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Corona-Krise gleich Ausbildungs-Krise? Starker Rückgang auf dem Ausbildungsmarkt

© AFP 2021 / CHRISTOF STACHEDas Schild „Betriebsruhe wegen Lockdown” in einem Restaurant nahe Spitzingsee in Bayern
Das Schild „Betriebsruhe wegen Lockdown” in einem Restaurant nahe Spitzingsee in Bayern - SNA, 1920, 17.12.2020
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Unter Corona-Bedingungen sind die Zahlen der angebotenen und vermittelten Ausbildungsplätze eingebrochen. Fachleute sehen auch für das kommende Jahr keine Normalisierung und fordern strukturelle Änderungen.
Die Corona-Pandemie ist auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbeigegangen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat am Dienstag seine Bilanz für 2020 vorgelegt. Demnach sank das Angebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr um 50.700 Plätze (-8,8 Prozent). Ähnlich stark sank auch die Nachfrage: 53.000 junge Menschen weniger haben nach einer Ausbildungsstelle gesucht.

Corona hat tiefe Spuren im Ausbildungsmarkt hinterlassen

Auch bei der Vermittlung sei coronabedingt vieles ausgefallen – Ausbildungsmessen, Jobbörsen, Praktika. Zum Stichtag 30. September 2020 waren deshalb 11,7 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote nicht besetzt und 78.200 Bewerber noch immer auf der Suche.
Ein geschlossenes Bistro am 16. Dezember 2020 in Berlin am ersten Tag des harten Lockdowns in Deutschland.  - SNA, 1920, 16.12.2020
„Was soll das?“ - Konjunkturforscher zu Fehlprognosen der Politik und „verschmutzten“ Corona-Zahlen
„Die Schrumpfung des Ausbildungsmarktes ist allerdings nicht ausschließlich auf das Geschehen rund um die Pandemie zurückzuführen. Denn bereits zuvor war unter anderem als Folge sinkender Schulabgängerzahlen mit einem tendenziellen Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um mehr als 10.100 gerechnet worden. Die Differenz zwischen diesem Wert und dem tatsächlichen Rückgang in Höhe von knapp 57.600 liefert somit eine erste grobe Schätzung, in welchem Ausmaß die Pandemie den Ausbildungsmarkt beeinträchtigte. Demnach wäre der Rückgang von rund 47.400 Verträgen dem Krisengeschehen 2020 zuzuschreiben“, heißt es in dem Bericht des BIBB.
Besonders stark von Rückgängen betroffen waren die Ausbildungsberufe Tourismuskaufmann/ -frau (- 58,8 Prozent), Veranstaltungskaufmann/ -frau (- 36,2 Prozent) und Hotelkaufmann/ -frau (- 29,9 Prozent).

Experten warnen vor Sorglosigkeit

Angesichts des Rückgangs zeigte sich BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser besorgt und rief dazu auf, sich nicht auf die automatische Neubelebung des Ausbildungsmarktes nach der Pandemie zu verlassen. Zwar habe die Pandemie dem Ansehen des dualen Ausbildungssystems nicht geschadet, aber die Motivation zur Ausbildungsteilnahme hänge nicht nur von deren Attraktivität ab, sondern auch von der Erwartung, die Ausbildung frei von größeren Störungen, Einschränkungen und Existenzsorgen durchlaufen zu können.

„Es muss daher alles dafür getan werden, dass sich die im Zusammenhang mit der Pandemie entstandene Verunsicherung nicht chronisch verfestigt. Das laufende Ausbildungs- und Vermittlungsjahr wird allein schon deshalb erneut äußerst schwierig werden.“

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser - SNA
Friedrich Hubert Esser
BIBB-Präsident
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor Langzeitschäden für die berufliche Bildung. Nach der negativen Bilanz für 2020 würden schon jetzt alle Vorzeichen darauf zeigen, dass es 2021 kaum besser werde, so Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende. Vor allem junge Menschen mit niedrigen oder mittleren Schulabschlüssen sowie Jugendliche aus Einwandererfamilien drohten zu den Verlierern der Krise zu werden.
In diesem Zusammenhang forderte Hannack strukturelle Änderungen:

„Nötig ist eine Ausbildungsgarantie nach dem Vorbild Österreichs, die den Jugendlichen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommen, den Einstieg in das erste Ausbildungsjahr in einer außerbetrieblichen Ausbildung bietet. Das ist allemal besser, als die Jugendlichen durch die zahllosen Warteschleifen im Übergangsbereich zu schleusen.“

Elke Hannack - SNA
Elke Hannack
stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
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