Neue Impfstrategie der Schweiz: Wie vorbereitet ist das Land auf die Covid-19-Impfung?

© AFP 2022 / PATRICK T. FALLONBioNTech-Impfdosen
BioNTech-Impfdosen - SNA, 1920, 18.12.2020
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif) eine Impfstrategie für die Schweiz veröffentlicht. Das BAG gab seine Prioritäten bekannt: An erster Stelle sollen gefährdete Personen geschützt, dann das Gesundheitspersonal entlastet und schließlich das Virus eingedämpft werden.
Am Donnerstag veröffentlichte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Corona-Impfstrategie für die Schweizer Bevölkerung. Die Strategie wurde vom BAG und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen erstellt. Im Moment warten Gesundheitsämter und die Schweizer Regierung auf eine erste Zulassung der Schweizerischen Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte – „Swissmedic“. Die Hoffnung besteht, dass bereits ab Januar die ersten Impfungen stattfinden können.

Gefährdete Personen zuerst

Mit der Impfstrategie veröffentliche das BAG, in welcher Reihenfolge die verschiedenen Personen- und Berufsgruppen geimpft werden sollten, wie auch die Ziele der Pandemiebekämpfung. Im Falle einer begrenzten Verfügbarkeit von Impfstoffdosen, hat das BAG folgende Reihenfolge bei Erwachsenen vorgesehen:
Besonders gefährdete Personen (außer Schwangere)
Gesundheitspersonal und Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder) von besonders gefährdeten Personen
Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (z. B. Behindertenheime) und deren Personal
Alle anderen Erwachsenen, die sich impfen lassen möchten
Bisher wurde die Strategie lediglich für erwachsene Menschen geschrieben, Kinder und Jugendliche gehören laut Angaben des BAG bisher nicht dazu.
Die Ziele, um mithilfe der Impfung erfolgreich durch die Pandemie zu kommen, legte das BAG in der Strategie ebenfalls fest. So steht als erste Priorität des Bundes fest, dass die Regierung besonders gefährdete Personengruppen schützen möge und somit die Todesfälle reduzieren muss. Das zweite Ziel sieht vor, die Krankenhäuser und das Gesundheitspersonal zu entlasten, um ein Funktionieren des Gesundheitssystems zu gewährleisten. Und zuletzt sei es wichtig, das Virus so gut es geht weiter einzudämmen, um negative Auswirkungen der Pandemie zu reduzieren.
Mitarbeiterin der Intensivstation im Universitätsklinikum Zürich - SNA, 1920, 14.12.2020
Warnruf der BSK-Ethik-Kommission: Viele Schweizer Pflegende sind am „Ende ihrer Kräfte“

Kostenübernahme von Krankenkasse und Bund

Die Impfung soll kostenfrei an die Bevölkerung gegeben werden – so sollen die Kosten teils vom Bund, teils von der gesetzespflichtigen Krankenkasse übernommen werden. Vorläufige Schätzungen sehen vor, dass ungefähr 200-250 Millionen Franken (185-230 Mio. Euro) von den Krankenkassen und genauso viel nochmal von der Bundeskasse ausgegeben werden soll. Von Franchise und Selbsthaft ist die Impfung laut dem Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF) befreit.
Schweizer Krankenkassensystem Infobox

Im Schweizer Gesundheitssystem gibt es sowohl privatwirtschaftlichen wie auch staatlichen Einfluss. Private Krankenkassen und Versicherungsdienstleister bewegen sich auf einem stark reglementierten Markt, schreibt die öffentlich-rechtliche Informations- und Nachrichtenplattform „swissinfo“. Es gibt staatliche wie auch private Krankenhäuser, Kliniken und Ärzte. Reguliert und ausgeführt wird die Gesundheitsversorgung auf kantonaler Ebene, auch wenn der Bund gewisse Gesetze vorschreibt. Trotz Unübersichtlichkeit und zersplitterter Aufgabenteilung ergeben Studien, dass die Schweiz eines der besten Gesundheitssysteme weltweit aufweist.

Jeder Schweizer Bürger ist verpflichtet, eine Grundversicherung abzuschließen. Diese Grundversicherung sieht monatliche Prämien in verschiedenen Höhen vor. Jedem Einzelnen steht also frei, welche Prämie er bereit ist zu zahlen. Die Höhe dieser Prämien ist abhängig von den Franchisen – der Betrag der Franchise muss jedoch selbst übernommen werden. So zahlen Versicherte mit einer hohen Franchise weniger Prämien, während Bürger mit einer niedrigen Franchise mehr Prämien bezahlen. Doch auch bei Überschreitung des Franchise-Betrags müssen Versicherte einen Selbstbehalt von durchschnittlich 10 Prozent zahlen.

ExpandierenMinimieren
Bisher habe der Bund nach Angaben des SRF 12,8 Millionen Impfdosen insgesamt gesichert. Zusammengestellt sind diese aus drei Millionen Dosen von Biontech/Pizer, 4,5 Millionen Dosen von Moderna und 5,3 Millionen Dosen Astra Zeneca – bei jeder Impfung benötige man zwei Impfdosen, um immun zu sein. In der Schweiz leben momentan ungefähr 8,6 Millionen Menschen. Die Verteilung soll über die Armee-Apotheke stattfinden und abgesehen von den Impfzentren soll die Impfung später auch in Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern zur Verfügung stehen. Die Kantone bereiten sich im Moment auf die erste Zulassung im Januar vor. Eine Impfplicht sei bisher nicht vorgesehen.
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