Nawalny: „Deutsche Staatsanwaltschaft hat mich verhört“

© AP Photo / Pavel GolovkinAlexej Nawalny (Archivfoto)
Alexej Nawalny (Archivfoto) - SNA, 1920, 17.12.2020
Der Kremlkritiker Alexej Nawalny ist am heutigen Donnerstag nach eigenen Angaben von der deutschen Staatsanwaltschaft verhört worden. Die Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung hat diese Informationen bislang jedoch nicht bestätigt.
„Die deutsche Staatsanwaltschaft hat mich auf Anfrage der russischen Behörden verhört“, schrieb Nawalny am Donnerstag auf Twitter. Er habe „den halben Tag bei der deutschen Staatsanwaltschaft“ verbracht. Es sei daher eine Lüge, dass die deutsche Seite nicht kooperiere.
„Nun, sie (die Deutschen – Anm. d. Red.) wurden gebeten, mich zu befragen und haben Fragen geschickt bekommen. Sie haben mir diese Fragen gestellt, die Antworten aufgeschrieben und werden sie nach Moskau schicken“, schrieb Nawalny weiter.
Die Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung wollte dazu keine Informationen geben. „Wir erteilen keine Auskunft über den Inhalt und Status der internationalen Rechtshilfeersuchen“, sagte Sebastian Brux, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung.

„Spiegel“-Story über mutmaßliche Nawalny-Attentäter

Am Montag hatte das deutsche Magazin „Spiegel” , das gemeinsam mit den Investigativplattformen Bellingcat und The Insider sowie dem US-Nachrichtensender CNN recherchierte, ein Material veröffentlicht, in dem geschrieben steht, dass Nawalny Opfer eines Giftanschlags geworden sei, an dem mindestens acht Agenten des russischen Sicherheitsdienstes FSB teilgenommen haben sollen.
Laut „Spiegel“ hat das Rechercheteam nachgewiesen, dass die FSB-Agenten Nawalny auf mehr als 30 Flügen begleitet hätten. Dem Bericht zufolge war diese Gruppe schon vor dem Anschlag auf Nawalny an mehreren Tötungsversuchen beteiligt gewesen.
Am Mittwoch hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow dem Westen im Zusammenhang mit diesen „Sensationen“ mangelnde Ethik vorgeworfen.
Das Rechercheteam und Nawalny selbst bauen ihre Version ausgehend von Flugtickets und dem Herunterladen von Telefonrechnungen auf, die rechtlich nicht erhältlich oder überprüfbar sind. Nawalny behauptet auch, dass die russischen Ärzte während seines Krankenhausaufenthaltes in Omsk falsche Aussagen über seine Diagnose gemacht hätten.
Gleichzeitig geben die Autoren der „Ermittlungen“ zu, dass es keine Beweise dafür gebe, dass sich einer dieser „FSB-Agenten" während Nawalnys Krankenhausaufenthalt in Omsk auch in dieser Stadt aufgehalten hat. Damit widerlegen sie die frühere Version der britischen Zeitung „The Sunday Times“ über einen Versuch, den Kreml-Kritiker dort zum zweiten Mal zu „vergiften“.

Hintergrund

Alexej Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug (Tomsk – Moskau) zusammengebrochen. Er wurde zunächst in einem Omsker Krankenhaus behandelt und dort in ein künstliches Koma versetzt. Der 44-Jährige wurde später auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt. Anfang September wurde Nawalny aus dem Koma geholt und bereits am 23. September aus der Berliner Charité entlassen.
Die Bundesregierung sprach bereits am 2. September von einer Vergiftung Nawalnys mit einem Nervenkampfstoff der „Nowitschok“-Reihe, nachdem Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr die Belege dafür geliefert hätten.
Laut dem Omsker Krankenhaus wurden in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt, als vorläufige Diagnose wurde eine Stoffwechselstörung angegeben, die ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben soll.
Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) teilte im Okober mit, dass in den Blut- und Urinproben des russischen Bloggers und Kreml-Kritikers Alexej Nawalny Giftspuren festgestellt worden seien, welche auf einen der Nowitschok-Gruppe ähnlichen Nervenkampfstoff schließen ließen. Dieser soll jedoch nicht in der Chemiewaffenkonvention gelistet sein. Die Untersuchung beruhte demnach auf eigenen Analysen der OPCW und soll mit den Befunden der Spezial-Labore in Deutschland, Frankreich sowie in Schweden übereingestimmt haben.
Russland hat bereits mehrmals Deutschland sowie andere westliche Partner und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zur Kooperation im Fall Nawalny aufgefordert, doch weder Berlin noch Paris stellen Russland die erforderlichen Daten zur Verfügung und antworten nicht auf russische Rechtshilfegesuche.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала