Will Russland Europa spalten? Ex-Botschafter Berlins in Moskau spricht über Ziele russischer Führung

© SNA / Alexej Kudenko / Zur BilddatenbankDeutschlands Ex-Botschafter in Moskau Rüdiger von Fritsch
Deutschlands Ex-Botschafter in Moskau Rüdiger von Fritsch  - SNA, 1920, 17.12.2020
Rüdiger von Fritsch, Deutschlands Botschafter in Russland in den Jahren 2014 bis 2019 und jetzt Diplomat im Ruhestand, hat neulich in einem Interview mit der „Welt“ die Beziehungen zwischen Moskau und Berlin und deren Aussichten erörtert.
Laut von Fritsch verfolgt Russland gleichzeitig „zwei gegenseitige Ziele“. Einerseits wolle es angelblich das westliche Europa spalten, um sich dann mit den einzelnen Ländern leichter zu tun, was auch für die transatlantische Gemeinschaft gelte. Andererseits versuche der Kreml aus seiner Sicht, mit einem handlungsfähigen, wirtschaftlich starken Europa im Geschäft zu bleiben und zwar nicht nur ökonomisch. Dafür nutze man auch jede Möglichkeit, die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen, meint von Fritsch.
Zur gleichen Zeit sei Russland dankbar, in der Bundeskanzlerin eine starke Partnerin zu haben, die Konflikte lösen könne. Was den Dialog zwischen den deutschen Parteien und Moskau betrifft, vertreten die traditionellen Oppositions- und die Regierungsparteien laut dem 66-jährigen Ex-Diplomaten eine gemeinsame Stellung in Bezug auf die Krim-Situation. Darüber hinaus könne Moskau mit freundlichen Äußerungen nur von Vertretern der AfD und der Linken rechnen.

Wird China ein schwieriger Partner?

Von Fritsch äußerte auch die Meinung, dass es längerfristig zu für manche überraschende Entwicklungen kommen könnte. China werde aus seiner Sicht zu einem schwierigen Partner für Russland. Das bilaterale Verhältnis werde „mehr und mehr unausgeglichen“. Dies könne dazu führen, dass Moskau künftig mehr Interesse an einer gemeinsamen Zukunft mit Europa haben werde.

Deutsch-russisches Gasprojekt Nord Stream 2

Nord Stream 2 (Archivbild) - SNA, 1920, 08.12.2020
Trotz US-Beteuerungen: Das ist das wahre Opfer im Streit um Nord Stream 2 – Experte
In Bezug auf die Gaspipeline Nord Stream 2, die die USA mit allen Mitteln stoppen wollen, äußerte von Fitsch Folgendes: „Wir müssen uns fragen: Wollen wir wirklich lieber das durch zerstörerisches Fracking gewonnene US-Erdgas, das 25 Prozent teurer ist als das russische?“. Aus seiner Sicht stehen hinter der massiven US-Attacke auf die Gasleitung ganz konkrete wirtschaftliche Interessen.
Rüdiger von Fritsch veröffentlichte vor kurzem ein Buch mit dem Titel „Russlands Weg“. Es ist in den Läden bereits erhältlich.
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