Interpol erwartet mit Start der Impfkampagne drastischen Anstieg von Kriminalität

© AFP 2022 / JEFF PACHOUDInterpol-Chef Jürgen Stock
Interpol-Chef Jürgen Stock - SNA, 1920, 21.12.2020
Jürgen Stock, der Chef der internationalen Kriminalpolizei-Organisation Interpol, ist im Interview mit dem Magazin „Wirtschaftswoche“ darauf eingegangen, wie die weltweite Corona-Pandemie die Kriminalität beeinflusst hat. Dabei sagte er eine „dramatische“ Zunahme der Straftaten mit dem Start der Impfkampagne vorher.
„Der Impfstoff ist das flüssige Gold 2021. Er ist das Wertvollste, was im kommenden Jahr zu verteilen ist. Die Mafia und andere kriminelle Organisationen sind schon darauf vorbereitet. Mit dem Ausrollen der Impfstoffe wird die Kriminalität dramatisch zunehmen. Wir werden Diebstähle und Lagereinbrüche sehen und Überfälle auf Impfstoff-Transporte; Korruption wird vielerorts grassieren, um schneller an den wertvollen Stoff zu kommen“, sagte Stock.
Allerdings hätten die Kriminellen gefälschten Impfstoff schon vor dessen Zulassung vertrieben, hieß es.
Der Interpol-Chef gab im Gespräch an, dass die globale Corona-Pandemie eine massive „Kriminalitätswelle“ ausgelöst habe.
„Ein solches Phänomen habe ich in meiner langen Polizeilaufbahn noch nicht gesehen: Ein Virus breitet sich von Asien über alle Kontinente aus und ihm folgt eine Kriminalitätswelle, sozusagen eine Parallel-Pandemie des Verbrechens. Tätergruppen haben ab der ersten Minute überlegt, wie sie mit Covid-19 Kasse machen können. Statt wie vorher zum Beispiel Medikamente zu fälschen, sind sie blitzschnell auf gefälschte Desinfektionsmittel, angebliche Anti-Viren-Medizin und minderwertige Schutzmasken übergegangen“, fügte Stock hinzu.
Bisher sei Covid-spezifisches gefälschtes medizinisches Schutzmaterial im Wert von 15 Millionen US-Dollar (mehr als 12 Millionen Euro) sichergestellt worden.
Auch in vielen anderen Bereichen hätten Kriminelle die Corona-Pandemie als Tatgelegenheit genutzt, hieß es weiter.
„Früher war der Enkeltrick der typische Telefon-Betrug. Das Enkelkind hatte einen Unfall, wird erzählt, und braucht dringend Geld. Ältere Menschen werden jetzt angerufen mit der Geschichte, ein Verwandter liege mit Corona im Krankenhaus und gleich komme jemand vorbei, der Geld für die notwendige Behandlung abhole“, so der Interpol-Chef.
Zudem würden die Täter die Tatsache ausnutzen, dass viele Menschen im Homeoffice seien. „Schlecht abgesicherte private Computer etwa eröffnen Cyberkriminellen die Gelegenheit, in Firmennetzwerke einzudringen. Und wenn Staaten in der Coronakrise unbürokratisch finanzielle Hilfe über Internetportale anbieten, zieht auch das Kriminelle an“, sagte Stock. Sie würden beispielsweise mit gestohlenen Identitäten öffentliche Unterstützung verlangen, oder sie locken Antragsteller auf gefälschte Internetseiten und fordern zu Unrecht Antragsgebühren.
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