Sportler für Olympia in Tokio bevorzugt impfen oder die Spiele ausfallen lassen?

© AP Photo / Eugene HoshikoOlympische Sommerspiele 2020, Tokio (Symbolbild)
Olympische Sommerspiele 2020, Tokio (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.12.2020
Wie können die Olympischen Sommerspiele von Tokio trotz Corona durchgeführt werden? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur das IOC. Athleten bei der Impfung vorziehen wollen die meisten Deutschen nicht.
Werden die Olympischen Sommerspiele in Tokio trotz Corona stattfinden? Sie sind aufgrund der Pandemie bereits um ein Jahr verschoben worden und bringen große Unkosten mit sich. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Organisatoren der Spiele hatten im September mitgeteilt, sie hätten einen detaillierten Maßnahmenkatalog erarbeitet, um sichere und erfolgreiche Spiele zu garantieren. IOC-Präsident Thomas Bach möchte auch weiterhin an den vom 23. Juli bis zum 8. August geplanten Spielen festhalten. Doch manche Kritiker sagen, unter den gegebenen Umständen wäre es ratsam, auf Olympia 2021 zu verzichten.
Ein Maximum an Sicherheit für die Teilnehmer in Tokio könnte eine verpflichtende Impfung im Vorfeld bieten. Doch auch diese erscheint aus mehreren Gründen problematisch. Bei allein 10.000 Sportlern im Olympischen Dorf wäre das schon logistisch schwierig. Hinzu kommt, dass eine Impfung laut Sportsoziologen Gunter Gebauer ein medizinischer Eingriff ist, zu dem man andere Menschen nicht verpflichten dürfe. IOC-Präsident Thomas Bach hat eine mögliche Impfpflicht bereits ausgeschlossen. Jedoch hat er intensiv darum geworben, dass sich möglichst viele Athleten und Fans vor den Olympischen Sommerspielen impfen lassen. Das IOC würde die Kosten dafür tragen. Viele Sportler, wie Säbelfechter Max Hartung oder Dressurreiterin Isabell Werth, seien sofort zu einer Impfung bereit. Auch Ringer Frank Stäbler sagt: „Wenn es erforderlich ist, um meinen Olympia-Traum ohne weitere große Hindernisse zu verwirklichen, würde ich mich selbstverständlich impfen lassen“.
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Da es aber unwahrscheinlich ist, dass bis zum Sommer genügend Impfstoff für alle vorhanden sein wird, steht auch die Frage im Raum, ob Spitzensportler priorisiert werden sollten. 66 Prozent der Deutschen sind laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov dagegen, dass die Athleten bei den Impfungen bevorzugt behandelt werden. Damit liegen sie auf einer Linie mit SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. „Ich finde es nicht unproblematisch, dass Sportler zuerst geimpft werden, damit sie dem Profisport nachgehen können“, sagte der Politiker der DPA.
“Mir persönlich erscheint es tatsächlich fragwürdig, dass wir Sportler impfen und ältere Ungeimpfte noch erkranken und um ihr Leben kämpfen müssen.“
Karl Lauterbach
SPD-Gesundheitsexperte
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