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„Die Hütte brennt“: Verschärfte Corona-Regeln treten in Deutschland in Kraft

© REUTERS / ANNEGRET HILSEEin Schaufenster im Stadtzentrum von Berlin inmitten der Coronavirus-Pandemie am 7. Januar 2021.
Ein Schaufenster im Stadtzentrum von Berlin inmitten der Coronavirus-Pandemie am 7. Januar 2021. - SNA, 1920, 11.01.2021
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Angesichts der weiterhin hohen Corona-Neuinfektionszahlen gelten ab diesem Montag in allen Bundesländern schärfere Regelungen. Dies meldet die Deutsche Presse-Agentur.
Demnach sind etwa verschärfte Regelungen bei Kontaktbeschränkungen in Kraft getreten: Der eigene Haushalt darf sich nur noch mit einer weiteren Person treffen.
Als letzte Bundesländer setzen Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein die am vergangenen Dienstag in einer Bund-Länder-Schalte beschlossenen Regeln um.
Neu ist auch die Regel für extreme Corona-Hotspots, wonach sich Menschen in Landkreisen mit einer Inzidenz von mehr als 200 Infektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ohne triftigen Grund nicht mehr als 15 Kilometer vom Wohnort entfernen dürfen. Dabei gehen die Länder unterschiedliche Wege und überlassen das teils den Kommunen oder empfehlen die Maßnahme nur. Baden-Württemberg etwa plant derzeit keine entsprechende Regel.

Deutsche Politiker zu Verschärfungen weiterhin uneinig

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach sich mit drastischen Worten gegen Forderungen nach Lockerungen in der Corona-Pandemie aus.
„Wir müssen einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass das Virus jetzt erst anfängt, richtig Fahrt aufzunehmen“, sagte der Linke-Politiker am Sonntagabend im ZDF-„heute journal“.

Ich merke, dass bei mir in Thüringen gerade die Hütte brennt. Heute ist für mich ein schlimmer Tag. Denn heute haben wir in ganz Thüringen die 300er-Inzidenz überschritten, und alle Landkreise und kreisfreien Städte sind über die 200 gegangen. Es ist kein Platz mehr für Lockerungen und die Debatte von der Lockerung zur Lockerung.“

Bodo Ramelow
Thüringens Ministerpräsident
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hält eine Verschärfung des Lockdowns für möglich. Notfalls müsse das Wirtschaftsleben drastisch heruntergefahren werden:
„Wir haben uns bei dem, was wir gemacht haben, sehr stark auf das Private und die Schulen konzentriert. Wenn das nicht reicht, dann müssen wir tatsächlich auch an die Betriebe herangehen“, sagte er dem „Tagesspiegel“ (Montag).
Franziska Giffey (Archiv) - SNA, 1920, 11.01.2021
Familienministerin sieht Zeit für Lockerungen noch nicht gekommen
Der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz befürwortete dagegen ein schnelles Ende des Lockdowns vor allem für kleine und mittlere Unternehmen.

Für viele kleine Firmen ist der Punkt jetzt schon erreicht, wo es nicht weitergeht“, sagte er gegenüber der „Bild“-Zeitung (Montag).

Die kleinen und mittleren Unternehmen müssten möglichst schnell raus aus dem Lockdown, „möglichst schnell zurück zu normalem Wirtschaften mit Hygienekonzept“, äußerte er.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, Armin Laschet (CDU), warnte vor verfrühten Lockerungen:
„Wenn man zu früh lockert, läuft man Gefahr, dass es danach wieder steil nach oben geht“, sagte er den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Montag). Seine Hoffnung sei, dass sich die Lage durch den Lockdown und die fortschreitenden Impfungen entspanne. Wenn aber sich das in Großbritannien entdeckte, mutierte Virus noch weiter ausbreite, würden die Zeiten „noch ernster“.

Lindner um ungenügende Untersuchungen von Virusmutationen besorgt

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte, dass es zu wenig Laboruntersuchungen auf neue Coronavirus-Varianten gebe.
„Die geringe Datenbasis zur Verbreitung von Corona-Mutationen in Deutschland ist eine große Gefahr“, sagte er dem „Tagesspiegel“ (Montag). Die Bundesregierung habe die systematische Sequenzierung von Corona-Testproben, also die Untersuchung auf Mutationen, zu lange schleifen lassen, monierte er.
Deutscher Bundestag - SNA, 1920, 11.01.2021
Kubicki: Reichstag mit Lockdown-System und Panzerglas geschützt
Die zuerst in Großbritannien nachgewiesene B.1.1.7-Mutation ist möglicherweise deutlich ansteckender als bisherige Varianten. Sie ist mittlerweile auch in einigen Bundesländern in Deutschland nachgewiesen.

Lockdown-Verlängerung

Bund und Länder hatten sich am Dienstag für eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 31. Januar ausgesprochen und zusätzlich die Kontakt- und Bewegungsvorschriften verschärft. Hintergrund sind die weiterhin hohen Zahlen an Neuinfektionen.

Corona-Lage in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigte am Montagmorgen insgesamt 1.921.024 Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland (Stand: 11.01.2021, 00:00 Uhr), das ist ein Plus von 12.497 zum Vortag. Die tägliche Zahl der Todesfälle mit oder wegen des Coronavirus beziffert das RKI auf 343, womit es nun insgesamt 40.686 sind. Genesen sind laut Internetseite des RKI rund 1.545.500 Menschen, rund 20.200 mehr als am Vortag. Aktuell gibt es in Deutschland 334.800 Menschen, die aktiv an Covid-19 erkrankt sind, 8100 weniger als am Vortag.
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