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Szenarien für Erstkontakt mit Aliens – Soziologe warnt vor „massenpsychologischer Krise“

Ufo (Symbolbild) - SNA, 1920, 31.12.2020
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Was passiert, wenn wir auf Aliens treffen? Wie könnte der Erstkontakt aussehen und was macht das mit den Menschen? Und wer ist eigentlich für die Kommunikation auf der Erde verantwortlich? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die deutschen Soziologen Michael Schetsche und Andreas Anton schon seit Jahren. SNA-News stellt die Überlegungen vor.
Gibt es Leben da draußen? Diese Frage stellen sich viele, nur was die Wahrscheinlichkeit eines solchen Lebens betrifft, scheiden sich die Geister. Eine wichtige Frage, die sich an diese Frage anschließt, lautet auch: Wenn es Leben da draußen gibt und es zum Kontakt kommt – wie wird diese Begegnung ablaufen? Womit hat die Menschheit zu rechnen? Wie können wir uns darauf vorbereiten? Mit solchen Fragen haben sich die Soziologen Michael Schetsche und Andreas Anton in bereits zwei Büchern beschäftigt und laufend kommen neue Überlegungen hinzu. SNA-News steht mit Michael Schetsche in Kontakt und bringt sie auf dem neusten Stand.
Die „Exosoziologie“, wie sie diese Teildisziplin nennen, sei eine russische Erfindung, betont Schetsche: „Ein damals sowjetischer Radioastronom, Samuel Aaronowitsch Kaplan, hat Ende der 60er-Jahre ein Buch herausgegeben, eigentlich ein epochales Werk namens ‚Außerirdische Zivilisationen. Probleme interstellarer Kommunikation‘. Er hat mit einigen Kollegen alle diese Fragen analysiert und das Programm als erster Exosoziologie genannt.“ Bei der Exosoziologie gehe es darum, sich aus einer irdischen Perspektive mit den außerirdischen Gesellschaften zu beschäftigen. Damit wird die Soziologie über die Menschheit heraus als Gegenstand ausgedehnt und öffnet sich auch für das Weltall.

Von bewohnbaren Planeten und hartnäckigem Leben

Die Frage nach außerirdischen Zivilisationen ist aus Schetsches Sicht in den letzten Jahrzehnten aus zwei Gründen wichtiger geworden. Zum einen sei das Wissen um bewohnbare Planeten förmlich explodiert:
„Wir wissen seit ungefähr 20 Jahren, dass Planeten im Universum unglaublich weit verbreitet sind. Aktuelle Schätzungen sagen: Wir haben in unserer Galaxie 200 bis 300 Milliarden Planeten.“
Etwa ein Prozent dieser Planeten umkreise den Stern in der habitablen, lebensfreundlichen Zone. Daraus folge, dass eine bis drei Milliarden Planeten lebensfähig sind.
Zum andern habe die Forschung gezeigt, dass das Leben ein „extrem robustes“ Phänomen sei. „Überall auf der Erde, wo ansatzweise passende Bedingungen da sind, entwickeln sich Lebensformen.“ Daraus könnte der Astrobiologe schließen, dass auch im Weltall Leben bei recht unwirtlichen Bedingungen existieren könnte. Aus diesen Gründen folgt die Überzeugung des Soziologen:
„Zum jetzigen Zeitpunkt sagt uns unser naturwissenschaftliches Bild vom Universum: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es neben dem Menschen noch andere Intelligenzen gibt, und das heißt, die könnten wir dann auch treffen – oder sie uns.“

Szenarien für den Erstkontakt

Für solche Fälle habe der Soziologe mit der Methode der Zukunftsforschung Szenarioanalysen durchgespielt, das heißt: Grundparameter festgelegt und verschiedene wahrscheinliche Entwicklungen verfolgt. Das Ergebnis sind drei mögliche Szenarien:
1.
Das Fernkontakt-Szenario: In diesem Szenario geht es um Botschaften von außerirdischen Zivilisationen, die auf der Erde empfangen oder von der Menschheit erfolgreich übermittelt werden. Das ist derzeit das einzige Szenario der Seti-Forschung, was Schetsche bemängelnswert findet, da der Kontakt auch auf andere Weise erfolgen kann. (Seti steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence“, zu Deutsch: Suche nach extraterrestrischer Intelligenz.)
2.
Das Artefakt-Szenario: In diesem Fall wird in der Nähe der Erde eine Hinterlassenschaft einer außerirdischen Intelligenz in Form einer alten Sonde oder Raummülls gefunden. Diese kann dann von einer außerirdischen Intelligenz zeugen, die früher einmal im Sonnensystem war.
3.
Das Direktkontakt-Szenario: Hier kommt es zur direkten Konfrontation mit einem „interaktionsfähigen Raumflugkörper“. An Bord können Aliens sein, es reicht aber auch, wenn künstliche Intelligenz oder andere Maschinen das Raumschiff lenken. Hauptsache, die Kommunikation mit der Zivilisation ist über diese Konfrontation möglich.
4.
Das Agenten-Szenario: Eine Möglichkeit ist auch, dass Menschen und Außerirdische längst in Kontakt stehen, allerdings deren Existenz vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten wird. Es wissen entsprechend nur wenige, meist staatliche Stellen von deren Existenz. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt von Berichten über Ufo-Entführungen kann aus den traumatischen Erfahrungen der angeblich Entführten geschlossen werden, dass ein solcher Erstkontakt auf der Erde den Ausbruch einer „schweren massenpsychologischen Krise“ auslösen würde. Wegen der Beteiligung irdischer Stellen an einer „transterrestrischen Verschwörung“ würde auch die Glaubwürdigkeit von Regierungen, Militär oder Geheimdiensten untergraben, was zu einer umfassenden politischen Destabilisierung auf der Erde führen würde.
Himmel (Symbolbild) - SNA, 1920, 13.12.2020
„Galaktische Föderation“: Stehen Aliens in Kontakt mit USA und Israel?

Begegnung mit Aliens mit massiven Folgen

Zwar liegen der Wissenschaft keine Außerirdischen für ihre Forschung vor, aber über historische Analogien, die sich auf der Erde ereignet haben, kann man sich einer Begegnung nähern. Zum Vergleich kann der Soziologe „irdische Zivilisationen aus der Epoche der Eroberungen“ heranziehen, bemerkt Schetsche. Dabei habe es sich um sogenannten „asymmetrischen Kulturkontakt“ gehandelt. Die Eroberer seien die „technologisch überlegene Zivilisation“ gewesen und die unterlegene Zivilisation habe das Nachsehen gehabt.
So haben solche Begegnungen immer ökonomische, politische und religiöse Zerrüttung bei den Entdeckten zur Folge gehabt, „die das neue Wissen gar nicht in das eigene Weltbild einbauen“ konnten. Das habe zu Auflösungen von Gesellschaften geführt. Von diesen Beispielen wagt Schetsche die These, dass ein Kontakt mit technologisch überlegenen Außerirdischen auch für die Menschheit „schwerwiegende Auswirkungen“ haben wird.

Wer ist zuständig, wenn die Aliens kommen?

Abgesehen von alledem gibt es auch ein ganz banales organisatorisches Problem, wenn es plötzlich zum Kontakt kommen sollte: „Man sollte klären, wer denn auf der Erde für so einen Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation zuständig ist“, bemerkt Schetsche. Als internationale Fragestellung würde dies wahrscheinlich Aufgabe der Vereinten Nationen sein. Da aber auf allen Ebenen schwere Auswirkungen möglich seien, falle das auch in den Aufgabenbereich der Regierungen einzelner Länder. Aber da gilt: „Es gibt ja nicht einmal eine kleinste Staatsstelle, die das bisher macht.“
Aus seiner Sicht ist es notwendig, dass wenigstens eine Reihe von Menschen auf der Welt sich im offiziellen Verbund um solche Dinge kümmern. Denn auch banale Fragen sind nicht beantwortet:

Wenn wir in Kontakt mit Außerirdischen kommen, ist im Moment überhaupt nicht geklärt: Wer spricht überhaupt für die Menschheit?

Michael Schetsche
Soziologe
Derzeit gebe es höchstens eine Reihe versprengter Wissenschaftler auf der Welt, die nach Gutdünken Signale ins Weltall schicken. Diese Praxis lehnt Schetsche ab, da ihre Folgen nicht abzusehen seien. Solche Aktionen gehören aus seiner Sicht sorgfältig vorbereitet und sollten ansonsten mit rechtlichen Maßnahmen unterbunden werden.

Katastrophen-Plan für außerirdische Ereignisse

Auch auf die Katastrophen-Szenarien infolge eines solchen Kontakts ist die Menschheit nicht vorbereitet. Es gebe keine Katastrophen-Schutzpläne für einen solchen Fall. „Eine Forderung von uns ist, dass man in generellen Katastrophenplänen auch außerirdische Ereignisse einbezieht. Bisher ist das noch nichtmal für Meteoriteneinschläge gemacht, was auch jederzeit passieren kann“, so Schetsche. Dabei müssten die Außerirdischen für verheerende Folgen nicht einmal bösartig sein. „Es kann schon zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der alltäglichen Abläufe kommen, indem die Menschen einfach in Panik verfallen.“ Bereits ein irdisches Virus reiche, um die Menschheit zu stabilisieren und unvernünftiges Verhalten wie Horten von Toilettenpapier auszulösen. „Was wird dann erst passieren, wenn die Wissenschaft verkündet, dass wir in Kontakt mit Außerirdischen sind?“, fragt der Soziologe.
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„Ich war sprachlos“: Japanische Asteroiden-Probe enthält viel organisches Material

Wem gehört die Alientechnologie?

Unklar ist auch, was passiert, sollte ein Bürger oder eine Institution „lediglich“ auf ein zurückgelassenes Erzeugnis einer Alien-Hochkultur stoßen. „Da gibt es überhaupt keine internationale Regelungen dafür, was denn mit so einem Artefakt geschieht. Wem gehört es überhaupt? Wer kann es sich aneignen? Wer kann es erforschen?“, bemängelt Schetsche und fügt hinzu: „Wenn es dann noch Technologien enthält, stellt sich die Frage: Wer kann es ausnutzen? Da haben wir bisher einen Zustand wie im Wilden Westen beim Goldrausch. Wer etwas findet, eignet sich das an und macht daraus, was er will. Das kann zu erheblichen Konflikten führen, gerade wenn so ein Artefakt verwertbare Technologien enthält.“
Aus Sicht der beiden Soziologen ist es an der Zeit, für die verschiedenen Szenarien Regelungen und Pläne auszuarbeiten.
„Denn wenn so ein Kontakt zustande kommt, dann ist es zu spät, dann kann man nichts mehr vorbereiten. Die Vorbereitungen müssen wir jetzt machen, bevor dieser Erstkontakt stattgefunden hat“, lautet das Fazit.
Das Interview mit Michael Schetsche zum Nachhören:
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