Pompeo bezeichnet Iran als „neue Heimatbasis von Al-Kaida“ – Teheran reagiert gereizt

© REUTERS / ALASDAIR PALDer iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (Archivfoto)
Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (Archivfoto) - SNA, 1920, 12.01.2021
Die Regierung des mehrheitlich schiitischen Irans hat laut dem scheidenden US-Außenminister Mike Pompeo bestimmte Verbindungen mit der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida*. Für diese Behauptung hat er jedoch keine Beweise vorgelegt. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat seinerseits diese Anschuldigung als „fiktiv“ abgewiesen.
Seit 2015 erlaube Teheran der Terrororganisation, den Iran als Basis zu nutzen, um Aufgaben zu erfüllen, die zuvor aus Afghanistan und Pakistan erledigt worden seien, sagte Pompeo am Dienstag. Aus dem Iran seien „Genehmigungen für Angriffe, Propaganda und das Anwerben von Geldern“ betrieben worden, erklärte Pompeo.
Die US- Zeitung „New York Times“ berichtete im November 2020, dass einer der Al-Kaida-Anführer, Abu Muhammad al-Masri, der für Bombenanschläge im Jahr 1998 auf zwei US-Botschaften in Afrika mitverantwortlich sei, von israelischen Aktivisten im Iran im August 2020 erschossen wurde. Der Iran bestritt den Bericht mit der Begründung, es seien keine Al-Kaida-Terroristen auf seinem Boden.
Pompeo sagte jedoch am Dienstag, die damalige Anwesenheit von al-Masri im Iran sei keine Überraschung und fügte hinzu:
„Die Präsenz von Al-Masri im Iran zeigt, warum wir heute hier sind ... Al-Kaida hat eine neue Heimatbasis: Es ist die Islamische Republik Iran.“
Teheran habe Al-Kaida erlaubt, im Iran ein neues „Hauptquartier“ zu errichten, behauptete Pompeo. „Teheran gibt den ranghohen Anführern der Terrorgruppe einen Zufluchtsort, während sie Angriffe gegen Amerika und unsere Verbündeten planen“, sagte Pompeo.
Die „Achse Iran-Al-Kaida“ sei eine große Bedrohung für die USA, die „besiegt“ werden müsse, forderte er. Pompeo kündigte daher neue Sanktionen gegen angeblich im Iran ansässige mutmaßliche Anführer von Al-Kaida an.
Iran weist Vorwürfe scharf zurück
Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wies Pompeos Anschuldigungen umgehend über Twitter zurück.
„Der Herr ‚wir lügen, betrügen oder stehlen‘ beendet seine katastrophale Karriere erbärmlich mit mehr Kriegstreiberei und Lügen“, twitterte Sarif.
„Niemand lässt sich täuschen. Alle Terroristen vom 11. September kamen aus @ SecPompeos bevorzugten Zielen/Orten im Nahen Osten (Saudi-Arabien); KEINER aus dem Iran“, unterstrich der Minister.
Die US-Regierung wirft der schiitischen Führung in Teheran seit langem vor, schiitische Milizen im Nahen Osten zu unterstützen, etwa im Libanon und im Irak. Washington hatte dem Iran aber bislang nicht so deutlich vorgeworfen, auch Gruppen sunnitischer Extremisten zu unterstützen. Der scheidende US-Präsident Donald Trump und Außenminister Pompeo machten die Eindämmung des von ihnen als feindlich betrachteten Irans zur Chefsache. Sie erhöhten durch die Aufkündigung des Atomabkommens und Sanktionen stetig den Druck.
* Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten
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