RKI meldet nach erstem Lockdown in Deutschland Rückgang anderer Krankheiten

© AP Photo / Martin MeissnerCorona-Ausbruch in Deutschland (Symbolbild)
Corona-Ausbruch in Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 11.01.2021
In Deutschland sind die Fälle anderer Infektionskrankheiten nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wegen der Corona-Pandemie um ein Drittel zurückgegangen. Das teilte die Agentur dpa unter Verweis auf eine Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) am Montag mit.
Wie Sonia Boender vom RKI-Fachgebiet Surveillance mitteilte, wurden im Zeitraum von März bis Anfang August 2020 rund 140.000 Fälle registriert. Das bedeute ein Minus von 35 Prozent, als es aufgrund der Daten von Januar 2016 bis Februar 2020 zu erwarten gewesen wäre. Dabei seien saisonbedingte Effekte und Trends in Betracht gezogen worden.
Die Analyse basiert auf Zahlen von meldepflichtigen Krankheiten und Erregern wie beispielsweise Grippe, Tuberkulose, Windpocken, Syphilis und Noroviren.
Demnach hat es Rückgänge unter anderem bei Krankheiten wie Malaria gegeben, die bisher bei Reiserückkehrern diagnostiziert wurden. Nur bei der Hirnentzündung FSME, die von Zecken übertragen wird, sei ein Anstieg von Krankheitsfällen zu beobachten.
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Die Gründe für den Rückgang bezeichnet das RKI als vielschichtig und erregerspezifisch. Wie Boender weiter betonte, hatten sich auch die Corona-Maßnahmen auf die Übertragung von anderen Krankheiten ausgewirkt.
Maßnahmen wie etwa Schul- und Kitaschließungen, Homeoffice, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und Handhygiene hätten weitestgehend die Übertragung von Atemwegs- und Magen-Darm-Erregern von Mensch zu Mensch verhindert.

Erster Lockdown in Deutschland

Der erste Lockdown in Deutschland hatte am 23. März begonnen. Am 15. April verständigten sich die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder auf ein erstes Maßnahmenpaket, das die Rücknahme einzelner Einschränkungen der Bevölkerung ermöglichte.
Zudem wurden das Abstandsgebot und die Kontaktsperre bis zum 3. Mai verlängert. Großveranstaltungen sollten bis mindestens 31. August untersagt werden. Einzelhändler mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter sowie Auto-, Fahrrad- und Buchhändler sollten ab 20. April öffnen dürfen und Schulen schrittweise spätestens ab 4. Mai.
Am 30. April 2020 wurden weitere Lockerungen vereinbart: Gottesdienste und Gebetsveranstaltungen sollten wieder stattfinden können. Spielplätze konnten mit Auflagen wieder benutzt werden. Unter Auflagen konnten eine Reihe von Kultureinrichtungen wieder geöffnet werden.
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Am 6. Mai 2020 einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder telefonisch auf weitgehende Lockerungen. Unter Abstands- und Hygieneauflagen durften alle Geschäfte wieder öffnen, Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel wurden gestattet, Besuchsbeschränkungen für Kliniken, Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen gelockert und in Schulen und Kindertagesstätten die Notbetreuung erweitert.
Weiterhin sollte ein Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander eingehalten werden, ausgenommen das engste persönliche Umfeld. Kontaktbeschränkungen wurden bis zum 5. Juni verlängert, es durften sich aber Angehörige zweier Haushalte treffen.
Am 16. Dezember war in Deutschland der zweite Lockdown verkündet worden, der dann bis Ende Januar verlängert wurde.

Corona-Stand in Deutschland

Am 27. Januar 2020 wurde in Bayern der bundesweit erste Corona-Fall bekannt. Ein 33-jähriger Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto hatte sich bei einer Kollegin aus Schanghai angesteckt, die mit ihm an einer Schulung des Unternehmens in Bayern teilgenommen hatte.
Mittlerweile haben sich in Deutschland nach Angaben des RKI (Stand: 11.01.2021, 00:00 Uhr) 1.921.024 Menschen mit Corona infiziert. Die Zahl der Todesfälle beziffert das RKI auf 40.686.
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