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Deutsche Landwirte protestieren gegen Dumpingpreis für Butter – und blockieren Aldi-Lager

© REUTERS / Toby Melvilleeine Aldi-Filiale in London
eine Aldi-Filiale in London  - SNA, 1920, 29.12.2020
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Tagelang haben hunderte Landwirte mit ihren Traktoren wichtige Zufahrtswege zu Aldi-Lagern in Niedersachsen blockiert, um gegen die angekündigte Senkung von Butterpreisen des Discounters zu protestieren. Am Dienstag gab es jedoch Hinweise auf eine Annäherung zwischen den Streitparteien.
Nachts wärmten die Bauern sich mit Decken und Feuertonnen. „Es kommt nichts rein und nichts raus“, beschrieb der Sprecher der Proteste, Anthony Lee, die Lage.
„Die Landwirte, die da sind, wollen so lange stehen bleiben, bis Aldi sich bewegt und konstruktive Vorschläge bringt“, hieß es.
Auch in anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gab es Bauernproteste.
Vor dem Lager in Hesel im Landkreis Leer etwa kamen Lee zufolge zeitweise bis zu 500 Traktoren zusammen. Auch die Polizei zählte mehrere Hundert landwirtschaftliche Fahrzeuge. Auslöser der Proteste war eine drohende drastische Butterpreissenkung. Lee zufolge wollte Aldi Nord den Preis für Butter pro Kilo um bis zu 60 Cent senken. Üblich sei zum Jahresende eine Senkung von 10 bis 20 Cent, so der Landwirt. Für betroffene Bauern gehe es um die Existenz. Schon jetzt könnten manche das Futter für ihre Tiere nicht mehr bezahlen.
Die Sprecherin von Aldi-Nord, Serra Schlesinger, äußerte Verständnis für die Sorgen der Bauern. „Wir verstehen die Landwirte, aber wir sind nicht alleine in der Lage, das gesamte Problem zu lösen“, sagte sie am Dienstag. Nötig seien Gespräche mit allen Beteiligten, auch mit Vertretern der Politik.
Schlesinger verwies darauf, dass das Unternehmen die Preise nicht mit den Landwirten direkt aushandeln würde. „Dazwischen stehen die Molkereien“, so Schlesinger. Wenn zu viel Milch produziert werde, sei der Preis recht niedrig. Der Sprecher von Aldi-Nord, Joachim Wehner, hatte am Montag mitgeteilt, es sei üblich, dass die Butterpreise aufgrund der hohen Nachfrage zur Weihnachtszeit steigen und zu Jahresbeginn sinken.

„Politik macht keine Preise“

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast forderte weitere Gespräche. „Um Lösungen zu finden, müssen alle Marktpartner an einen Tisch. Wir brauchen langfristige Strategien“, sagte die CDU-Politikerin. „Ich kann den Ärger und die Wut der Landwirte verstehen. Diese Energie möchte ich gerne in die richtigen Bahnen lenken.“ Die Ministerin verwies auf eine für den 13. Januar geplante Videokonferenz mit Handel, Verarbeitern und Landwirten. „Dann geht es um Strategien für Gemüse, Milch und Fleisch“, so die Ministerin. „Ich nehme die Sorgen der Bauern ernst – aber Politik macht keine Preise.“
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte, es gebe ein massives Machtungleichgewicht zwischen Erzeugern und dem Handel. „Den Landwirten geht es nicht um Luxus, sondern schlicht um ihre Existenzen.“ Die Preisentwicklung kenne seit langem nur noch einen Weg: nach unten. „Wer aber gerne mit regionalen Produkten wirbt, der muss diese auch wertschätzen und dafür sorgen, dass unsere Bauernfamilien von der Produktion leben können“, so Klöckner.

Kompromiss doch möglich?

Vor dem Aldi-Lager in Hesel gab es am Dienstag Zeichen der Annäherung zwischen den Streitparteien. „18 Fahrzeuge mit Frischware konnten das Lager verlassen“, sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag. Zudem hätten Aldi-Zulieferer die Möglichkeit bekommen, Waren anzuliefern. Dass die Bauern Lastwagen durchließen, sei Ziel von Verhandlungen gewesen, die die Polizei begleitet habe. „Wir unterstützen die Leute vor Ort, wir sind Vermittler“, so die Sprecherin. Aber: „So eine Lage kann sich jederzeit in jede Richtung entwickeln.“
Am Dienstagnachmittag gab es mehrere Hinweise darauf, dass der Butterpreis nicht so deutlich wie von den Landwirten befürchtet gesenkt wird. Für den Fall, dass es tatsächlich entsprechende Verträge gibt, kündigte Bauernsprecher Lee ein Ende der Blockaden an. „Dann verzeichnen wir das als Erfolg und werden uns Stück für Stück zurückziehen.“
Am „Symbolstandort“ der Protest-Aktionen in Hesel waren am Dienstagnachmittag nach Schätzungen der Polizei noch rund 200 Traktoren präsent. „Es laufen noch Gespräche, aber es bewegt sich“, sagte eine Polizeisprecherin. „So langsam ist man dabei, auf einen Nenner zu kommen.“
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