Nach Räumung von Aufnahmelager in Bosnien: Mehr als 1300 Menschen obdachlos

© AP Photo / Darko BandicMigranten im Flüchtlingslager Vucjak im Nordwesten Bosniens
Migranten im Flüchtlingslager Vucjak im Nordwesten Bosniens - SNA, 1920, 23.12.2020
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat am Mittwoch mitgeteilt, das Aufnahmelager Lipa in der Nähe der bosnischen Stadt Bihac geschlossen zu haben. Die Zukunft von mehr als 1300 Menschen bleibt vorerst ungewiss.
Es sei ungewiss, was mit den 1350 Menschen aus dem Lager geschehen werde, die nun auf der Straße stehen würden, sagte Natasa Omerovic, die Koordinatorin des Lagers, dem Nachrichtenportal „klix.ba“.
Zum „Abschied“ hätten einige der obdachlos gewordenen Bewohner Zelte und Container in Brand gesetzt. Eine dicke schwarze Rauchwolke war weithin sichtbar. Zu dem Zeitpunkt sei das Lager bereits fast leer gewesen, schrieb Peter Van der Auweraert, der IOM-Vertreter in Bosnien, auf Twitter. Es sei niemand verletzt worden. Feuerwehren konnten den Brand löschen, berichtete „klix.ba“.
Das Lager Lipa liegt in einem unwirtlichen Gelände 25 Kilometer südöstlich von Bihac. Es war im September errichtet worden, nachdem die bosnischen Behörden die Schließung des Lagers Bira am Stadtrand von Bihac erreicht hatten. Die Flüchtlinge und Migranten sollten durch diese Maßnahme aus dem Stadtbild der 60.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Bosniens verschwinden.
Die IOM hatte die Schließung des Lagers bereits früher angekündigt, weil es dort trotz des einsetzenden Winters keinen Anschluss an das Stromnetz und die Wasserversorgung gibt.
Ihr Versprechen, Lipa an Strom und Wasser anzuschließen, lösten die Behörden nie ein, hieß es bei der Deutschen Presse-Agentur. Flüchtlingshelfer kritisierten die menschenunwürdigen Zustände in dem Lager. Die österreichische Organisation „SOS Balkanroute“ bezeichnete es als das „Moria vor unserer Haustür“, in Anspielung auf das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, das im September abbrannte.
Wegen der unmittelbaren Nähe zum EU-Land Kroatien üben Bihac und der Kanton Una-Sana eine große Anziehungskraft auf Flüchtlinge und Migranten aus. Durch Bosnien verläuft ein Ableger der sogenannten Balkanroute, über die Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei nach Westeuropa zu gelangen versuchen.
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