Impfskepsis bei Pflegern und Medizinern

Corona-Impfstoff - SNA, 1920, 04.01.2021
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Mediziner und Pflegekräfte dazu aufgerufen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Doch ausgerechnet im Gesundheitswesen gibt es nicht wenige Vorbehalte gegen die neuen Corona-Impfstoffe.
„Es ist ein Gebot der Vernunft und der Solidarität, dass diejenigen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sich ebenfalls impfen lassen, zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz der ihnen anvertrauten Patienten“, sagte Spahn der „Rheinischen Post“ am Montag. Er selbst werde sich sofort impfen lassen, wenn er an der Reihe sei.

„Und ich möchte auch mit meiner Impfung davon überzeugen, dass es ein sicherer Impfstoff ist.“

Jens Spahn (CDU)
Gesundheitsminister

Impfquote unter 50 Prozent

Umfragen bestätigen, dass gerade unter Mitarbeitern in Gesundheitsberufen eine gewisse Impfskepsis vorherrsche. Laut der sogenannten Cosmo-Studie der Universität Erfurt sei die Impfbereitschaft der Deutschen allgemein im vergangenen halben Jahr deutlich gesunken auf inzwischen unter 50 Prozent. Bei Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, lag die Impfbereitschaft auf einer Skala von 1 („auf gar keinen Fall“) bis 7 („auf jeden Fall“) nur bei 3,98.

Impfbereitschaft unter Pflegern gering

Besonders unter Pflegern in Altenheimen scheint die Impfbereitschaft gering zu sein. Dabei erleben diese Pfleger täglich die Folgen der Corona-Pandemie. Nirgends sterben so viele Menschen an oder mit Corona wie in Altenheimen. Trotzdem berichtet der Deutsche Caritasverband, in dem 1800 Einrichtungen der stationären Altenhilfe organisiert sind, dass die Impfbereitschaft der Mitarbeiter wohl geringer sei als die der Bewohner.
So berichtet der „Spiegel“ von einem Caritas-Altenheims in der Nähe von München, in dem sich von den 110 dort in der Pflege beschäftigten Menschen nur 35 impfen ließen. „Wir hätten uns viel mehr gewünscht“, zitiert „Spiegel“ die Heimleiterin Mirjam Dirscherl. Sie spricht vom „Versuchskaninchen-Syndrom“, das grassiere. „Viele wollen sich impfen lassen, aber nicht als Erste.“, so Dirscherl gegenüber dem „Spiegel“.
Der Caritasverband schließt Kündigungen wegen einer fehlenden Impfung aus.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (Archiv) - SNA, 1920, 03.01.2021
Söder fordert Politiker als Impf-Vorbilder

Impfquote reicht nicht für Herdenimmunität

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) kam im Dezember zusammen mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in einer Umfrage auf eine Impfbereitschaft von 73 Prozent unter Ärzten, aber nur knapp 50 Prozent beim Pflegepersonal.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent für notwendig, um eine Herdenimmunität zu erreichen.  

„Aus unserer Sicht sollte die Impfquote beim medizinischen Personal noch höher liegen, um weitere Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen zu verhindern, insbesondere eine Transmission des Virus auf vulnerable Patientengruppen“, sagte Christian Karagiannidis, Präsident der DGIIN dem „Ärzteblatt“.

Grund für die Impfskepsis seien vor allem Zweifel an der Sicherheit des Corona-Impfstoffs und Angst vor möglichen Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen.

Eine Viertel Millionen Dosen verimpft

Bisher wurden in  Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) knapp eine Viertel Millionen Impfdosen des Wirkstoffs von Biontech-Pfizer verabreicht. Um einen Impfschutz zu erreichen, sind zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen nötig. Im Moment gibt es Verzögerungen bei der Lieferung des ersten in Deutschland zugelassenen Impfstoffs. Nun hofft Spahn auf eine rasche Zulassung des Impfstoffs des schwedisch-britischen Herstellers „AstraZeneca“, der in Großbritannien bereits verimpft wird. Dieser Vektorimpfstoff hat ähnlich dem russischen Vakzin „Sputnik V“ den Vorteil, dass er nicht so kühl gelagert werden muss und entsprechend auch in Hausarztpraxen verabreicht werden könne.
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