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Schlussetappe durchziehen: Nord Stream 2 auf der Zielgeraden

© REUTERS / OLIVER DENZERDer russische Rohrverleger Fortuna in der Ostsee (Archivbild)
Der russische Rohrverleger Fortuna in der Ostsee (Archivbild) - SNA, 1920, 24.12.2020
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Wie sehr die US-Regierung gegen die Pipeline Nord Stream 2 auch ankämpft, einen Erfolg zeitigen die Anstrengungen nicht. Der Festlandabschnitt der Gasleitung ist fertiggestellt; gebaut wird noch in den deutschen, danach in den dänischen Ostsee-Gewässern. Es ist das letzte Stück vor dem Ziel, an dessen Ende allerdings Schwierigkeiten lauern könnten.
Bei einem Treffen mit Investmentbanken hat Jelena Burmistrowa, Geschäftsführerin von Gazprom Export, mitgeteilt, der Nord Stream 2-Abschnitt auf dem ausländischen Festland sei komplett fertig. Und seit dem 11. Dezember – nach einjährigem Baustopp – wird in den deutschen Hoheitsgewässern laut der Gazprom-Managerin auch der Unterwasserabschnitt der Gasleitung weiterverlegt. Das genaue Fertigstellungsdatum bleibt jedoch weiterhin von vielen Faktoren abhängig, unter anderem vom Wetter in der Ostsee.
Den Rohrverleger „Fortuna“ sollen weitere Spezialschiffe unterstützen, darunter zwei Schiffe der russischen Seenotretter: „Murman“ und „Baltijski Issledowatel“. Entlang des Verlegungsstrangs wird eine Sperrzone von je 200 Metern Breite zu beiden Seiten eingerichtet. Schwimmen, tauchen, ankern und fischen in diesem Bereich soll verboten werden. Es beginnt schließlich die vermutlich schwierigste Bauetappe, sagen Experten: Im Winter stürmt es in der Ostsee häufig.
Außerdem bedrohen weiterhin US-Sanktionen die Pipeline. Seit Oktober gelten für Nord Stream 2 Einschränkungen aus dem PEESA-Gesetz zum „Schutz der Energiesicherheit Europas“. Folglich muss jedes Unternehmen, das an der Ausstattung, Finanzierung oder Modernisierung von projektbeteiligten Spezialschiffen mitwirkt, mit amerikanischen Sanktionen rechnen.
Nord Stream 2 (Archivbild) - SNA, 1920, 11.12.2020
„Wird nie russisches Gas transportieren“: USA reagieren mit Galle auf Nord-Stream-Weiterbau
Jetz sind zusätzlich Versicherungs- und Zertifizierungsfirmen betroffen, die mit den russischen Pipelinebauern zusammenarbeiten. Neue, vom US-Kongress bereits bewilligte Sanktionen sind im amerikanischen Gesetz über den Militärhaushalt 2021 verpackt. Deren Folge ist, dass die Versicherer die Risiken, die beim Bau von Nord Stream 2 entstehen können, nicht absichern und die Zertifizierer die Zuverlässigkeit der verschweißten Pipelinerohre nicht bescheinigen werden. Ohne diese Zertifikate darf jedoch kein Gas durch die Ostseeleitung nach Deutschland strömen.
Experten weisen allerdings darauf hin, dass die neuen Sanktionen noch keine ausgemachte Sache sind: „Ja, der Kongress hat dem Gesetzentwurf zugestimmt, aber Donald Trump hat das Dokument noch nicht unterschrieben und Joe Biden muss es nicht tun. Dem Einen steht erstmal der Auszug aus dem Weißen Haus bevor, der Andere muss da erstmal einziehen und sich vordringlich um die miserable Wirtschaftslage in den USA kümmern“, erklärt der unabhängige Unternehmensberater Leonid Chasanow.
Währenddessen beteuert Berlin seine Bereitschaft zu Gegenmaßnahmen, sollten die USA ihre Sanktionspläne verwirklichen. Dem Vernehmen nach sieht die Bundesregierung Möglichkeiten für ein koordiniertes Vorgehen mit der EU. Und auch die Projektpartner sind zuversichtlich. „Die Pipeline-Gesellschaft wird die Verlegung der Röhren wieder aufnehmen, und diese Pipeline wird fertiggestellt“, sagte etwa Rainer Seele, Chef der österreichischen OMV.
Marktexperten vom Oxford Institute for Energy Studies rechnen mit der Fertigstellung der Gaspipeline zum nächsten Sommer, sodass zum Jahresende 2021 die erforderlichen Zertifikate ausgestellt werden könnten. Natürlich könnten Sanktionen auch diese Ziele hintertreiben, doch „Russland wird einen Weg finden, um diese Hürden zu überwinden“, so die Analysten. Die Amerikaner sollten einsehen, dass sie das Projekt nicht mehr aufhalten würden.
„Die bisher gegen das Pipelineprojekt verhängten Sanktionen sind für Gazprom nur ein Mückenstich. Mit dem gleichen Erfolg hätten die Amerikaner dem russischen Energieunternehmen verbieten können, Erdgas in Russland zu fördern“, sagt der Unternehmensberater Chasanow. „Gazprom und Partner werden die Pipeline selbst dann fertigstellen und mit Gas befüllen, wenn Joe Biden den Gesetzentwurf unterschreiben sollte. Aus meiner Sicht wird die Rohrverlegung bis April oder Mai abgeschlossen sein.“
Alles, was in Bezug auf den Pipelinebau in den Tiefwasserabschnitten verboten werden konnte, ist ohnehin bereits verboten. Also zieht Gazprom die Schlussetappe durch – der Knackpunkt ist nur: Wird „Fortuna“ nur im dänischen Flachwasser oder auch im Tiefwasser arbeiten können? Davon hängen nämlich das Bautempo und die Zahl der benötigten Spezialschiffe ab.

„Gazprom setzt darauf, die Kette der Schiffseigner immer wieder zu ändern, um die Auswirkungen der Sanktionen so gering wie möglich zu halten“, erklärt Marktanalyst Igor Juschkow von der Stiftung Nationale Energiesicherheit. Er führt aus: „Alle am Projekt beteiligten Spezialschiffe haben den Eigentümer gewechselt. Die ‚Akademik Chersky‘ beispielsweise zählte zur Gazprom-Flotte, gehört inzwischen aber einem Energiefonds aus der Stadt Samara. Der Sinn ist, dieses Eigentum so gut es geht von Gazprom fernzuhalten. Schiffe werden bei Zweig- und Nebenstellen zugelassen, um den Konzernstamm dem Zugriff durch Sanktionen zu entziehen.“

Deshalb erwartet der Experte bei der Fertigstellung von Nord Stream 2 keine Schwierigkeiten mehr – wohl aber bei der Inbetriebnahme. Denn die neuen Sanktionen aus dem amerikanischen Gesetz zum Rüstungshaushalt 2021 zielen auf die Servicegesellschaften ab, die den Betrieb der Pipeline sicherstellen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass diese Sanktionen hart sein werden, mahnt der Analyst. Umso mehr komme es auf die Europäer an: Werden sie es genehmigen, die Pipeline in Betrieb zu nehmen und mit Erdgas zu befüllen?
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