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Armut unter Studierenden: BaföG muss dringend angepasst werden

Studium (Symbolbild)  - SNA, 1920, 08.01.2021
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Das BAföG erreicht nur noch elf Prozent der Studierenden und der Höchstsatz kann nicht einmal den Grundbedarf decken. Seit dem Anfang der Pandemie sind für viele auch die Nebenjobs weggebrochen. Der Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht Studierende von struktureller Armut betroffen und fordert einen Neustart bei der staatlichen Förderung.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre – diese Weisheit hat auch 2021 nichts an ihrer Aktualität verloren. Wer studiert und nicht das Glück hat, von wohlhabenden Eltern dabei finanziell unterstützt zu werden, muss sehen, wo er bleibt. Für viele Studierende heißt das, zwischen und nach den Vorlesungen sowie am Wochenende und in den Semesterferien zu jobben, oft an mehreren schlecht bezahlten Arbeitsstellen parallel. Dadurch kommen manche nur sehr langsam mit dem Studium voran und leben an der Armutsgrenze.
Eigentlich sollte das BAföG genau hier Abhilfe schaffen. Vor 50 Jahren in West- und vor 30 Jahren in Ostdeutschland eingeführt, sollte die finanzielle Unterstützung vom Staat es den weniger gut gestellten Schülern und Studenten ermöglichen, trotzdem hohe Bildungsabschlüsse zu erreichen. Eigentlich. Denn in der Praxis sieht es leider ganz anders aus, wie ein aktuelles Positionspapier des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt. Demnach ist die Zahl der geförderten Studierenden allein zwischen 2012 und 2016 um 16,7 Prozent eingebrochen. Inzwischen werden von den knapp 2,9 Millionen Studierenden nur noch elf Prozent gefördert – ein historischer Tiefstand.
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Strukturelle Armut unter Studierenden

Auch diejenigen, die in den Genuss von BAföG kommen, sind akut von Armut bedroht. So beträgt der monatliche Höchstsatz derzeit 861 Euro. Im Jahr 2016 betrugen die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben von Studenten fast genauso viel, nämlich 819 Euro. Wie sparsam das damals schon gerechnet war, sieht man an der Aufschlüsselung der Einzelposten gemäß der Sozialerhebung des Studentenwerks. So entfielen 2016 im Schnitt 323 Euro monatlich für die Miete, 168 Euro für Ernährung, 42 Euro für Kleidung, 20 Euro für Lernmittel. Internet und Rundfunk schlugen mit durchschnittlich 31 Euro zu Buche, 61 Euro gaben die Studierenden für Freizeit, Kultur und Sport aus, 94 Euro für Mobilität und 80 Euro für Gesundheit. Laut DGB dürften sich diese Kosten seither deutlich erhöht haben, sodass der aktuelle BaföG-Höchstsatz von 861 Euro keinesfalls ausreichen dürfte, sie zu decken. In Corona-Zeiten haben zudem viele Studierende ihre Nebenjobs verloren.
„Die schwierige soziale Lage vieler Studierender ist in der Corona-Krise viel zu spät von Bund und Ländern erkannt worden“, kritisiert Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende. „Und die Nothilfe hat offengelegt: strukturelle Armut unter Studierenden gab es schon vor der Pandemie. Das BAföG als das Herzstück der staatlichen Studienfinanzierung erreicht nur noch einen kleinen Teil der Studierenden. Von der beim Start des BAföG vor 50 Jahren als Ziel ausgegebenen Chancengleichheit ist heute nicht mehr viel übrig. Fast 90 Prozent der Studierenden bekommen kein BAföG. Die Bildungsrepublik Deutschland kann und muss sich mehr leisten, um deutlich mehr jungen Menschen ein finanziell abgesichertes Studium zu ermöglichen und so auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.“

„Wir brauchen einen Neustart für das BAföG“

Um diesen Missständen entgegenzuwirken, müsse das BAföG noch in dieser Legislaturperiode angepasst werden.
„Wir brauchen einen Neustart für das BAföG, einen echten Befreiungsschlag. Dazu zählt ein satter Aufschlag bei den Elternfreibeträgen und den Bedarfssätzen und in Zukunft eine regelmäßige und automatische Anpassung der BAföG-Sätze an die Lebenshaltungskosten. Es darf keine halben Sachen mehr bei der BAföG-Reform geben.“
Elke Hannack
Stellvertretende DGB-Vorsitzende
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