Bundesländer uneinig über Öffnung von Schulen und Kitas

© AFP 2022 / INA FASSBENDERLeerer Klassenraum
Leerer Klassenraum - SNA, 1920, 03.01.2021
Eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland scheint sicher zu sein. Darüber will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am Dienstag entscheiden. Doch wie geht es nun mit den Schulen und Kitas weiter? In dieser Frage zeichnen sich bei den Landeschefs Differenzen ab.
Dieser Stand zeigte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei einer Schaltkonferenz der Staatskanzlei-Chefs am Samstagnachmittag. Länder mit hohen Fallzahlen wollten ihre Kitas und Schulen weiter geschlossen halten.
Solche mit geringeren Zahlen – wie etwa Bremen, Hamburg oder Hessen – plädierten dafür, Kindergärten und Schulen bis zur siebten Klasse ab dem 11. Januar zu öffnen. In höheren Klassen soll dann Wechsel- oder Distanzunterricht gehalten werden, hieß es. Einzelne Länder regten auch ein Vorziehen der Winterferien an, die je nach Land zwischen dem 1. und 15. Februar beginnen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lehnt übereilte Lockerungen ab. „Der Lockdown muss bis Ende Januar verlängert werden. Vorschnelle Lockerungen würden uns wieder weit zurückwerfen“, sagte Söder der „Bild am Sonntag“.
Die Zahlen seien einfach noch viel zu hoch. Er sehe „keinen vernünftigen Politiker“, der von frühzeitigen Öffnungen rede. „Wir müssen konsequent bleiben und dürfen nicht wieder zu früh aufgeben. Das war die Schwäche der Corona-Politik in Deutschland: zu spät begonnen und zu früh aufgehört.“

Ansteckungen auch in den Schulen

Söder verwies des Weiteren auf die Verantwortung gegenüber den Lehrern und Schülern, die keinem unnötigen Risiko ausgesetzt werden dürften.

„Es darf keine überstürzte Öffnung von Schulen und Kitas geben. Es wäre angesichts der hohen Infektionszahlen verantwortungslos, Lehrer und Schüler einfach wieder komplett in die Schulen zu schicken. Es hat sich gezeigt, dass auch in der Schule Ansteckung und Verbreitung stattfinden. Gerade nach den Ferien ist die Gefahr am höchsten.“

Ähnlich sehen das Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher. Nach Einschätzung beider Sozialdemokraten gibt es noch „keinen Grund zur Entwarnung“ oder für „wesentliche Lockerungen“.
Allerdings will Tschentscher über die derzeit geschlossenen Schulen diskutieren. Er erwarte, „dass der Bund darlegt, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beziehungsweise Datengrundlage er eine weitere pauschale Schließung von Kitas und Schulen fordert“.
Ein leerer Klassenraum der Realschule Oberaden in Bergkamen, Nordrhein-Westfalen (Archiv)  - SNA, 1920, 03.01.2021
Realschullehrerverband wirft Politik Ignoranz vor
Carsten Linnemann, Unionsfraktionsvize und Chef der Mittelstandsvereinigung, warnte gegenüber der „Welt am Sonntag“ vor möglichen Spätfolgen. Schon heute sei etwa absehbar, wie Schüler aus sozial schwachen Familien und nicht deutschsprachigen Haushalten aus dieser Krise herauskommen würden, so Linemann.
Bei ihren Eltern dürfte es zu einem erheblichen Rückgang von Kontakten zur Mehrheitsgesellschaft kommen. Das Problem der Parallelgesellschaften könnte eine neue Qualität bekommen, so der CDU-Politiker.
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