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„Cliff-Hanger-Show“ zur "Unterhaltung des Pöbels" – Craig Murray über Brexit-Deal

© AFP 2021 / KENZO TRIBOUILLARDBrexit (Symbolbild)
Brexit (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.12.2020
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Die langwierigen Brexit-Verhadlungen und deren oft dramatische Darstellung in den Medien seien nichts als eine inszenierte Show von Politik und Presse, sagt der britische Ex-Botschafter Craig Murray.
Am 24. Dezember haben sich Großbritannien und die EU nach zähen Verhandlungen auf einen Brexit-Deal geeinigt. Die vorläufige Anwendung des Brexit-Handelspakts ab dem 1. Januar 2021 wurde am Montag auf den Weg gebracht. Die Ratifizierung durch das Europäische Parlament soll nach Neujahr erfolgen.
Im Wesentlichen soll der Vertrag einen harten wirtschaftlichen Bruch vermeiden. So enthält das knapp 1250 Seiten starke Dokument neben dem unbegrenzten Warenhandel ohne Zölle auch Regelungen zur Zusammenarbeit bei Fischerei, Flug- und Straßenverkehr, Energieversorgung, Verbrechensbekämpfung und Sozialversicherungen.
EU Flagge (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.12.2020
Brexit-Handelsvertrag: EU-Staaten starten vorläufige Anwendung des Deals
Als kritischer Beobachter der Brexit-Verhandlungen hat der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, die erzielte Einigung gleich an Heiligabend auf seinem Blog kommentiert.

Brexit-Deal war vorhersehbar – Medien machten daraus einen Verhandlungskrimi

Jedem, der etwas von diplomatischen Verhandlungen verstehe, sei klar gewesen, dass ein Deal recht einfach zu erzielen sein würde, so Craig Murray. Er wolle daher nicht das Abkommen an sich kommentieren, sondern die recht außergewöhnliche Tatsache, dass ein Abkommen, das ohnehin geschlossen werden würde, von der Gesamtheit der professionellen Medien und politischen Klassen quer durch Europa als vermeintliches Cliff-Hanger-Drama aufgebauscht worden sei.
Warum – das sei eine interessante Frage. Seiner Meinung nach liege die Antwort darin, dass Medien und Politik zu einer Art Unterhaltungsindustrie mutiert seien.

"Die große Politik ist nichts anderes als eine Art Reality TV, bei dem sowohl die Akteure als auch diejenigen, die darüber berichten, bestens darüber Bescheid wissen, dass man Dramen und Crescendos schaffen muss, um den Pöbel zu unterhalten"

Craig Murray
Ex-Botschafter

Murray sieht Ähnlichkeiten mit dem Märchen von irakischen Massenvernichtungswaffen

Politik und Medien hätten das gemeinsame Interesse, eine Show aus künstlichen Krisen darzubieten. Befremdlich sei, dass sie sich manchmal selbst davon überzeugen könnten, dass die dargebotene Version real sei. Er fühle sich schmerzlich an den Irak-Krieg und die angeblichen Massenvernichtungswaffen erinnert, die als Grund dafür herangezogen wurden. Er habe damals einen Kollegen, der im britischen Außenministerium direkt mit Irak-Fragen beschäftigt gewesen sei, gefragt, wie er denn seinen Job machen könne, wenn er doch wisse, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen besitze. Dieser habe gesagt, solange er im Außenministerium sei, glaube er an die Massenvernichtungswaffen im Irak und handle entsprechend. Sobald er abends nach Hause gehe, glaube er das nicht mehr.
Aus Murrays Sicht soll dieses Spiel, bei dem Politik und Medien zusammenarbeiten, davon ablenken, dass es in der Politik keine echten Differenzen mehr gebe. Das sehe man in Großbritannien daran, dass Labour für Johnsons Brexit-Deal stimme, oder dass die SNP, die sich nach außen hin zur schottischen Unabhängigkeit bekenne, absolut gar nichts dafür mache, diese herbeizuführen, denn das würde unter Umständen die gut bezahlten politischen Karrieren bedrohen.

Brexit-Effekt wird erst mit Verzögerung eintreten

Bezüglich der Auswirkungen des Brexits sagt der Ex-Diplomat voraus, dass sie zunächst kaum spürbar sein werden, obwohl sich der Handel zwischen Großbritannien und der EU viel schwieriger gestalten werde. Der Effekt werde erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 richtig zum Tragen kommen. Langsam, aber sicher würden Inflation und Arbeitslosigkeit steigen. Die britische Finanzindustrie werde sich zunehmend in Richtung Klienten aus Nicht-EU-Staaten entwickeln, die EU wiederum werde Transaktionssteuern verhängen, um dem Handel mit Derivaten Einhalt zu gebieten.
Bundesagrarministerin Julia Klöckner - SNA, 1920, 25.12.2020
Nach Brexit-Deal: Klöckner kündigt Hilfen für deutsche Fischer an
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