Einfluss viel stärker sein. Dennoch neigen Teenager dazu, sich von realen Menschen negativ beeinflussen zu lassen – und nicht von virtuellen Protagonisten.“
Es ist nicht das erste Mal, dass verschiedene Studien auf diesem Gebiet kontroverse Ergebnisse bringen: Deutsche Forscher hatten beispielsweise 2010 keine solchen Zusammenhänge entdecken können, während eine Gruppe von amerikanischen und japanischen Kollegen im selben Jahr das Gegenteil bewies.
„Laut unserer Studie sind etwa 71 Prozent aller Straftaten in China, die von Minderjährigen begangen werden, auf diese oder jene Weise mit Videospielen verbunden“, sagte Tao Ran zum chinesischen Experiment. „Der Anteil solcher Fälle ist sehr hoch. Wir haben festgestellt, dass Videospiele bei Teenagern die Neigung zur Gewaltanwendung stimulieren können, was sich von der erwähnten Studie der Amerikaner unterscheidet.“
Auch internationale Organisationen treten gegen grausame Videospiele auf. Im Juni 2018 erkannte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Spielsucht als Krankheit an. Zwar wird die neue Klassifikation erst 2022 in Kraft treten, aber diesbezügliche Diskussionen kochen schon jetzt hoch.
Experte Kotschetkow sagte gegenüber Sputnik, dass Ergebnisse solcher Studien nicht eindeutig sein können.
„Die Resultate solcher Studien sind immer unterschiedlich, denn es ist kaum möglich, den Einfluss der Spiele rein wissenschaftlich zu beweisen, denn es gibt viel zu viele Faktoren: von den psychischen Besonderheiten jedes einzelnen Menschen bis zum unmittelbaren Sujet des jeweiligen Spiels. Deshalb hängen die Ergebnisse von der ursprünglichen Einstellung der Forscher und der Magazine stark ab, die sie veröffentlichen. Oft werden das Internet und Computerspiele dämonisiert“, so der Experte.
So wurde laut der britischen Zeitung „Guardian“ im Juli 2020 im Fachmagazin „Royal Society Open Science“ eine Analyse veröffentlicht, die dem Einfluss der Videospiele auf die menschliche Psyche gewidmet war. Experten von der neuseeländischen Massey University hatten sich mit insgesamt 28 Forschungen aus der Vergangenheit beschäftigt, denen zufolge die Verbindung zwischen Spielen und Aggressionserscheinungen vorhanden sei, und waren zum Schluss gekommen, dass der Einfluss der Videospiele auf die menschliche Aggressivität langfristig gleich null sei.
Dennoch lässt sich solche Verbindung auch anderweitig beobachten. So ergab eine Studie von Experten der australischen University of New South Wales 2018, dass Menschen, die häufig grausame Videospiele spielten, bei Gewaltszenen in anderen Situationen stumpfer reagierten.
Die Universität Oxford berichtete im November 2020 von einem positiven Einfluss von Computerspielen auf die psychische Gesundheit der Menschen während der Pandemie, wie die Nachrichtenagentur Associated Press mitteilte.
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