Von wegen nur Bären: Vorfahren von Menschen könnten überwintert haben – Studie

CC0 / Charles R. Knight / Public Domain / Illustration von Cro-Magnon-Menschen
Illustration von Cro-Magnon-Menschen - SNA, 1920, 21.12.2020
Bären sind hervorragende Winterschläfer – das machen große Fettreserven und ein besonderer Stoffwechsel möglich. Der Mensch dagegen musste im Winter weiter auf Nahrungssuche gehen. Allerdings könnten auch ferne Vorfahren des Menschen sich in der Eiszeit an Winterschlaf versucht haben, wie eine neue Studie zeigt.
Der Winter mit seinen langen Nächten und tiefen Temperaturen bringt Teile der Tierwelt regelmäßig dazu, in einen Energiesparmodus überzugehen, der sich Winterschlaf nennt. Das Bedürfnis, einfach mal bis zum Frühling im Bett liegen zu bleiben, hat aber sicher auch jeder Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt verspürt – insbesondere 2020 in der Corona-Pandemie.
Einer neuen Studie zufolge ist dieses Gefühl vielleicht mehr als nur eine depressive Verstimmung wegen Vitamin-D-Mangel. Vielmehr scheint es so, als hätten unsere frühen Vorfahren – auch wenn mit mäßigem Erfolg – so etwas wie Winterschlaf gehalten.
Dafür haben die Forscher Wissen über die schädlichen Auswirkungen von Winterschlaf von der Tierwelt auf den Menschen übertragen. In aller Regel schützen sich etwa Bären durch ausreichende Fettreserven und einen besonderen Stoffwechsel vor Schäden, die der Winterschlaf sonst hinterlässt. Manchmal geht das aber schief und die Bären leiden an Knochenerkrankungen und Schilddrüsen-Fehlfunktionen.
Great Barrier Riff - SNA, 1920, 17.12.2020
Eine Wende für das Korallensterben? Great Barrier Reef künstlich befruchtet
Solche Folgeschäden von Winterschlafversuchen wollen die Wissenschaftler an Überresten in der spanischen Höhle „Sima de los Huesos“ festgestellt haben. Diese Höhle birgt extrem viele Fossilien, zu denen auch Skelette von Hominiden (Menschenaffen) gehören, die um die 430.000 Jahre alt sind, also deutlich älter als der homo sapiens.

Was spricht für einen Winterschlaf?

Für einen Winterschlaf sprechen aus Sicht der Forscher periodische Unterbrechungen des Wachstums und der Pubertät in dieser Population sowie verschiedene Anzeichen von Vitamin-D-Mangel in der Knochensubstanz. Die Winterschlaf-Hypothese befindet sich zudem im Einklang damit, dass jene Vorfahren des Menschen während einer Eiszeit lebten und folglich besonders schweren Wintern ausgesetzt waren.
Dass diese Vorfahren wirkliche Winterschläfer waren, wollen die Forscher nicht nahelegen. Eher haben in diesem Szenario die Hominiden versucht, durch die kalten Monate durchzuschlafen, was durch unzureichende Fettvorräte zu all den körperlichen Folgen geführt hat. Die vorgestellte Studie ist als ein Anfang zu verstehen, der mit mehr Daten gestützt werden müsste. Zudem gibt es auch alternative Erklärungen für die Schäden an den Skeletten, die vorher entkräftet werden müssten.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift L'Anthropologie veröffentlicht.
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