Söder will Impfpflicht für Pflegekräfte prüfen – Heil dagegen

© REUTERS / ANDREAS GEBERTImpfkampagne in Deutschland (Symbolbild)
Impfkampagne in Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 12.01.2021
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will eine Impfpflicht für Pflegekräfte prüfen lassen. „Darüber müssen wir diskutieren”, sagte der CSU-Chef am Dienstag im ZDF und verwies auf eine relativ geringere Impfbereitschaft unter Pflegekräften. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBP) lehnt eine Impfpflicht für Pflegekräfte ab.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will eine Impfpflicht für Pflegekräfte prüfen lassen. „Darüber müssen wir diskutieren”, sagte der CSU-Chef am Dienstag im ZDF und verwies auf eine relativ geringere Impfbereitschaft unter Pflegekräften.
Heimbewohner müssten besonders geschützt werden, zudem gebe es auch eine Impfpflicht für Masern, betonte Söder. Der Ethikrat müsse deshalb eine Empfehlung abgeben, „für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre”, sagte er zudem der „Süddeutschen Zeitung”. Impfen müsse als „Bürgerpflicht angesehen werden. Im ZDF betonte Söder aber: Eine allgemeine Impfpflicht wird und soll es nicht geben.” Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bekräftigte dagegen bei RTL/ntv die Position der Bundesregierung, die eine Impfpflicht generell ablehnt.

„Im Moment über eine Impfpflicht zu spekulieren, verbietet sich”, zitiert Reuters Heil.

Söder forderte zudem weitere Anstrengungen, um die Produktion von Impfstoffen in Deutschland zu erhöhen. Man sei in einem „Wettlauf mit der Zeit” beim Impfen, vor allem wenn man an die sehr viel ansteckendere Mutation des Virus denke, das sich auch in den Niederlanden mittlerweile ausbreite. „Wir sind Pharmaland in Deutschland”, sagte er. Da müsse es möglich sein, mehr Produktionsstätten zu mobilisieren, die für Deutschland und Europa Impfstoffe produzierten. Auch der Staat könne dabei helfen. Der Mainzer Impfstoff-Hersteller Biontech wird in Marburg ein weiteres Werk eröffnen. Die Bundesregierung ist bereits mit der Pharmabranche im Gespräch, verweist allerdings darauf, dass es nicht einfach sei, eine hochkomplexe Impfstoff-Produktion in neuen Fabriken schnell zu ermöglichen.
Spritzen mit Corona-Vakzine in einem Impfezentrum, Burgbernheim, Dezember 2020 - SNA, 1920, 11.01.2021
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Pflegekräfteverband lehnt Impfzwang ab

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBP) lehnt eine Impfpflicht für Pflegekräfte ab.
„Wir sind gegen eine Impfpflicht und kritisieren auch die aktuelle Berichterstattung über die mangelnde Impfbereitschaft beruflich Pflegender, da es bislang unserer Kenntnis nach keine repräsentativen Zahlen dazu gibt”, sagt die Vorsitzende des DBP, Christel Bienstein, zu Reuters.
Man brauche eine bessere Datengrundlage und eine Informationskampagne für verschiedene Zielgruppen.

Mehr als 600.000 Corona-Impfungen in Deutschland

In Deutschland sind bislang 613.347 Impfungen gegen Covid-19 registriert. Die Daten für Schleswig-Holstein sowie die Meldungen aus den Krankenhäusern in Thüringen stünden jedoch noch aus, teilte das Robert-Koch-Institut am Montag mit.

Spahn erwartet Herdenimmunität in Deutschland „Richtung Sommer”

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass „Richtung Sommer” mit der Herdenimmunität der Bundesbürger im Kampf gegen die Corona-Pandemie ein Durchbruch erreicht werden kann. Für die Bundesrepublik sei genug Impfstoff bestellt, sagte Spahn am Montag bei einer virtuellen Veranstaltung der IHK Düsseldorf. Zu Beginn der Impf-Kampagne sei der Wirkstoff knapp, weil die Produktionskapazitäten begrenzt seien. „Es wird Woche für Woche und Monat für Monat mehr Impfstoff zur Verfügung stehen”, prognostiziert er. Bis zum Sommer werde allen Deutschen, die geimpft werden wollen, ein Angebot gemacht.
„Das Ziel ist die sogenannte Herdenimmunität und die werden wir Richtung Sommer erreichen”, zitierte Reuters den Gesundheitsminister.
Er wolle sich aber nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, an dem die Bürger keine Maske mehr tragen und keinen Abstand mehr halten müssten.
Corona-Impfstoff Sputnik V - SNA, 1920, 12.01.2021
Mexiko erwägt Erwerb von bis zu 24 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs „Sputnik V“

WHO verlangt Corona-Impfstart in aller Welt in spätestens 100 Tagen

Die Corona-Impfung für Gesundheitspersonal und Menschen, die besonders gefährdet sind, soll in allen Ländern der Welt innerhalb der nächsten 100 Tagen beginnen. Das teilte die dpa unter Verweis auf den Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, mit. Ghebreyesus hat zuvor immer wieder einen „Impf-Nationalismus” kritisiert – die Tatsache, dass sich wohlhabende Länder praktisch alle zur Verfügung stehenden Impfdosen gesichert haben und in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen kaum Impfkampagnen gestartet sind. Problem ist vielerorts aber auch, dass viele Länder empfindliche Impfstoffe wie den des Mainzer Unternehmens Biontech mangels Tiefkühlsystemen gar nicht lagern können.
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