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Russischer Impfstoff bald in Deutschland? Experte gibt nüchternes Urteil zu Putin-Merkel ab

© AFP 2021 / JOHN THYSKommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält am 16. Dezember 2020 im Europäischen Parlament in Brüssel eine Rede - Symbolfoto
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält am 16. Dezember 2020 im Europäischen Parlament in Brüssel eine Rede - Symbolfoto - SNA, 1920, 07.01.2021
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Trotz der freundschaftlichen Kooperationsgespräche bleiben die Aussichten des russischen Impfstoffs in Deutschland sehr niedrig, meint der Außenwirtschaftsexperte Siegfried Fischer in einem SNA-Gespräch. Doch es gibt auch einen positiven Trend.
Es ist nicht lange her, dass der deutsch-russischen ‘Druschba’ wegen einer Vielzahl von Spannungen, vor allem im Fall Nawalny, das Ende bescheinigt wurde – ein kompletter Untergang, fast der Tod. Doch schon wieder pflegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Wladimir Putin die gemeinsamen Interessen im freundschaftlichen Ton: im Kampf gegen die Corona-Pandemie, aber auch bei der gemeinsamen Impfstoffproduktion.
Das Thema diskutierten die beiden am Dienstag in einem Telefonat. Sie vereinbarten die Kooperation der Gesundheitsministerien beider Staaten sowie anderer zuständiger Behörden. Zudem hätten die beiden Politiker einander zu Weihnachten und Silvester gratuliert, nachdem Putin zuvor ein Neujahrsschreiben an die Bundeskanzlerin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geschickt hatte.
Wie geht es weiter? Kann die gemeinsame Impfstoffproduktion irgendwie vorangetrieben werden? Schon Mitte Dezember hatten der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und sein russischer Amtskollege Michail Muraschko diese Möglichkeit erörtert – wobei Spahn sich bereit erklärt haben soll, deutsche Unternehmen in die gemeinsame Herstellung von russischen Impfstoffen einzubeziehen. Diesmal machte offenbar Putin den Vorschlag, den russischen Impfstoff nach Deutschland zu bringen. Doch das muss nicht heißen, dass es wirklich dazu kommt.
Dieser Meinung ist etwa Siegfried Fischer, Experte für deutsch-russische Beziehungen am Potsdamer Institut Welttrends sowie im Bundesforum Mittelstand e.V. und Unternehmer mit Russlanderfahrung. Er begrüßt zwar jede Art von Kooperationsangeboten, doch gerade die zu einer eventuellen gemeinsamen Impfstoffentwicklung findet er nichts weiter als eine diplomatische Geste. In dem Sinne: „Wenn Sie wollten, dann wären wir bereit... “ – und abgehakt.

Alle Wege führen nach Brüssel

Vor allem weist Fischer darauf hin, dass jeder nationale Alleingang von der EU-Kommission von Ursula von der Leyen (CDU) vor allem in der Corona-Pandemie blockiert würde. Seitdem die nationale Impfstoffbeschaffung in den EU-Ländern in der Corona-Pandemie so gut wie abgeschafft wurde, schließt Brüssel Vorverträge nur mit westlichen Produzenten.
Der ursprüngliche Wunsch Ungarns, auch den russischen Corona-Impfstoff „Sputnik V“ einzusetzen, hatte für Spannungen mit Brüssel gesorgt. Letztendlich lenkte Brüssel ein und erlaubte Budapest ein nationales Notfallverfahren – allerdings unter dem Vorbehalt, dass der russische Impfstoff außer in Ungarn sonst nirgendwo in der Europäischen Union in Umlauf gebracht werden darf. Anfang Januar wurde dann schließlich bekannt, dass Ungarn sich zwar an den klinischen Tests von „Sputnik V“ beteiligt habe, große Mengen vom Impfstoff jedoch künftig zentralisiert über Brüssel oder aus China beschaffen wolle.
Nicht nur von der Leyen, sondern auch die Verantwortlichen in Deutschland wie Gesundheitsminister Spahn, so Fischer, würden in erster Linie die europäische Karte spielen, selbst, wenn das für Deutschland nachteilig wäre. Sie hätten Angst, aus dem Schatten der EU zu treten.
BioNTech-Impfdose - SNA, 1920, 21.12.2020
Deutscher Corona-Impfstoff mit Schwarzem Dreieck versehen: Was bedeutet das?
In der Tat bestätigte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer auf einem Pressebriefing am Mittwoch, dass eine Produktion von Impfstoffen in der EU, auch von „Sputnik V“, theoretisch nur nach einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) möglich sei. Kanzlerin Merkel habe jedoch im Telefonat mit Putin deutlich gemacht, dass sie für eine bilaterale Zusammenarbeit zugunsten europäischer Produktionsanlagen offen sei, so Demmer.
Bei der bisher ausbleibenden Kooperation in der Corona-Pandemie begrüßt Fischer jedoch allein schon die Tatsache, dass Deutschland und Russland alle Varianten einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit weiter diskutieren, und zwar nüchtern, ohne diese zu politisieren. Dass ausgerechnet Außenminister Heiko Maas (SPD) neuerdings sogar Nord Stream 2 verteidige, sei eben auch ein positives Zeichen, also werde doch Einiges getan, um die gegenseitige Entfremdung nicht zu vertiefen. Dies beeinflusse letztendlich das bilaterale Geschäftsklima, selbst wenn all die problematischen politischen Aspekte weiter eher Brüssel überlassen werden.

Bei Impfstoff kooperiert Deutschland bisher mit USA, Russland – mit Großbritannien

Deutschland führt seit Ende Dezember Impfungen mit dem deutsch-amerikanischen mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer durch, laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden bis zum 6. Januar schon 367.331 Menschen geimpft. Nachdem die EMA am Mittwoch noch den amerikanischen Impfstoff von Moderna bedingt zugelassen hat, treten nun die EU-Vorverträge in Kraft. Deutschland soll laut Spahn im ersten Quartal etwa zwei Millionen Dosen davon bekommen.
 Coronavirus Impstoff Sputnik V - SNA, 1920, 06.01.2021
Serbien wird zwei Millionen Impfstoffdosen von „Sputnik V“ bekommen - RDIF
In Russland sind laut dem Impfstoffentwickler, dem Gamaleja-Institut, bereits über eine Million Menschen mit „Sputnik V“ geimpft worden. Neben „Sputnik V“ sollen in Russland künftig auch „EpiVacCorona“ vom Forschungszentrum „Vektor“ der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor, ein Impfstoff des russischen Tschumakow-Zentrums bzw. ein Impfstoff der chinesischen Firma CanSino Biologics zugänglich sein. Keiner davon gehört zu den teureren mRNA-Impfstoffen, wodurch auch klar wird, warum die westlichen Firmen den russischen Markt wohl nicht attraktiv finden. Jedoch kooperiert das Gamaleja-Institut mit dem britisch-schwedischen Hersteller von Vektor-Impfstoff, AstraZeneca. Die am 21. Dezember gebilligte Kooperation sieht eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Durchführung eines klinischen Forschungsprogramms vor, um die kombinierte Verwendung einer der Komponenten von „Sputnik V“ und einer der Komponenten des Impfstoffs von AstraZeneca zu bewerten.
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