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Gegen deutsch-russische Entfremdung: Promi-Initiative will Jugend zusammenbringen

© AFP 2021 / JOHN MACDOUGALLRussland und Deutschland (Symbolbild)
Russland und Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.01.2021
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Wachsende Gefahren für Europa in einer sich verändernden Welt: Vernunft, Augenmaß und Zuversicht seien da gefordert – auch für die deutsch-russischen Beziehungen. So der Appell von 80 Prominenten aus Kultur und Politik an Merkel und Putin, ein Deutsch-Russisches Jugendwerk aufzubauen. Die schon bestehende Stiftung zum Jugendaustausch hat Bedenken.
Jugendwerke seien seit vielen Jahren ein bewährtes Instrument der Völkerverständigung und des bildungspolitischen Austauschs über Grenzen hinweg, unterstreicht in einer Mitteilung der Petersburger Dialog im Zusammenhang mit einer neuen Initiative für ein Deutsch-Russisches Jugendwerk.

Nach dem Vorbild des Deutsch-Französischen Jugendwerks

So würde etwa das Deutsch-Französische Jugendwerk häufig als das „schönste Kind des Élysée-Vertrags“ genannt. Es sei eine Erfolgsgeschichte, denn die Begegnungen junger Menschen aus Deutschland und Frankreich seit 1963 hätten geholfen, Misstrauen und Entfremdung zwischen den einstigen „Erbfeinden“ zu überwinden.
„Wachsende Entfremdung kennzeichnet heute die deutsch-russischen Beziehungen. So wie damals Konrad Adenauer und Charles de Gaulle oder Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki 1991 bei der Gründung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks setzen heute 80 Persönlichkeiten aus Kultur und Politik auf die heilende, aufbauende Kraft der Jugend.“

Intellektuelle, Geistliche, Politiker

Die prominenten Unterstützer haben einen Appell der „Initiative für ein Deutsch-Russisches Jugendwerk“ der Europäischen Gesellschaft e. V. an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Wladimir Putin unterzeichnet und fordern: „Baut ein Deutsch-Russisches Jugendwerk auf.“
Zu den Unterzeichnern gehören Schriftsteller Martin Walser und Christoph Hein, der jüngst verstorbene Günter de Bruyn, die Dirigenten Justus Frantz und Ludwig Güttler, die Journalistinnen Elisabeth von Thadden, Lea Rosh und Alice Schwarzer, die Regisseure Volker Schlöndorff, Katharina Thalbach und Florian Henckel von Donnersmarck, die Schauspieler Dieter Hallervorden und Armin Müller-Stahl sind dabei, die Vertreter der Geistlichkeit Bischof Stäblein, Rabbiner Homolka und Metropolit Mark, die Politiker Otto Schily, Edmund Stoiber sowie die Historiker Jörg Barberowski und Stefan Plaggenborg, Liedermacher Stephan Krawczyk, der Lyriker Durs Grünbein, die Publizisten Asfa-Wossen Asserate und Boris Reitschuster. Auch Irina Scherbakowa, Gründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial sowie der Lyriker Wjatscheslaw Kuprijanow haben sich der Initiative angeschlossen.
Foto von Daniel Kordan - SNA, 1920, 29.12.2020
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Wertschätzung erwächst aus eigenem Erleben

Ein Deutsch‐Russisches Jugendwerk soll der kulturellen Entfremdung von Deutschen und Russen in Europa entgegenwirken, so die Initiatoren. Es soll „Brücken in die Zukunft“ bauen „Russland gehöre zur europäischen Völkerfamilie“, schreiben sie, „die klassische russische Kultur – ihre Literatur, Musik und Kunst – ist eine Stimme in der europäischen Vielstimmigkeit.“ Die Geschichte müsse als Auftrag für die Zukunft verstanden werden, heißt es weiter. Junge Menschen auf beiden Seiten müssten „ein gemeinsames, realistisches Bild über die Vergangenheit und die Gegenwart entwickeln. Nur aus Begegnung und eigenem Erleben heraus kann Wertschätzung erwachsen. Nur so wird es möglich sein, die Zukunft gemeinsam und mit neuen Impulsen zu gestalten.“

Wenig Mittel, wenig Presse: Stiftung für Bündelung der Kräfte

Seit 2004 gibt es allerdings bereits eine Organisation, die es jährlich tausenden von deutschen und russischen Jugendlichen ermöglicht, das jeweils andere Land kennenzulernen: Die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch mit Sitz in Hamburg. Sie wurde mit staatlicher Unterstützung der Russischen Föderation wie der Bundesrepublik ins Leben gerufen. Doch gemessen an ihren gewaltigen Aufgaben habe man sie mit zu bescheidenen Mitteln ausgestattet, bemängelten die Initiatoren.

„Ein starker Jugendaustausch hilft der langfristigen Friedenssicherung. Doch junge Menschen können ihre Rolle als friedenserhaltende und gestaltende Kraft nur ausfüllen, wenn eine finanzstarke Organisation sie dabei unterstützt. Die z.B. in der Stiftung Deutsch‐Russischer Jugendaustausch bisher eingesetzten Mittel stagnieren seit über zehn Jahren auf einem unteren Niveau. Sie decken weder die aktuelle Nachfrage nach Austausch, noch können neue Themen erschlossen werden. Auch Inklusion oder mehr regionale Initiativen werden nicht ermöglicht.“

Und auch die Hamburger Stiftung selbst beklage, dass die zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken. In den vergangenen Jahren habe die Förderquote im außerschulischen Bereich bei 55 Prozent gelegen und auch die bestehenden Visa-Bestimmungen seien eine enorme organisatorische wie finanzielle Hürde.
Zudem mangele es in den überregionalen Medien an Aufmerksamkeit. Die Öffentlichkeit würde viel zu wenig darüber erfahren, wie gut die Zusammenarbeit im Jugendaustausch selbst in diesen politisch schwierigen Zeiten noch funktioniere. In den vergangenen 15 Jahren sollen nach eigenen Angaben mehr als 200.000 junge Menschen an den geförderten Projekten der Stiftung teilgenommen haben, wofür im Bereich des außerschulischen Austauschs zwei Millionen Euro und im Bereich des schulischen sowie beruflichen Austauschs bis zu 640.000 Euro Fördermittel zur Verfügung gestanden hätten.
Die Hamburger Stiftung begrüße private Initiativen wie die für das Jugendwerk zwar ausdrücklich, allerdings warne die Stiftung auch vor der Gefahr einer Zersplitterung der Kräfte: Neue Initiativen sollten nicht parallel zu den bestehenden Strukturen etabliert werden, heißt es da, denn es gebe bereits eine funktionierende Einrichtung im deutsch-russischen Jugendaustausch. Vielmehr solle es jetzt um die Bündelung der Kräfte gehen, um dieses wichtige Thema stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit in beiden Ländern zu rücken.
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