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Sind bewaffnete Drohnen heimtückische Mordwaffen? – Militärexperte bringt es auf den Punkt

© Foto : Israeli Air ForceEine Heron-Drohne der israelischen Luftwaffe (Archivbild)
Eine Heron-Drohne der israelischen Luftwaffe (Archivbild) - SNA, 1920, 28.12.2020
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Zwar ist die mögliche Ausrüstung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen in der großen Koalition umstritten, aber dennoch drängen Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer und Außenminister Maas darauf.
Eine Bewaffnung der neuen Bundeswehr-Drohnen wurde im Dezember von der SPD blockiert. Die Bundestagsfraktion einigte sich darauf, einer Bewaffnung der Heron-TP-Drohnen vorerst nicht zuzustimmen.
Die Entscheidung über eine Drohnen-Bewaffnung wurde bereits 2018 wegen Meinungsverschiedenheiten der Union und SPD in dieser Frage aufgeschoben.
Laut dem Militärexperten Wiktor Litowkin hat sich in den Köpfen einiger Politiker die Vorstellung festgesetzt, es lässt sich damit, ohne sonderliche Verluste für sich selbst, Kriege beginnen und gewinnen.
„Drohnen als Angriffswaffe vereinfachen quasi den Krieg und machen ihn zugleich noch unmenschlicher“, sagte er im SNA-Gespräch. „Nach dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wiederholen auch deutsche Politiker, man müsse die Soldaten schützen. Man muss sich aber dessen bewusst sein, dass die Hemmschwelle beim Einsatz von Kampfdrohnen deutlich niedriger liegt. Man nimmt den Verlust einer Drohne leichter hin als den einer Kampfmaschine mit Flieger.“
Allerdings macht Litowkin auf den folgenden Umstand aufmerksam: Drohnen werden ferngesteuert, der Telepilot kann sich zehn bis einige Tausend Kilometer von dem Kampfplatz entfernt befinden. „So sitzen die Amerikaner daheim in den USA und schießen im Jemen nicht nur zwei Autos mit vermutlichen Terroristen, sondern auch einen Hochzeitszug über den Haufen. Sie haben sich eben geirrt. Sonst ist es zwar keinem erlaubt, wohl aber den Amerikanern. Trotz des Skandals werden Drohnen in Konfliktherden nach wie vor völlig uneingeschränkt eingesetzt. Es gibt ja keine völkerrechtlichen Bestimmungen dafür.“
„Amerikanische Drohnenangriffe haben in Pakistan, Afghanistan und im Irak viele zivile Opfer gefordert“, so der Experte weiter. So tötet man mit einem Mausklick. Manchmal ist der Telepilot nicht in der Lage, genau festzustellen, ob es sich um eine Hochzeitsfeier oder um eine Terroristengruppe handelt. Das liegt daran, dass der Bediener der Drohne von dem Geschehen auf dem Kampfplatz räumlich entfernt ist. Sein autonomes Vorgehen hebt das auf, was man Kriegsbrauch nennt. Er tötet auch ärztliches Personal. Beim Einsatz solcher Waffen verschwimmt der Begriff von einem Kriegsverbrechen, d. h. von dem, was man nicht darf. Der Krieg wird in dieser Hinsicht noch unmenschlicher.“
Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (Archivfoto) - SNA, 1920, 10.12.2020
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Des Weiteren erinnerte Litowkin daran, wie eine Bundeswehr-Drohne über dem afghanischen Territorium beinahe mit einem Airbus kollidiert wäre. „Das breite Publikum erfuhr davon, nachdem ein Fragment der Videoaufnahme der Bordkamera dieser Drohne auf YouTube erschienen war: Knapp zwei Meter trennten die Leute von der Katastrophe. So kann eine breite Anwendung von Drohnen auch im zivilen Luftverkehr gefährliche Vorfälle herbeiführen.“
Beim Einsatz von Drohnen in den aktuellen bewaffneten Auseinandersetzungen hat man ein mögliches Szenario der zukünftigen Kriegsführung kennengelernt. Die Drohnen seien gewiss hocheffizient bei Kampfhandlungen gegen einen schlecht bewaffneten Gegner, behauptet der Militärexperte. „Aber in jedem Krieg wird das Ergebnis ausschließlich am Boden erzielt. Ohne Bodeneinsatz ist kein Sieg möglich. Davon zeugen auch die Ereignisse in Syrien, wo die russischen Streitkräfte sich nicht auf Luftangriffe beschränken, sondern gemeinsam mit regierungstreuen Truppen Assads auch Bodenoperationen gegen die Terroristen durchführen.
Übrigens habe sich das russische Luftabwehrsystem, das auf dem Stützpunkt in Hmeimim stationiert sei, bei der Bekämpfung der gegnerischen Drohnen bewährt, merkt Litowkin an. „Man schießt sie ab und bringt sie zur Landung mit funkelektronischen Bekämpfungsmitteln, greift in die Steuersignale ein und holt sie herab. Nicht zufällig üben die USA Druck auf die Länder aus, die russische Fla-Systeme kaufen, die nicht nur gegen Flugzeuge, sondern auch gegen Drohnen wirksam sind.“
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