„Frage von Leben und Tod“: Politiker fordern schnellere Impfstoffproduktion in Deutschland

© REUTERS / Pfizer/HandoutProduktion von Pfizer-Impfstoff gegen Coronavirus
Produktion von Pfizer-Impfstoff gegen Coronavirus - SNA, 1920, 28.12.2020
Nach dem Corona-Impfstart in Deutschland haben mehrere Politiker eine schnellere Impfstoffproduktion gefordert.
„Das ist eine Frage von Leben und Tod, eine Frage unserer Freiheit. Und es ist eine Überlebensfrage auch für unsere Wirtschaft, denn die ist schon auf der Intensivstation“, sagte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntag in einer „Bild“-Sendung.
Er regte an, darüber nachzudenken, ob ein knapper Impfstoff wie der von BioNTech nicht von anderen Herstellern in Lizenz produziert werden könnte. Lindner zufolge gilt es zu prüfen, wo es noch Kapazitäten dafür gebe.
Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler sagte dem „Spiegel“: „Der Gesundheitsminister kann nach dem Ersten Bevölkerungsschutzgesetz Unternehmen zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren.“ Das müsse die Bundesregierung jetzt schnell tun.
Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte vor negativen Folgen durch Engpässe bei der Versorgung mit Impfstoffen. „Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen“, sagte der CSU-Chef gegenüber der dpa in München.
Impfkampagne in Deutschland (27.12.2020) - SNA, 1920, 27.12.2020
Corona-Impfstart in Deutschland – Video aus Nürnberg
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach äußerte seine Besorgnis über Lieferengpässe. „Die Impfung läuft gut an. Das Problem ist aber, dass wir mit dem vorhandenen Impfstoff nur fünf Millionen Menschen bis Ende März impfen können“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Lauterbach verwies darauf, dass das Virus bereits Mutationen gebildet habe.
Kritiker hatten der EU und auch Deutschland vorgeworfen, zu wenig Impfstoff bestellt zu haben. Lindner sagte zu dem Thema, die Bundesregierung habe ihre Bestellung „sehr spät“ angepasst und erst kurz vor Weihnachten 30 Millionen Impfdosen zusätzlich geordert.
Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig wies auf die Verantwortung der Bundesregierung für die Impfstoffbeschaffung hin. „Ich habe die Sorge, dass wir nicht immer genügend Impfstoff rechtzeitig da haben“, sagte die SPD-Politikerin in einer „Bild“-Sendung.

Pharmaindustrie wehrt sich gegen Verzögerungsvorwürfe

Die Pharmaindustrie wies den Vorwurf zurück, wonach die Produktion des Corona-Impfstoffs zu langsam anlaufe. Der Präsident des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa), Han Steutel, sagte im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag), dass überall in Deutschland die Produktionskapazität für den Corona-Impfstoff hochgefahren werde. „Und jeder weitere Hersteller, der eine Zulassung erhält, wird ebenfalls mit vorproduzierten Chargen schnell im Markt sein.“
In Deutschland wurden am Sonntag mobile Teams eingesetzt, um zuerst vor allem Menschen über 80 in Pflege- und Seniorenheimen sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Klinikpersonal zu impfen. Zunächst standen bundesweit nur gut 150.000 Impfdosen bereit. Bis Jahresende sollen es 1,3 Millionen und Ende März über zehn Millionen Impfdosen sein.
Unterdessen sprach sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegen Sonderrechte für Geimpfte aus. „Viele warten solidarisch, damit einige als Erste geimpft werden können. Und die Noch-Nicht-Geimpften erwarten umgekehrt, dass sich die Geimpften solidarisch gedulden“, sagte Spahn gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Diese gegenseitige Rücksicht halte die Nation zusammen, betonte Spahn. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich gegen Sonderrechte ausgesprochen.
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