Triage soll in Sachsen bei Corona-Patienten angewendet worden sein – Klinik prüft Berichte

© REUTERS / HENDRIK SCHMIDTCorona-Pandemie in Deutschland (Archivbild)
Corona-Pandemie in Deutschland (Archivbild) - SNA, 1920, 16.12.2020
Der ärztliche Direktor des Klinikums Oberlausitzer Bergland in Zittau in Sachsen Mathias Mengel hat Medienberichten zufolge bei der Zoom-Konferenz „Corona in Zittau und der Oberlausitz“ geäußert, dass im Krankenhaus Zittau schon mehrfach triagiert werden musste. Die sächsische Klinik prüft derzeit die Berichte.
„Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht“, bestätigte Mengel gegenüber dem Portal „T-Online“.
Die Entscheidung könne auch bedeuten, dass es für einen nicht verlegungsfähigen Patienten dann keine entsprechende Hilfe mehr gebe. Ihm zufolge wird versucht, den Patienten, für den es keine Versorgung gebe, in eine andere Klinik zu verlegen.
„Aber wir sind im Epizentrum, manche Häuser nehmen gar nicht mehr auf“, setzte Mengel fort.
Auch in Westsachsen seien die Kliniken überlastet.
Zurzeit prüft das Oberlausitzer Bergland-Klinikum im sächsischen Zittau Medienberichte zu einer möglichen Triage bei Corona-Patienten.
Derzeit könne noch nichts zu den Aussagen gesagt werden, die der ärztliche Direktor der Klinik in einem Online-Bürgerforum am Dienstagabend gemacht haben soll, erklärte eine Sprecherin des Gesundheitszentrums des Landkreises Görlitz, zu dem das Krankenhaus gehört, der Deutschen Presse-Agentur.
Zuvor hatte ein Reporter des Deutschlandfunks getwittert, dass Mengel in dem Forum geschildert habe, im Klinikum Zittau haben schon mehrfach triagiert werden müssen, weil Beatmungsbetten nicht ausreichten.

Fachbegriff Triage

Der Fachbegriff Triage stammt vom französischen Verb „trier“, das „sortieren“ oder „aussuchen“ bedeutet.
In Deutschland selbst gibt es kein Triage-Gesetz. Das heißt, dass es nirgends explizit gesetzlich geregelt ist, wie Ärzte in Notfallsituation über Leben und Tod entscheiden müssten. Indes hatten sieben medizinische Fachgesellschaften bereits im März entsprechende Handlungsempfehlungen für die Triage in Corona-Zeiten erarbeitet.
In dem elfseitigen Dokument heißt es: „Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden.“ So sei es „unausweichlich“, eine Auswahl zu treffen, welche Patienten intensiv-medizinisch behandelt werden „und welche nicht (oder nicht mehr)“.

Corona-Stand in Görlitz

Im Landkreis Görlitz, zu dem Zittau gehört, wurden nach Stand zum Dienstagmittag 7941 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. Es gab 262 Todesfälle. Laut Behörden wurden 263 Corona-Patienten stationär in den Kliniken des Landkreises Görlitz behandelt, 25 davon auf Intensivstationen.
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