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Schleppender Impfstart: Bund steht im Kreuzfeuer der Kritik

© REUTERS / POOLDer griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis erhält den Corona-Impfstofff von Pfizer-BioNTech
Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis erhält den Corona-Impfstofff von Pfizer-BioNTech - SNA, 1920, 02.01.2021
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Die bundesweite Impfung gegen das Coronavirus läuft offenbar nur schleppend an. Eine Ärztin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina wirft der Bundesregierung schwere Versäumnisse bei der Beschaffung von Impfstoff vor. Kritik gibt es auch von der Opposition.
„Ich halte die derzeitige Situation für grobes Versagen der Verantwortlichen“, sagte die Neurologin Frauke Zipp der Zeitung „Die Welt“.
„Warum hat man im Sommer nicht viel mehr Impfstoff auf Risiko bestellt?“, kritisierte Zipp, die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz sowie Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist, die die Bundesregierung berät.
Nach ihrem Kenntnisstand hatte „Biontech im Spätsommer wesentlich mehr Impfdosen angeboten“. Zipp verwies darauf, dass es vor kurzem noch offizielle Totengedenken gegeben habe, „jetzt zählt offenbar nicht mehr jeder Tag, an dem Menschenleben gerettet werden könnten. Jetzt wird Geduld eingefordert“.
In Deutschland könne bei genügend verfügbarem Impfstoff eine Durchimpfung von 60 Prozent der Bevölkerung in zwei bis drei Monaten gelingen, glaubt Zipp: „Als langjährig molekularbiologisch forschende Medizinerin kann ich auch sagen, dass eine Impfstoffproduktion – besonders der RNA-Impfstoffe – in diesem Umfang für EU-Länder ebenso möglich gewesen wäre.“

Opposition teilt die Kritik

Die Oppositionsparteien nehmen die Kritik der Wissenschaftler auf. „Die Kritik an der Impfstoffbeschaffung ist sehr ernst zu nehmen“, kommentierte FDP-Generalsekretär Volker Wissing gegenüber der „Welt“ und verwies auf das Vorgehen anderer Staaten:
Arzt (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.12.2020
Deutsche Herzstiftung rät Menschen mit Herzproblemen zur Impfung
„Wir sehen am Beispiel Israels und anderer Länder, dass es möglich ist, schneller zu impfen. Die Bundesregierung muss sehr gut erklären, warum das in Deutschland so schleppend läuft.“
Auch Linke-Chef Bernd Riexinger zeigte sich gegenüber dem Blatt „schon ein wenig verwundert, wie wenig Impfdosen die EU bestellt hat“.
„Statt mit zahlreichen Pharmaunternehmen über Impfungen zu verhandeln, deren Zulassung noch ungeklärt ist, sollte die Bundesregierung schnell Lizenzen zur Nachproduktion des Biontech/Pfizer-Impfstoffes vergeben“, forderte Riexinger. Das liege direkt in der Hand von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
Die Berichterstatterin für Infektionsschutz in der Grünen-Bundestagsfraktion, Kordula Schulz-Asche, ist der Auffassung, dass es „aus heutiger Sicht sicher besser gewesen wäre, mehr und verschiedene Impfstoffe bei den über 100 Entwicklern auf Risiko zu bestellen“.
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