Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Russische Maler und der Impressionismus: Einzigartige Schau im Potsdamer Barberini

© CC0 / Nofu / PixabayPotsdamer Barberini (Archivfoto)
Potsdamer Barberini (Archivfoto) - SNA, 1920, 06.01.2021
Abonnieren
Vom trubeligen Paris auf die sonnenüberflutete Datscha hin zum lichthaltigen Weiß auf Weiß: Das Barberini zeigt Einflüsse des Impressionismus in Russland. Über 80 Werke – von Repin bis Malewitsch – illustrieren die Bedeutung der „Lichtmalerei“ um 1900 bis zur russischen Avantgarde. Digitalangebote machen den Besuch auch im Lockdown zum Erlebnis.
„Als Wassily Kandinsky 1896 in einer Ausstellung in Moskau vor ein Gemälde aus der Serie der Getreideschober von Claude Monet trat, sah er zu seiner Irritation ein Bild leuchtender Farben – ohne einen Gegenstand erkennen zu können. Diese Störerfahrung bestätigte ihn darin, in seiner Malerei auf das Motiv zu verzichten. Diese Anekdote ist ein kleiner Mosaikstein in einer vielschichtigen Wirkungsbeziehung zwischen dem französischen Impressionismus und der russischen Kunst zwischen 1860 und 1925“, so Ortrud Westheider, Direktorin, im Museum Barberini zur aktuellen Ausstellung „Impressionismus in Russland – Aufbruch zur Avantgarde“.
© Foto : Staatliche Tretjakow-Galerie, MoskauImpressionismus in Russland – Aufbruch zur Avantgarde: „Besuch“ von Abram Archipow (1914)
Impressionismus in Russland – Aufbruch zur Avantgarde: „Besuch“ von Abram Archipow (1914) - SNA, 1920, 06.01.2021
Impressionismus in Russland – Aufbruch zur Avantgarde: „Besuch“ von Abram Archipow (1914)

Lebensgefühl erfassen: Farbenflirren und Lichtzauber

Paris war seit Mitte des 19. Jahrhunderts die führende europäische Kunstmetropole und auch Anziehungspunkt für russische Künstler: Die Schüler der Kaiserlichen Akademien von Moskau und St. Petersburg pilgerten regelrecht in die Stadt an der Seine. Die Russen tauchten ein in das trubelige Leben auf den Trottoirs der modernen Großstadt, erlebten den Fortschritt und das rasante Tempo. Die „Cité“ schien nie zu schlafen, und auch des Nachts luden hell erleuchtete Avenues zum Flanieren ein.
Doch mit dem akademischen, detailverliebten russischen Realismus ließ sich die aufregende französische Metropole nicht bildlich fassen. Im Impressionismus begegnete den russischen Malern nun ein Stil, der dem Pariser Lebensgefühl entsprach. Anregen ließen die Russen sich von dem Malstil Monets oder Auguste Renoirs – vom farbigen Flimmern scheinbar unachtsam hingeworfener Pinselstriche, dem Einfangen flüchtiger Eindrücke und dem Zaubern mit Licht in Abwendung von Gegenständlichkeit: Dieser „Lichtmalerei“ begegnen geneigte Betrachter wie mit gegen die Sonne zusammengekniffenen Augen, eine verschwommene Ahnung, ein Eindruck – die Impression.
Die französische Malerei inspirierte die großen russischen Künstler Ilja Repin, Konstantin Korowin und Valentin Serow. Neben dem Eindruck des Gegenwärtigen zeigten sie Momente einer sinnlichen, dem Leben zugewandten modernen Welt:

„Elektrisches Licht, die Auslagen der Schaufenster und die Architektur der modernen Boulevards boten ihnen Motive, denen sie mit großer malerischer Freiheit begegneten.“

Eigene Spielarten und russische Themen

Auch die für die Impressionisten typische Freiluft-Malerei, veränderte die russische Kunst: Das Motiv der Landschaft wurde populär. Repin, Wassili Polenow und ihre Schüler Korowin und Serow erkundeten die Natur um Moskau, trugen „das Französische“ nach Russland und wandten neugewonnene Einsichten auf eigene russische Sujets an.

„Das Malen en plein air und ein skizzenhafter Stil führten die Künstler an Motive einer Lebensfreude heran, die sich von den existentiellen Themen der russischen Kunst lossagte. Die Künstler fingen das Unbeschwerte des modernen Freizeitvergnügens auch auf der Datscha in lichtdurchfluteten impressionistischen Interieurs ein. Das Studium des Lichts in Innenräumen und auf den Gegenständen von Stillleben führte zur Aufwertung dieser an der Moskauer Akademie gering geachteten Gattungen. In Portraits und Familienbildern wiederum verknüpften die russischen Künstler Unmittelbarkeit mit psychologischer Deutung zu einer eigenen Spielart des Impressionismus. Fragen der nationalen Identität spielten dabei ebenso eine Rolle wie das Verhältnis zur realistischen Tradition innerhalb der Malerei“.

Hamburger Kunsthalle (Archivbild) - SNA, 1920, 10.12.2020
Für vier Millionen Euro: Hamburger Kunsthalle erwirbt Gemälde von Max Beckmann

Aufbruch zur Avantgarde

Das von SAP-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner etablierte Museum Barberini zeigt aktuell rund 80 Werke – Leihgaben der Moskauer Tretjakow-Galerie, des Museo Thyssen-Bornemisza Madrid und des Stedelijk in Amsterdam. Die Potsdamer Schau spannt den Bogen vom Impressionismus zu eigenen revolutionären Schöpfungen: Eine zweite Generation russischer Künstler hatte in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Postimpressionismus und Fauvismus eine Malerei kennengelernt, die mit leuchtenden Reinfarben experimentierte.
Die Landschaftsmalerei wurde zum ersten Experimentierfeld für Künstler wie Michail Larionow, Natalija Gontscharowa und Kasimir Malewitsch. Sie betrachteten sich als Impressionisten, bevor sie nach 1910 mit dem expressiven Rayonismus und dem ungegenständlichen Suprematismus die russische Avantgardekunst begründeten.

„In der befreiten Farbe fanden die Maler eine Energie, die für die Dynamik und Erneuerung einer neuen Zeit stand. Impressionistische Beobachtung wurde in kubistische und futuristische Flächenzergliederung transformiert und in Malewitschs Serie ‚Weiß auf Weiß‘ als lichthaltiges Nichts verabsolutiert.“

Digitale Stippvisite – auch für Yogis

Pandemiebedingt wurde die Potsdamer Ausstellung zum russischen Impressionismus nie für den klassischen Publikumsverkehr eröffnet. Zugänglich ist das Barberini dennoch: Durch nach eigenen Angaben im deutschsprachigen Museumsbereich „einzigartige digitale Erlebnisse“.
So hat Autor Florian Illies einen Video-Rundgang durch die Ausstellung der hauseigenen Impressionisten-Sammlung Plattners konzipiert und versucht mit Museumsdirektorin Westheider, den Malstil in zehn Bildern zu erklären. Tatort-Schauspieler Fabian Hinrichs liest voll Inbrunst inmitten der Gemälde der Russen Textpassagen klassischer russischer Literatur von Lew Tolstoi und Anton Tschechow. Allerdings spricht er dabei auch mit Verve kaum einen der russischen Namen und Orte korrekt aus.
Diese Stör-Erfahrung wird aber durch die vom Barberini angebotene Live-Touren mit Experten durch die Ausstellung mehr als wettgemacht, denn man kann hier sogar Fragen stellen. Zudem werden Gespräche zu verschiedenen Themen angeboten. Die Teilnehmer können beim virtuellen Abstecher 360-Grad-Ansichten der Ausstellungsräume erleben, erfahren vom persönlichen Guide mehr über Maltechniken sowie Künstlerbiografien und können die Gemälde auch aus der Nähe betrachten. Intellektuell so angeregt, kann der Besucher dann gar bei einer vor den Werken arrangierten Yoga-Stunde wieder zu sich finden.
Die Resonanz auf das Online-Angebot sei enorm: „Wir hatten Teilnehmer aus ganz Deutschland, aus Frankreich, Italien, sogar aus Japan und Südafrika“, so Westheider gegenüber der DPA. Die virtuellen Touren durch die aktuelle Wechselausstellung „Impressionismus in Russland – Aufbruch zur Avantgarde“ mit eigenem Guide per Zoom sind allen Besuchern offen – für schmale drei Euro.
Berlin - SNA, 1920, 04.01.2021
Aus Osteuropa vertrieben: Haus des deutschen Flüchtlings wohl ab 2021 in Berlin
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала