Viel Müll im All: Japan will Satelliten aus Holz bauen

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Erde gesehen aus dem All (Symbol) - SNA, 1920, 06.01.2021
Das japanische Startup Sumitomo Forestry will gemeinsam mit der Universität Kyoto den ersten Satelliten aus Holz entwickeln. Ziel ist es, die Menge an Weltraumschrott zu minimieren.
Mehr als 6000 Satelliten umkreisen die Erde, lediglich 2.700 in funktionsfähigem Zustand – der Rest ist Weltraumschrott. Sumitomo Forestry, ein japanisches Forst- und Holzverarbeitungsunternehmen gab nun bekannt, dass es gemeinsam mit der Universität Kyoto begonnen hat, den Baumwachstum und die Verwendung von Holzmaterialien im Weltraum zu erforschen– davon berichtete die britische BBC zuerst.
Takao Doi, früherer japanischer Astronaut und seit 2016 Professor an der Universität Kyoto sagte gegenüber der BBC:
„Wir sind sehr besorgt über die Tatsache, dass alle Satelliten, die wieder in die Erdatmosphäre eintreten, brennen und winzige Aluminiumoxidpartikel erzeugen, die viele Jahre in der oberen Atmosphäre schweben."
Takao Doi
Japanischer Astronaut

Riesige Satellitenflotten für das weltweite Netz

Die hölzernen Satelliten sollen im Gegensatz dazu am Ende ihrer Lebenszeit einfach verglühen – ohne am Boden für Gefahren zu sorgen oder Schadstoffe in der Lufthülle der Erde freizusetzen.
Aktuell bauen Firmen wie SpaceX und OneWeb riesige Satellitenflotten für die weltweite Internetversorgung auf. Allein in diesem Jahr dürften auf diese Weise Hunderte neue Flugkörper ins All kommen. Auch andere Firmen wie Amazon mit seinem Projekt Kuiper drängen auf den Markt. Obwohl die Megakonstellationen erst gerade entstehen, müsse man bereits heute auch über das Ende der Satelliten nachdenken, warnen Experten, wie der Ingenieur Holger Krag von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa).

Bewegungsenergie, die zerschmettert

Weltraummüll bewegt sich im Orbit mit einer unglaublich hohen Geschwindigkeit von fast acht Kilometern pro Sekunde, mehr als 28.000 Kilometer pro Stunde. Treffen sich entgegenkommende Objekte im gleichen Orbit, prallen sie mit nahezu der doppelten Geschwindigkeit aufeinander, was aufgrund der immensen kinetischen Energie beiden zusammentreffenden Objekten erheblichen Schaden zufügen und sogar eine Vielzahl weiterer Trümmer erzeugen kann. 2006 kollidierte ein winziges Stück Weltraummüll mit der Internationalen Raumstation und sprengte dabei ein Stück aus einem der extrem stabilen Fenster ab.
Clear Space-1 (Konzeptbild) - SNA, 1920, 23.12.2020
Wohin mit dem ganzen Weltraumschrott? Esa-Chef stellt Müll-Mission vor
Schon jetzt rasen laut den statistischen Modellen der Esa rund 128 Millionen Objekte allein im Größenbereich von einem bis zehn Millimetern um die Erde. Die Schrottwolke wird regelmäßig mit Laser- und Radaranlagen vermessen.
Ob der Werkstoff Holz tatsächlich taugt, wollen Sumitomo Forestry und die Universität Kyoto nun nach eigenem Bekunden herausfinden. „Der nächste Schritt wird die Entwicklung des technischen Modells des Satelliten sein, dann werden wir das Flugmodell herstellen“, so Ex-Astronaut Doi. Mit welchen Holzarten die Tests stattfinden sollen, wurde noch nicht genannt. Als Starttermin wird 2023 angegeben.
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