Nach Nawalnys „Enthüllungen“: Maas hält Deutschlands Vorwürfe gegen Russland für berechtigt

© AP Photo / Michael SohnBundesaußenminister Heiko Maas
Bundesaußenminister Heiko Maas - SNA, 1920, 23.12.2020
Angesichts der neulich veröffentlichten „Enthüllungen“ im Fall Nawalny hält der Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die Vorwürfe der Bundesregierung gegen Russland für gerechtfertigt.
Laut dem SPD-Politiker seien die Berichte mehrerer Medien über den angeblichen Giftanschlag auf den russischen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny durch die russischen Geheimdienstagenten „weder neu noch überraschend“. Genau darum habe die EU Strafmaßnahmen gegen diejenigen Bürger Russlands verhängt, die aus EU-Sicht dafür verantwortlich seien, so Maas.
Als Reaktion auf die EU-Sanktionen hatte Russland am Dienstag Einreisesperren gegen die Vertreter des deutschen Regierungsapparats verhängt. Allerdings waren dabei die Namen der betroffenen Personen nicht genannt worden.
„Dass das durch Recherchen jetzt noch einmal journalistisch aufgearbeitet und erhärtet worden ist, empfinden wir als Bestätigung“, betonte der Bundesaußenminister.
Allerdings schloss Maas neue Restriktionen gegen Russland zu diesem Zeitpunkt völlig aus.
„Auf dieser Basis wird es keine neuen Konsequenzen geben“, sagte Maas gegenüber den Medien.
Am Montag hatte der russische Kreml-Kritiker zudem ein Telefonat publik gemacht, in dem er nach eigener Darstellung mit einem FSB-Agenten über den Mordanschlag spricht. Der Deutschen Presse-Agentur zufolge hatte der mutmaßliche Agent die Tat eingeräumt und auch Details des Verbrechens genannt. Allerdings hatte der russische Sicherheitsdienst FSB das veröffentlichte Telefonat als „geplante Fälschung“ bezeichnet.

Charité-Ärzte legen detaillierten Bericht zu Fall Nawalny vor

Später hatten die Ärzte der Berliner Charité in der Fachzeitschrift „The Lancet“ einen wissenschaftlichen Fallbericht zum Krankheitsverlauf von Nawalny veröffentlicht.
„In der Charité wurde eine schwere Vergiftung mit einem Cholinesterase-Hemmstoff diagnostiziert“, teilte die Klinik am Mittwoch mit.
Die Mediziner zeichneten in dem Artikel auf vier Seiten erstmals nach, welche Symptome das von Moskau in den 1980er Jahren entwickelte Nervengift der Nowitschok-Gruppe auslöst.
Demnach fiel Nawalny in ein Koma, der Herzschlag verlangsamte sich massiv, die Körpertemperatur sank auf 34,4 und zeitweise auf 33,5 Grad Celsius, hieß es in dem Artikel, der mit Einverständnis des Patienten erschien. Russland bestreitet bis heute, dass Nawalny am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk vergiftet wurde.
Ärzte in der Klinik in Omsk hatten dem 44-Jährigen lediglich eine Stoffwechselstörung bescheinigt. Moskau hatte immer wieder Beweise für eine Vergiftung gefordert. Die Ärzte der Charité verwiesen darauf, dass sie Nawalny nach seiner Ankunft am 22. August Blut- und Urinproben abgenommen hätten.
Ein Bundeswehr-Labor fand später heraus, dass es sich bei dem Gift um einen verbotenen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe handelte. Russland hatte damals diese Vorwürfe als politische Kampagne bezeichnet.
„Diese russische Reaktion folgt einem bekannten Muster, aber sie ist kein Beitrag zur Lösung. Es geht im Fall Nawalny ja nicht um einen bilateralen Streit. Es geht um einen schweren Verstoß gegen das internationale Verbot von Chemiewaffen in Russland“, kritisierte Maas.
Der Bundesaußenminister betonte jedoch, dass die Bundesregierung weiterhin an einer Zusammenarbeit mit Russland etwa zur Lösung von Konflikten interessiert sei.
„Es ist auch weiter in unserem Interesse, mit Russland konstruktiv zu reden, gerade bei Themen wie dem Konflikt in der Ostukraine und dem Atomabkommen mit Iran. Und ich gehe davon aus, dass auch Russland daran ein Interesse hat“, betonte der SPD-Politiker.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала