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Cas-Urteil: „Sieg des gesunden Menschenverstandes“ oder „Schlag für sauberen Sport“?

© AP Photo / Alexander ZemlianichenkoRUSADA
RUSADA - SNA, 1920, 18.12.2020
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Das am Donnerstag am Internationalen Sportgerichtshof ergangene Urteil, Russland wegen Dopings für zwei Jahre von internationalen Sportveranstaltungen auszuschließen, wurde unterschiedlich wahrgenommen. Echte Sieger scheint es nach dem Kompromiss-Urteil nicht zu geben.
Für Athleten und Fans dürfte das am Donnerstag am Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne ergangene Urteil nur ein schwaches Trostpflaster sein: Russland wird für zwei Jahre von den Olympischen Spielen sowie der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschlossen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte eine doppelt so lange Sperre gefordert. In Tokio, Peking und Katar dürfen zwar nachweislich saubere russische Sportler antreten, jedoch ohne Nationalflagge und Hymne. Russische Beamte bis hin zu Staatspräsident Wladimir Putin dürfen nicht an den Sportereignissen teilnehmen. Auch darf Russland in diesem Zeitraum bereits vergebene Sportereignisse nicht selbst ausrichten. Nach einem Sieg fühlt sich das wahrlich nicht an.
Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada zeigte sich jedoch zufrieden damit, dass „der gesunde Menschenverstand gesiegt“ habe und der Versuch, russische Athleten noch länger vom internationalen Sport fernzuhalten, gestoppt wurde.

„Das wird den Sportwettbewerben und den Anti-Doping-Bemühungen weltweit helfen, weil das Konzept der Kollektivschuld im Anti-Doping nun in den Mülleimer der Geschichte befördert wurde“.

Michail Buchanow
CEO von Rusada
Die allgemeine Sperrung habe gegen die notwendige Einsicht der Athleten gearbeitet, dass sie persönlich dafür verantwortlich sind, fair zu spielen, und dass ihre sportliche Karriere beendet sein würde, wenn sie verbotene Substanzen nutzten. Russische Athleten, die in Tokio antreten würden, würden wesentlich gründlicher getestet werden, als der Großteil der anderen Spitzensportler.
Für die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs, Wadas Sperrung der Rusada aufrechtzuerhalten, habe die Russische Anti-Doping-Agentur jedoch kein Verständnis.
„Das Verfahren der Wada gegen die Rusada basiert auf dem Vorwurf der Manipulation des Moskauer Anti-Doping-Labors 2018. Fakt ist jedoch – und das wird von der Wada nicht angefochten – dass die Daten des Moskauer Anti-Doping-Labors niemals unter der Kontrolle der Rusada waren. Ebenso wenig war die Rusada an der Übermittlung der Daten beteiligt – was ja im Zentrum der im Prozess erhobenen Vorwürfe stand. Auch das hat die Wada nie angezweifelt.“
Olympische Sommerspiele 2020, Tokio (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.12.2020
Sportler für Olympia in Tokio bevorzugt impfen oder die Spiele ausfallen lassen?
Russland soll die von der Wada eingeforderten Dopingdaten aus dem Moskauer Labor für die Jahre 2012 bis 2015 vor der Übergabe gefälscht haben. Diese sollen Beweise für systematischen, staatlich gelenkten Sportbetrug enthalten haben.

„Unsinniger“ Kompromiss

Das Urteil des Cas sei „ein wichtiger Moment für den sauberen Sport und Athleten in aller Welt“, sagte Wada-Präsident Witold Banka. Zwar zeigte er sich enttäuscht von der Halbierung der von seiner Agentur veranschlagten Sperre, sagte aber, die Wada werde die Entscheidung akzeptieren. Ähnlich fielen die Reaktionen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) aus. Für beide Institutionen sei das Strafmaß zu milde ausgefallen. So sagte Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann:
„Der langjährige Betrug an den sauberen Athletinnen und Athleten und der gesamten Sportwelt ist inakzeptabel und hätte aus unserer Sicht die größtmöglichen Konsequenzen haben müssen.“
Andrea Gotzmann
Nada-Vorstandsvorsitzende
Auch aus den USA kam umgehend scharfe Kritik. So sagte Travis Tygart, Geschäftsführer der US-Anti-Doping-Agentur Usada gegenüber „AFP“:
„An diesem Punkt in dieser schmutzigen, staatlich geförderten Doping-Affäre um Russland, die jetzt fast ein Jahrzehnt dauert, gibt es keinen Trost durch diesen schwachen, verwässerten Ausgang“.
Ein „fatales Signal“ nannte das am Donnerstag ergangene Urteil der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt im Interview mit „Radio Eins“. Und auch „Whistleblower“ Grogori Rodtschenkow hielt nicht hinter dem Berg mit seiner Meinung zum Cas-Urteil. Der Kompromiss sei „unsinnig“ und „ungerecht“ und das Cas sei offenbar „unwillig und unfähig“ gewesen, „auf die systematische und langjährige Kriminalität Russlands angemessen zu reagieren“. Rodtschenkow selbst, ehemals Leiter des Moskauer Labors, war maßgeblich beteiligt an den Enthüllungen um Russlands Dopingpraktiken bei den Olympischen Spielen von Sotschi. Vor Gericht verstrickte sich der Kronzeuge jedoch immer wieder in Widersprüche.
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