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Impfstart in Deutschland: Alles, was man wissen muss

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKEDie neue Impfstation in Berlin
Die neue Impfstation in Berlin - SNA, 1920, 27.12.2020
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In Deutschland und zahlreichen anderen EU-Ländern beginnen am Sonntag die Massenimpfungen gegen das Coronavirus. Wer hat Vorrang bei dem Vakzin? Müssen sich alle impfen lassen? Und wo kommt die Lieferung an? SNA hat Antworten auf diese und weitere Fragen zum Thema in Deutschland gesammelt.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte laut der Agentur Reuters die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes an und sprach vom „entscheidenden Schlüssel, um die Pandemie zu besiegen“.
Das Bundesgesundheitsministerium gibt Antworten auf wichtige Fragen.

Wer hat Vorrang bei der Impfung?

Zuerst soll Personen über 80 Jahren der Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer verabreicht werden.
Die Reihenfolge der Vakzinierungen ist in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt, die auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) aufbaut. Diese Rechtsverordnung ist am 15. Dezember 2020 in Kraft getreten.

Höchste Priorität

Über 80-Jährige
Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind,
Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten
Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, SARS-CoV-2-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten
Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen. (v.a. Hämato-Onkologie und Transplantationsmedizin.

Hohe Priorität

Über 70-Jährige
Personen mit Trisomie 21, mit Demenz oder geistiger Behinderung sowie Menschen nach einer Organtransplantation
Enge Kontaktpersonen von solchen pflegebedürftigen Personen, die über 70 Jahre alt sind, an Trisomie 21 oder einer geistigen Behinderung (bzw. Demenz) leiden oder nach einer Organtransplantation ein hohes Infektionsrisiko haben.
Kontaktpersonen von Schwangeren
Personen, die in stationären Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,
Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und in SARS-CoV-2-Testzentren
Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
Personen im öffentlichen Gesundheitsdienst und in relevanten Positionen der Krankenhausinfrastruktur
Personen, die in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen leben oder tätig sind

Erhöhte Priorität

Über 60-Jährige
Personen mit folgenden Krankheiten: Adipositas, chron. Nierenerkrankung, chron. Lebererkrankung, Immundefizienz oder HIV-Infektion, Diabetes mellitus, div. Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, COPD oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma
Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko (Labore) und ohne Betreuung von Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten
Personen in relevanter Position in Regierungen, Verwaltungen und den Verfassungsorganen, in Streitkräften, bei der Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und THW, Justiz
Personen in relevanter Position in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, in Apotheken und der Pharmawirtschaft, öffentliche Versorgung und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation
Erzieher und Lehrer
Personen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen

Wer impft?

Des Weiteren erklärte das Bundesgesundheitsministerium, wer in Deutschland impfen darf. Die Impfaufklärung sei zwingend von Ärzten vorzunehmen, heißt es. Die Impfung selbst kann auch an medizinisches Assistenzpersonal delegiert werden. Die Länder und Kommunen müssen sicherstellen, dass ausreichend Personal vorgehalten wird, um die Impfzentren zu betreiben.
Dabei werden sie insbesondere von niedergelassenen Ärzten und medizinischem Personal aus Krankenhäusern vor Ort unterstützt. Aber auch Hilfsorganisationen, die Bundeswehr oder Logistikunternehmen können bei der Organisation und den Betrieb vor Ort helfen.
Bundesweit sind rund 440 Impfzentren in den vergangenen Wochen für die Impfkampagne vorbereitet worden und sollen wohl bis spätestens Anfang Januar ihren Betrieb aufnehmen.

Wie erfahren Bürgerinnen und Bürger von der Möglichkeit, sich impfen zu lassen?

Für die Organisation und den Betrieb der Impfzentren sowie die Terminvergabe sind die Bundesländer zuständig.

Müssen sich alle impfen lassen?

Nein. Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig.

Wie oft muss ich mich impfen lassen?

Pro Impfung mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer müssen zwei Impfdosen mit einem Intervall von nicht mehr als drei Wochen verabreicht werden.

Muss ich nach der Impfung noch eine Maske tragen?

Die bestehenden Empfehlungen (AHA-Regeln) und Einschränkungen zum Infektionsschutz gelten für alle weiter.

Wer verfolgt die Impfreaktionen?

Auch bei breiter Anwendung wird die Wirksamkeit, Sicherheit und auch die Schutzdauer der COVID- Impfstoffe fortlaufend vom pharmazeutischen Unternehmer selbst sowie durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die zuständigen Gremien bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) überprüft und bewertet. Bei Hinweisen auf mögliche Nebenwirkungen kann damit sehr schnell reagiert werden. Nebenwirkungen können beim PEI gemeldet werden über die Webseite: www.nebenwirkungen.bund.de.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn - SNA, 1920, 26.12.2020
Corona-Impfungen: Jens Spahn zu den letzten Vorbereitungen – Video
Das PEI führt die Beobachtungsstudie zur Verträglichkeit der COVID-19-Impfstoffe mit Hilfe einer Smartphone-App - SafeVac App 2.0 - durch. Die SafeVac 2.0-App-Befragung ermöglicht es, unerwünschte Impfreaktionen zu ermitteln. Mit dieser App erhält das PEI nicht nur Informationen zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen, sondern auch zum Anteil der Personen, die die Impfung gut vertragen.

Wie viel Impfstoff steht zur Verfügung?

Zunächst steht bundesweit nur eine sehr begrenzte Zahl von Impfdosen bereit. Pro Bundesland waren es Medienberichten zufolge bei der Verteilung am Samstag knapp 10.000, in Bremen knapp 5000 - insgesamt gut 150.000 Dosen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte vor negativen Folgen durch Lieferengpässe.
„Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen“, sagte der CSU-Chef der dpa in München.
Leider sei noch nicht genügend Impfstoff vorhanden.
„Die Bestellungen des Bundes reichen wohl, aber die Produktion dauert. Daher ist es wichtig, alle Kapazitäten zur Herstellung des Impfstoffes zu erhöhen.“
„Je mehr geimpft wird und je mehr sich impfen lassen, desto schneller können wir den großen Schrecken von Corona reduzieren“, sagte Söder. Er bezeichnete das Impfen als einen „wichtigen Schritt in die alltägliche Freiheit.“
Für das gesamte erste Quartal wird nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mit elf bis 13 Millionen Impfdosen gerechnet. Für das gesamte Jahr bekommt Deutschland von Biontech über 85 Millionen Impfdosen. Wenn alle Impfstoff-Kandidaten zugelassen werden sollten, erhält Deutschland voraussichtlich insgesamt 300 Millionen Dosen.

Wer bezahlt die Impfungen?

Die Impfung in den Impfzentren wird für die Bevölkerung kostenlos sein – unabhängig vom Versicherungsstatus. Auf Grundlage des 3. Bevölkerungsschutzgesetzes hat das BMG eine entsprechende Rechtsverordnung erarbeitet. Der Bund zahlt den Impfstoff.
Die Kosten für den Aufbau und die Organisation der Impfzentren tragen die Länder und die gesetzliche Krankenversicherung (Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds) sowie die Private Krankenversicherung. Wenn in der zweiten Phase in den Arztpraxen geimpft werden kann, übernehmen wie üblich gesetzliche und private Krankenversicherung die ärztliche Leistung.

Wo kommt die Lieferung an?

Die Hersteller liefern das Serum an zentrale Stellen in den EU-Mitgliedstaaten. Innerhalb Deutschlands werden die Impfdosen nach Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt und an von den Ländern benannte Anlieferungsstellen geliefert.

Wie sicher sind die Impfstoffe?

Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte, wurden die klinischen Studien zur Verträglichkeit, Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe in drei Studienphasen überprüft. Vor allem die klinischen Prüfungen der Phase 3 wurden demnach sehr breit angelegt.
Zudem wurden in vorbereitenden nichtklinischen Studien die Impfstoffe mit erhöhter Wirkstoffmenge an Tieren untersucht, um mögliche Auswirkungen auf den Körper zu bewerten, die Schäden anzeigen könnten. Die Qualitätsanforderungen im europäischen Zulassungsverfahren sind sehr hoch. Das ist auch eine Frage der Verlässlichkeit und im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger der EU.
FDP-Chef Christian Lindner  - SNA, 1920, 26.12.2020
Vor Impfstart: Lindner kritisiert Bund wegen „nicht ausreichender Vorbereitung“
Auch nach Verfügbarkeit eines zugelassenen Impfstoffs finden weiterhin Untersuchungen statt, um weitere Informationen zur Sicherheit des Impfstoffs (z.B. Auftreten seltener unerwünschter Wirkungen) nach Anwendung in größeren Bevölkerungsgruppen zu erhalten.

101-jährige Heimbewohnerin als erster Mensch in Deutschland geimpft

Vor dem offiziellen Start wurde als erster Mensch in Deutschland bereits am Samstag die 101-jährige Heimbewohnerin Edith Kwoizalla in Sachsen-Anhalt geimpft, wie Medien berichteten.
„Für uns zählt jeder Tag“, sagte der Technische Leiter des Impfzentrums im Landkreis, Immo Kramer, dem MDR.
Karsten Fischer vom Pandemiestab des Landkreises sagte dem Sender: „Wir wollen diesen einen Tag, den der Impfstoff an Haltbarkeit dann verliert, nicht verschwenden. Wir wollen ihn gleich ausbringen.“

Spahn überrascht über Impfstart in Heim in Sachsen-Anhalt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich überrascht von den bereits am Samstag gestarteten Impfungen in Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Der Minister freue sich für die erste Corona-Geimpfte in Deutschland, sagte sein Sprecher der „Bild am Sonntag“.
„Allerdings hatten wir mit allen Partnerländern der EU und mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen.“
In einem Altenheim in Halberstadt waren am Samstag laut Medienberichten Bewohner und Personal vakziniert worden.
Das Corona-Behandlungszentrum an der Jafféstraße in Berlin-Charlottenburg (26.11.2020) - SNA, 1920, 08.12.2020
Live-Ticker: Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Dezember
Auch in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Portugal sollen am Sonntag die Massenimpfungen starten. Vorausgeeilt waren am Samstag laut der Agentur Reuters Ungarn und die Slowakei. Als erstes Land in Europa hatte Großbritannien in diesem Monat damit begonnen, das Biontech/Pfizer-Vakzin zu verabreichen.

Corona-Stand in Deutschland

Das RKI bestätigt insgesamt 1.640.858 Infektionen (Stand: 27.12.2020, 00:00 Uhr) mit dem Coronavirus in Deutschland, das ist ein Plus von 13.755 zum Vortag. Weitere 356 Todesfälle wurden gemeldet, insgesamt sind damit bislang 29.778 Menschen an dem Virus gestorben. Genesen sind laut Internetseite des RKI rund 1.236.700 Menschen, rund 13.000 mehr als am Vortag.
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