Selbstjustiz gegen Pädophile: Niederländische Polizei wegen vermeintlicher Bürgerwehren alarmiert

© AFP 2022 / REMKO DE WAALNiederländische Polizei
Niederländische Polizei - SNA, 1920, 10.01.2021
In den Niederlanden häufen sich Fälle, bei denen selbsternannte Bürgerwehren brutal gegen mutmaßliche Pädophile vorgehen. Diese Selbstjustiz ruft nun die niederländische Polizei auf den Plan. Ihre Botschaft ist klar: Für die Aufklärung solcher Fälle sind die Beamten zuständig.
Von Juli bis September 2020 registrierte die Polizei 250 solcher Fälle. „Das ist absolut viel“, sagte Simen Klok, Sprecher der Polizei der Ost-Region des Landes, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Das läuft aus dem Ruder.“
Allein in der vergangenen Woche registrierte die Polizei drei Fälle. Immer wurden Männer, die angeblich Sex mit Kindern haben wollten, in eine Falle gelockt und misshandelt. Die Polizei geht davon aus, dass es zudem eine gewisse Dunkelziffer an Fällen gebe, weil manche Opfer aus Scham oder wegen Erpressung keine Anzeige erstatteten.
„Die meisten machen sich strafbar und wollen das Recht in die eigenen Hände nehmen“, warnte Polizeisprecher Klok. Man dürfe keine Straftat herauslocken. Und die meisten sogenannten Beweise, die die Gruppen vorlägen, seien vor Gericht nicht verwertbar.
Polizei und Staatsanwaltschaft riefen dringend dazu auf, die Menschen-Jagd zu stoppen. „Hier müssen wir eine deutliche Grenze ziehen“, sagte Oberstaatsanwalt John Lucas. „Wer einen ernsthaften Verdacht hat, soll das der Polizei melden.“

„Pädo“-Jagd endet tödlich

2020 fiel ein 73-jähriger Mann den „Pädophilen-Jägern“ zum Opfer. Angaben zufolge haben sie den Rentner halb totgeschlagen, sodass er wenig später seinen Verletzungen im Krankenhaus erlag. Unter den sechs mutmaßlichen Tätern soll sich auch ein 15-Jähriger befunden haben.
Nach eigenen Worten stellten sie dem Mann eine Falle. In einem Chatroom für Homosexuelle hätten sie mit dem gefälschten Profil eines minderjährigen Jungen Kontakt gesucht. Später sagten sie aus, der Mann hätte sich verabredet, um Sex zu haben. Beim Treffpunkt hätten sie ihn zur Rede gestellt.
Für die Zunahme der Selbstjustiz gibt es nach Ansicht des Polizeisprechers mehrere Gründe. Im vergangenen August habe die Ankündigung einer Pädophilen-Partei für Unruhe gesorgt, sagte Klok. Dann würden Verschwörungstheorien, dass eine Elite Kinder zu satanischen Ritualen missbrauche, den Gruppen Auftrieb geben.
„Außerdem haben Leute jetzt in der Corona-Pandemie mehr Zeit und langweilen sich.“ Durch die Digitalisierung könnten diese Gruppen viel schneller operieren, fügte er hinzu. „Sie können im ganzen Land Gleichgesinnte treffen und Männer in die Falle locken.“
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