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„Moralische“ Impfpflicht? Charité-Oberarzt geht auf SNA-Fragen ein und bietet Ergänzung zum Lockdown

© INA FASSBENDEREin Dummy steht neben Plakaten mit der Aufschrift "Stop the Lockdown - mehr finanzielle Hilfe" in einem Geschäft in der Fußgängerzone in Köln, den 4. Januar 2021.
Ein Dummy steht neben Plakaten mit der Aufschrift Stop the Lockdown - mehr finanzielle Hilfe in einem Geschäft in der Fußgängerzone in Köln, den 4. Januar 2021. - SNA, 1920, 12.01.2021
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Langsam geht die Debatte über eine Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte und medizinisches Personal los. Laut dem Oberarzt und Sektionsleiter Infektiologie und septische Chirurgie an der Charité Berlin, Dr. Andrej Trampuz, wäre dies jedoch ein falscher Weg und kontraproduktiv. Ansonsten zeigt er sich als Hardliner im Kampf gegen die Pandemie.
Trampuz, der unmittelbar mit Corona-Erkrankten arbeitet, stellte sich am Dienstag Fragen des Vereins der Ausländischen Presse (VAP). Ein Zahnarzt aus Bayern war kürzlich mit dem Ultimatum an Mitarbeiter aufgefallen, sie müssten sich gegen Corona impfen lassen oder auf ihr Gehalt verzichten. Eine Tatsache steckt noch dahinter: eine geringere Impfbereitschaft beim medizinischen Personal im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.
„Wenn man den Leuten sagt, sie müssen sich impfen, dann, klar, werden sie noch mehr Misstrauen haben. Wir müssen auch nicht alle impfen“, äußerte Trampuz dazu. Die Menschen, die sich schließlich nicht impfen lassen würden, müssten selbst die Verantwortung übernehmen, dass sie danach erkranken könnten. Beim medizinischen Personal wäre dann statt einer richtigen Pflicht eine „moralische“ Pflicht angemessen, so der Oberarzt. Doch das Ziel dabei wäre, dass die Arbeitskräfte selbst nicht erkranken und deswegen ausfallen. „Wir haben einen Ausfall von bis zu 30 Prozent beim medizinischen Personal, das nicht geimpft ist. Die Impfung könnte das vielleicht auf fünf Prozent reduzieren und helfen, dass die Menschen bei der Arbeit bleiben“, behauptete Trampuz gegenüber SNA. Dieser Zahnarzt dagegen habe wahrscheinlich Angst gehabt, dass seine Mitarbeiter ansonsten die Leute anstecken können.
Doch genau darum gehe es nicht.

„Wir wissen noch nicht genau“, argumentierte Trampuz weiter, ob „die Geimpften bei einer Infizierung nicht ansteckend sind für die anderen Leute. Wir wissen nur: Wenn wir geimpft sind, dann sind wir selbst geschützt und erkranken nicht, wenn wir uns infizieren. Also, keine wirkliche Pflicht.“

Umso mehr: Man könne die Diskussion erst dann führen, wenn man genug Impfstoff überhaupt im Angebot habe. Derzeit sei das nicht der Fall.

„...dann hätte man keinen Lockdown machen müssen“

Während der SARS-Epidemie 2003 war Trampuz als Infektiologe für die Schweiz zuständig und ist seitdem als Experte zur Coronapandemie und deren Auswirkungen gefragt. An der Charité seien im Moment 80 Prozent der Intensivstationen ausgelastet, lässt er im VAP-Gespräch wissen. Auch er sagt zu den stabil hohen Infektions- und Todeszahlen, die Politik hätte harte Corona-Einschränkungen schon im Oktober einführen müssen und nicht erst im Dezember. Bundeskanzlerin Angela Merkel will nun den harten Lockdown bis in den März verlängern. Wurden denn die alternativen bzw. ergänzenden Strategien zum Lockdown nicht vernachlässigt, wollte SNA von Trampuz wissen. Landeseigene Statistiken ergeben ja, dass zwischen 30 und 90 Prozent aller Todesfälle auf die Alten- und Pflegeheime gehen. Die Antwort fiel wenig überraschend aus.
„Es gibt ja auch Maßnahmen außer Impfung, nämlich die Barriere, die Masken“, so der Experte. Solange man sie trage, würden sie bis 90 Prozent Schutz gewähren, behauptet er. „Aber da brauchen wir die guten Masken, das sind die FFP2, und eine bessere Strategie wäre jetzt, tatsächlich den Leuten , nicht nur dem medizinischen Personal, sondern auch den vulnerablen Gruppen, kostenlos Masken zu geben, damit sie sie immer in geschlossenen Räumen tragen.“ Die Deutschen also hätten die Masken unterschätzt. Schuld habe eben die WHO, die die Masken als Schutzmaßnahme lange falsch eingeschätzt habe, während die Asiaten sie alle von Anfang an getragen hätten.

In dieser Hinsicht geht Trampuz weiter und wagt eine mutige Vermutung: „Wenn wir alle ab Januar Masken getragen hätten, hätten wir die Pandemie in Europa verhindern können.“

Die Daten zu deren Wirksamkeit habe es schon früher gegeben, so Trampuz. Die „richtigen“ Masken wären seiner Meinung nach also eine ergänzende Strategie zum Lockdown. „Wenn man die Masken zu hundert Prozent tragen könnte, dann hätte man keinen Lockdown machen müssen.“ Nun führe Bayern eine FFP2-Pflicht in den Geschäften und im Verkehr ein.
Ansonsten könnte man schauen, wo sich die Leute treffen, schlägt der Mediziner vor. Dann wären die Mobilitätseinschränkungen erwünscht. „Das ist der öffentliche Verkehr, Schulen und Arbeit. Da kann man natürlich nicht auf null fahren, aber man muss da weiter schrauben, damit man auf diese Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen kommt. Wir werden es jetzt nicht mehr schaffen, aber trotzdem kann man das reduzieren.“ Es sei eine Ausrede, wenn man meine, man könne es nicht machen. „Doch, man kann sehr genau sagen, wie die einzelnen Maßnahmen wirken. Die Schulschließung bringt ungefähr 23 Prozent weniger Neuinfektionen, der öffentliche Verkehr 25 Prozent, die Arbeit rund 30 Prozent. Man kann genau sagen, wo die Infektionen passieren.“ Das Gesagte muss allerdings von der beruflichen Erfahrung des Arztes abstammen. Die bestehenden RKI-Studien berufen sich bisher vor allem auf die privaten Haushalte und die Heime.
Meistgelesene Kommentare
Wer im Februar 2020 zu FFP 2 Masken für alle vulnerablen Gruppe riet, wurde damals von höchster Stelle verlacht ... Unser oberster Banker im Gesundheitsministerium sprach sogar von einem harmlosen Schnupfen ... Intramuskuläte Injektionen entwickeln keine sterile Immunität, geimpfte werden sich weiterhin infizieren und das Virus verbreiten können, anderenfalls wäre die Influenza bereits ausgerottet ... Aber dass scheint sie dieses Jahr ohnehin bereits zus ein, man hört kaum noch etwas von Ihr ...
WMWerner Mögelin
12 Januar, 19:329
Stimme Herrn Dr. Trampuz zu, was er über die Masken sagt. Deshalb fand ich es auch leichtfertig, wie zu Beginn der Pandemie gesagt wurde, Masken seien nicht gar so wichtig, und wie später einfache Stofflappen als Masken propagiert wurden. Sicher, das war schlicht aus dem Mangel an Masken geboren. Dennoch sollten, sobald genügend Masken vorhanden waren, die Stofflappen wieder eingemottet werden, und es sollten "richtige" Masken getragen werden. Überall, wo sich Menschen nahe kommen, und vor allem in geschlossenen Räumen.
Peter Heiduschka
12 Januar, 19:469
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