„Online-Toolkit“ zum Nationalsozialismus: Museen wollen mit „MemAct!“ zu NS-Zeit aufklären

© Foto : Lentos Kunstmuseum LinzHerbert Bayer, Aspen Trees (In Search of Times Past), 1959, Lentos Kunstmuseum Linz
Herbert Bayer, Aspen Trees (In Search of Times Past), 1959, Lentos Kunstmuseum Linz - SNA, 1920, 07.01.2021
Das Lentos Kunstmuseum und das Nordico Stadtmuseum Linz entwickeln für ein EU-gefördertes Projekt neue Methoden für die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Museen, Gedenkstätten und Schulen. Es soll eine Art digitaler Werkzeugsatz sein. Mit an Bord der internationalen Kooperation sind Experten zum Thema Holocaust.
Für „MemAct! Memory, Agency and the Act of Civic Responsibility“ werden aktuell und den kommenden Monaten von einer internationalen und transdisziplinären Arbeitsgruppe Mitmach-Formen der Geschichtsvermittlung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Antisemitismus, Rassismus oder Diskriminierung verbunden. Dafür wurden zwei Ausstellungen ausgewählt, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Geschichte des Nationalsozialismus und dessen Auswirkungen auf die Gegenwart auseinandersetzen.

Der junge Hitler und radikale Nationalismen

Ein Ausgangspunkt für das auf die pädagogische Praxis bezogene Forschungsvorhaben ist die für 2021 geplante Ausstellung „Der junge Hitler“ im Nordico Stadtmuseum.  
Derzeit ist die Schau noch im St. Pöltener Museum Niederösterreich zu sehen. Sie zeigt Adolf Hitler als „obskuren Versager“, bei dem sich schon frühzeitig in Österreich der Judenhass herausgebildet habe. Insofern sei Hitler „ein Kind seiner Zeit gewesen“, so Kurator Christian Rapp im SNA-Gespräch zur antisemitischen Prägung des damals angehenden Diktators. Ein weiterer Quell soll die geplante Schau „Transformation und Wiederkehr. Radikale Nationalismen im Spiegel der zeitgenössischen Kunst “ im Lentos Kunstmuseum sein.
Trauer (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.01.2021
Vernichtungsfeldzug und Deutsche Weltkriegsverbrechen: Neue Gedenkstätte in Planung

Verantwortung von Bildungseinrichtungen und Museen

„Museen und Bildungseinrichtungen tragen eine spezifische Verantwortung für den Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus und für die zugehörige Vermittlungsarbeit."

Hemma Schmutz
Direktorin der Museen der Stadt Linz
„MemAct!“ biete die Gelegenheit, so Schmutz weiter, die Museen der Stadt Linz als Knotenpunkt in diesem Forschungsbereich zu etablieren und sich international zu vernetzen. Im Zuge des Unterfangens soll bis Frühling 2021 eine Webseite erarbeitet werden.

„Wir wollen mit dem EU-Projekt zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit Methoden der Geschichtsvermittlung als politische Bildungsarbeit beitragen.“

Karin Schneider
Leiterin der Kunstvermittlung der Linzer Museen
Neben Schneider sind Paul Salmons, Programmdirektor am „Centre for Holocaust Education“ des University College London und der Kurator Wolfgang Schmutz an Bord der „MemAct!“-Arbeitsgruppe. Das Vorhaben soll in Kooperation mit Partnern aus Österreich, Deutschland, Polen, Serbien und der Slowakei umgesetzt werden: Teilnehmer sind der Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim bei Alkoven, die Pädagogische Hochschule Oberösterreich, der Verein Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt, das Galicia Jewish Museum in Krakau, die Initiative Terraforming aus Novi Sad und die Non-Profit-Organisation EDAH aus Bratislava.
Das Projekt wird als Teil der Erinnerungskultur seitens der Europäischen Union im Rahmen des „Europe for Citizens Programme - Sub-action European Remembrance Projects“ mit 100.000 Euro unterstützt.
Berlin - SNA, 1920, 04.01.2021
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