Deutschland führt weniger Kunststoffabfälle aus – Malaysia und Niederlande stärkste Abnehmer

© AFP 2022 / MOHD RASFANEin Arbeiter in Ampang, einem Vorort von Kuala Lumpur, sortiert Abfälle zum Recyceln (Archivbild).
Ein Arbeiter in Ampang, einem Vorort von Kuala Lumpur, sortiert Abfälle zum Recyceln (Archivbild).  - SNA, 1920, 09.01.2021
Die Plastikmüll-Exporte aus Deutschland sind 2020 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gesunken. Trotzdem machen sie knapp ein Sechstel der in Deutschland gesammelten Kunststoffabfälle aus. Dies geht aus einer Antwort des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) auf eine Grünen-Anfrage hervor.
Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag berichtete, seien im Jahr 2020 schätzungsweise 986.000 Tonnen Kunststoffabfälle in andere Staaten transportiert worden. Die Menge mache knapp ein Sechstel aller in der BRD gesammelten Kunststoffabfälle aus.
Der BDE beziehe sich dabei auf Daten des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum Januar bis September, die der Verband dann bis Jahresende hochgerechnet habe – insgesamt sei es also nur ein Schätzwert. Der Preis pro Tonne Kunststoffabfall habe bei 249 Euro gelegen – dies sei 20 Prozent weniger, als im Vorjahr.
Einen Grund habe der BDE nicht genannt. Branchenexperten zufolge spielen strenge Importhemmnisse in China und anderen asiatischen Staaten eine Rolle, die schon seit einigen Jahren gelten und den globalen Abfallmarkt etwas ausgebremst haben. Außerdem dürfte sich die Corona-Krise auswirken: Manche Geschäfte seien durch die Pandemie nicht zustande gekommen, auch weil die Lieferketten beeinflusst worden seien.

Die meisten Abfälle kommen nach Malaysia

Die meisten Plastikabfall-Exporte aus Deutschland seien – wie schon in den beiden Jahren zuvor – nach Malaysia verschifft worden. Die Plastikmüll-Ausfuhr in das südostasiatische Land habe rund 151.000 Tonnen – und damit 32.000 Tonnen weniger als 2019 – betragen.
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Gefolgt werde Malaysia von den Niederlanden: Die Menge der Kunststoffabfälle, die dorthin ausgeführt worden seien, sei mit 142.000 Tonnen ähnlich hoch wie zuvor.
Den Platz drei in der Exporttabelle habe nun die Türkei bekommen, die ihre Kunststoffabfall-Importe binnen eines Jahres auf 132.000 Tonnen etwa verdoppelt habe. Die Ausfuhren in die Türkei sollen bereits seit 2017 deutlich angezogen haben.
Polen, Hongkong, Österreich und Indonesien seien mit jeweils etwa 50.000 Tonnen ebenfalls wichtige Abnehmer.

Nicht nur ausgeführt, sondern auch importiert

„In einer globalisierten, arbeitsteiligen Wirtschaft, die immer mehr zu einer Kreislaufwirtschaft werden soll, kommt auch der Gewinnung von Rohstoffen und dem Handel mit Rohstoffen eine wichtige Bedeutung zu“, zitiert die Nachrichtenagentur den BDE-Präsidenten, Peter Kurth. Das gelte für Rohstoffe aus der Natur wie für Rohstoffe aus der Abfallbehandlung.
Laut der BDE-Statistik hat Deutschland nicht nur Kunststoffabfälle ausgeführt, sondern auch importiert: Im Jahr 2020 waren es 479.000 Tonnen. Pro Tonne wurden demnach 262 Euro gezahlt, ein Minus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Aus Sicht des BDE-Chefs sollten Industrie und Handel insgesamt mehr wiederaufbereitetes Plastik einsetzen. Dadurch würde der Markt angekurbelt und mehr Plastik als früher wiederverwertet und erneut eingesetzt, argumentierte er.

Umstrittene Müllexporte

Auf der einen Seite gilt Plastikabfall als Rohstoff, der auch in anderen Staaten weiterverarbeitet werden kann – etwa zu Kleidung aus Polyester, zu Straßenpollern oder zu Kloschüsseln. Aus Sicht von Vertretern der Abfallbranche machen solche Exporte Sinn, da sie Teil einer globalen Kreislaufwirtschaft sind und dazu führen, dass weniger Plastik in Kraftwerken verbrannt werden muss – grenzüberschreitende Abfalltransporte sind für sie ein normaler Teil des Geschäfts.
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Andererseits weisen Kritiker auf Risiken hin. So sorgten Aufnahmen deutscher Verpackungsabfälle in der Natur in Malaysia für negative Schlagzeilen. Greenpeace kritisiert, dass für einen Großteil der Abfälle der Verbleib und die tatsächliche Verwertung im Ausland „vollkommen unklar und unkontrolliert“ seien. Die Umweltschützer monieren, dass Prüfungen zu Abfallexporten nur vorgenommen werden „können“ und nicht müssen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“

„Wir leben in Deutschland das Märchen einer Recycling-Lüge, frei nach dem Motto ‚Aus den Augen, aus dem Sinn!‘“, zitiert die dpa die Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth. Mit den Exporten verschiebe Deutschland seine Probleme beim Umgang mit den Plastikmüll-Massen in andere Staaten. Aus ihrer Sicht sollten jegliche Plastikabfall-Exporte verboten werden – dadurch würde der Druck steigen, den Kunststoff gut wiederzuverwerten oder ausschließlich Verpackungen herzustellen, die wiederverwertbar sind. Noch immer würden im Lebensmitteleinzelhandel Verpackungen eingesetzt, die nicht recyclefähig seien und stattdessen verbrannt würden, etwa bestimmte Schalen für Wurst oder Getränkekartons aus Materialgemischen.
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