Immunitätspass – der Weg zur Freiheit?

© AP Photo / Matthias SchraderFlughafen München
Flughafen München  - SNA, 1920, 01.01.2021
Die Idee, Gesundheitspässe für Menschen auszustellen, wird in Europa und darüber hinaus vielfach diskutiert. Die Impfung hat gerade erst begonnen, aber es ist bereits eine Diskussion über die Privilegien aufgetaucht, die denjenigen gewährt werden, die sie erhalten. Und sollte es überhaupt eine medizinische Spaltung der Gesellschaft geben?
Acht europäische und amerikanische Fluggesellschaften haben in Genf ein digitales Covid-Pass-Projekt vorgestellt. Dies ist eine Smartphone-Anwendung, mit der man Informationen zu Testergebnissen, Antikörpern und Impfungen gegen Coronaviren herunterladen können. Von allen Passagieren wird erwartet, dass sie dieses Programm nutzen. Wann werden diese Regeln umgesetzt?
Flugzeug der Lufthansa (Archivbild)  - SNA, 1920, 27.12.2020
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Die Einführung des neuen Systems wird es ermöglichen, zum normalen Leben zurückzukehren. Menschen, die mit solchen Pässen in andere Länder kommen, werden niemanden infizieren, sie werden frei reisen können, glauben Anhänger der Idee. Gegner befürchten, dass die Schaffung eines solchen Registrierungssystems nicht nur auf das Coronavirus beschränkt sein wird, sondern dass eine große Menge persönlicher Informationen offengelegt wird.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezweifelt die Notwendigkeit, solche Pässe einzuführen.
„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Pandemie haben wir nicht genügend Informationen darüber, wie effektiv die Immunität auf dem Vorhandensein von Antikörpern beruht. Es ist daher schwierig, die korrekte Funktion von Immunpässen und risikofreien Zertifikaten zu gewährleisten. Die Verwendung solcher Zertifikate kann nur das Risiko einer Übertragung des Virus erhöhen", sagte der WHO-Vertreter Dr. Siddhartha Sankar Datta in Genf.
Inzwischen hat die Welthandelsorganisation bereits einen Vertrag mit Estland über die Entwicklung eines digitalen Impfzertifikats unterzeichnet. Das erklärte Ziel ist es, geimpfte Bürger in den vorherigen Lebensrhythmus zurückzubringen. In Ungarn wurde bereits ein solcher elektronischer Pass erstellt, den man auf das Telefon herunterladen kann. Jetzt wird das System getestet. Die Entwickler glauben, dass es ohne ein solches Zertifikat bald unmöglich sein wird, ins Theater oder Fitnessstudio zu gehen.
Viktor Orban sprach Bürger an, die geimpft werden möchten: „Wir haben das Problem der Erstellung einer digitalen Version des Impfzertifikats untersucht. Deshalb bereiten wir uns darauf vor, allen, die sich erholt haben und geimpft wurden, ein Dokument zur Bestätigung ihrer Immunität zur Verfügung zu stellen. Dies steht im Einklang mit dem Vorhaben der EU, einen solchen digitalen Pass zu erstellen“, sagte der ungarische Ministerpräsident.
In Spanien werden Menschen, die sich nicht impfen lassen, auf spezielle Listen gesetzt. Laut Salvador Ilya, dem spanischen Gesundheitsminister, werden Personen, die die Impfung ablehnen, als diejenige registriert, die angebotene medizinische Versorgung abgelehnt haben. In Frankreich gingen die Behörden noch weiter: Die Idee, Covid-Pässe zu erstellen, wurde in einem Gesetzentwurf formuliert, der im April 2021 geprüft werden soll. Die Opposition kündigte Zwang und Verletzung der Wahlfreiheit an: Wer geimpft ist, kann fliegen, einen Job bekommen und die Universität besuchen. Das heißt, der Impfstoff ist nicht erforderlich, aber die Person, die nicht geimpft wurde, hat weniger Freiheit.
In Deutschland wurde die Einführung eines Immunitätsausweises scharf kritisiert. Kritiker warnten vor einer Zweiklassengesellschaft, vor der Freigabe der Patientendaten, vor höheren Infektionszahlen. Der Deutsche Ethikrat (Rat aus 26 unabhängigen Sachverständigen zu medizinischen und rechtlichen Fragen) lehnt die Einführung einer Immunitätsbescheinigung ab. Es sei zu unsicher, ob und wie lange Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gegen das SARS-CoV-2-Virus immun sind. Auch die Antikörpertests als Beweise für die Immunität lieferten oft falsche Ergebnisse.
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In Russland sind 58 Prozent der befragten Einwohner nicht bereit, sich gegen Coronavirus impfen zu lassen. Dies belegen die Daten der Umfrage von "Levada Zentrum". Der Moskauer Bürgermeister Sobjanin versprach den Geimpften, die Sozialkarten für die kostenlose Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln freizugeben. Sie sind seit Oktober blockiert.
In der Gesellschaft gibt es viele Fragen. Was ist mit denen, für die der Impfstoff aus medizinischen Gründen kontraindiziert ist? Schützt der Impfstoff vor Krankheiten oder kann die Person, ohne Symptome zu spüren, Träger der Krankheit sein? Die Sprecherin des Föderationsrates, Walentina Matwijenko, sprach sich kategorisch gegen Covid-Pässe aus: "Es ist nicht hinnehmbar, solche Pässe einzuführen, die Bürger zu diskriminieren und sie in Kategorien mit unterschiedlichen Rechten einzuteilen.“
Die Fluggesellschaften bestehen jedoch auf der Notwendigkeit eines solchen Dokuments. Die australische Fluggesellschaft Quantas gab bereits im November bekannt, dass sie Passagiere auf ihren internationalen Flügen ohne Impfung nicht zulassen werde. Ein ähnliches System besteht seit 2005. Rund 200 Länder erkennen ein Gelbfieber-Impfdokument an – ohne dieses Dokument ist die Einreise in einige afrikanische Länder nicht möglich.
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