„Steuerreform unerlässlich“: Standort Deutschland verliert deutlich an Attraktivität – Studie

VW-Autofabrik - SNA, 1920, 11.01.2021
Der Standort Deutschland verliert einer Studie zufolge im internationalen Vergleich deutlich an Attraktivität. Demnach ist Deutschland von 21 untersuchten Industriestaaten gegenüber 2018 um drei Plätze auf den 17. Rang abgerutscht – und schneidet damit so schlecht ab wie noch nie.
Ganz vorne würden die USA liegen, gefolgt von Großbritannien und den Niederlanden. Das geht aus einer Studie des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW hervor, welche die Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegeben hat und auf welche sich die Nachrichtenagentur Reuters beruft. Untersucht wurden dabei stets Standortfaktoren wie Steuern, Arbeitskosten, Produktivität, Regulierung, Finanzierung, Infrastruktur und Energie.
Besonders schlecht ist aus Sicht der Forscher das Steuersystem für die Wirtschaft. Hier liegt Deutschland mit Rang 20 auf dem vorletzten Platz. Nur Japan steht noch schlechter da. Andere Staaten wie die USA, Frankreich und Belgien hätten ihre Wettbewerbsposition durch Steuersenkungen verbessert, so die Studie. Eine grundlegende Steuerreform sei in Deutschland daher unerlässlich.
„Die Ergebnisse müssen aufrütteln“, sagte Rainer Kirchdörfer aus dem Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „In den vergangenen Jahren haben wir uns sehr stark auf die Verteilung des Wohlstands konzentriert. Jetzt kommt es dringend darauf an, Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen.“
Er verwies auf vergleichsweise hohe Steuern und Energiekosten sowie eine oft unzureichende Infrastruktur. Die im Mittelstand stark vertretenen Familienunternehmen lassen den Länderindex seit 2006 ermitteln. Seitdem fiel Deutschland um fünf Plätze zurück. Schlechter hat sich kein anderer untersuchter Standort in diesem Zeitraum entwickelt.

Führend in Finanzierung

Als große Stärke des Standorts Deutschland gelten die finanzielle Stabilität von Staat und Privatwirtschaft sowie die damit verbundenen günstigen Finanzierungsbedingungen. Des Weiteren geht aus der Studie hervor, dass Deutschland im Mittelfeld bei der Regulierung liegt, die unter anderem das Ausmaß an Bürokratie misst. Bei der Infrastruktur schneide Deutschland leicht überdurchschnittlich ab. Vor allem die digitale Infrastruktur gilt als unzureichend.
Führend ist Deutschland in der Kategorie „Finanzierung“. Positiv fällt dabei ins Gewicht, dass sowohl die öffentliche als auch private Verschuldung gering seien. Die Schlusslichter bilden hier hoch verschuldete Länder wie Italien, Portugal, Spanien und Frankreich.
Der Spitzenplatz im Gesamt-Ranking für die USA geht vor allem auf die 2018 in Kraft getretene Steuerreform zurück. Mit ihr wurden die Körperschaftsteuersätze auf Bundesebene radikal von 35 auf 21 Prozent reduziert.
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